Lärmaktionsplan

Vor allem die Autobahn sorgt für Geräuschpegel

Die A 1 bindet Burscheid gut an – aber sie ist auch Verursacherin von großem Lärm. Archivfoto: Doro Siewert
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Die A 1 bindet Burscheid gut an – aber sie ist auch Verursacherin von großem Lärm.
  • VonNadja Lehmann
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Straßenbaulastträger entscheiden über Maßnahmen, die der Lärmaktionsplan vorschlägt

Burscheid. Die Autobahnausfahrten enden quasi in der Stadt, die A 1 führt in unmittelbarer Nähe vorbei, und dann ist da noch die B 51: Es gibt viele schöne stille Ecken in Burscheid, aber ebenso viele laute: Einen Überblick darüber vermittelt der Lärmaktionsplan, der nun in der Stufe 3 vorliegt. Seine Aufgabe ist klar umrissen: Lärmauswirkungen in besonders belasteten Gebieten sollen geregelt und ruhige Gebiete vor einer Zunahme des Lärms geschützt werden. Allzu große Hoffnungen indes dämpfte im Stadtentwicklungsausschuss Heike Wunderlich. „Die größten Lärmquellen, die Autobahn, die Bundes- und Landesstraßen, gehören nicht in unseren Bereich. Wir können die Ergebnisse an den Straßenbaulastträger weitergeben. Aber was dieser dann macht, liegt nicht in unserer Hand“, betonte die Leiterin des Amts für Stadtplanung und Umwelt. Der Lärmaktionsplan sei EU-Vorgabe – und ein „rein rechnerisches Vorgehen“. Einen Anspruch auf die Umsetzung lärmmindernder Vorschläge gebe es nicht.

Bevor der Lärmaktionsplan endgültig in der Mai-Sitzung des Stadtrats verabschiedet wird, machte der Stadtentwicklungsausschuss dafür schon mal den Weg frei: Die Stadtverwaltung darf dem Landesamt für Natur, Umwelt- und Verbraucherschutz NRW Zahlen und Daten melden und dieses das dann an die EU weitergeben. Maßnahmenvorschläge, die die Autobahn betreffen, werden an die Autobahn GmbH weitergeleitet. Mit der Straßenverkehrsbehörde des Rheinisch-Bergischen Kreises wird über denkbare Geschwindigkeitslimits gesprochen – in der Hoffnung, damit eine Lärmreduzierung zu erreichen. Auch könnte dementsprechend lärmmindernder Asphalt eingesetzt werden. So hatte es der Lärmaktionsplan der Stufe 2 aufgelistet.

In Teilbereichen ist das auch geschehen. So hat die Autobahn GmbH bei der Sanierung der A 1 im Streckenabschnitt Stadtgrenze Leverkusen bis Dürscheid diesen Asphalt bereits verbaut. Und der Bund plant Flüsterasphalt für das gesamte Stadtgebiet. Aber: Es handelt sich um eine freiwillige Leistung. Ob sie kommt, ist offen. „Eine Garantie können wir nicht abgeben“, betonte Wunderlich. Einen Rechtsanspruch zur Durchsetzung solcher Maßnahmen gibt es nicht.

Das gilt beispielsweise auch für die Errichtung von Lärmschutzwänden. Auch dies, so die Autobahn GmbH in einem Schreiben an die Stadtverwaltung, sei eine freiwillige Leistung des Bundes und sei abhängig von verfügbaren Haushaltsmitteln und der Dringlichkeit. Ohnehin, so erklärt die Autobahn GmbH, gebe sie dem lärmmindernden Asphalt den Vorzug, da davon mehr Bürgerinnen und Bürger profitierten.

Ähnlich reagierte auch Straßen NRW. Die Landesbehörde ist für die B 51 verantwortlich und erteilt lärmminderndem Asphalt in Hilgen eine Absage: Da es sich um einen innerörtlichen Straßenabschnitt handele, sei eine Anpassung nicht erforderlich. Zumal ja bereits Vorkehrungen getroffen wurde: „Durch die Errichtung von Kreisverkehren und der damit verbundenen Einsparung von Beschleunigungs- und Verzögerungsvorgängen konnte eine Lärmminderung auf Teilen der B 51 erzielt werden.“

Lärmkartierung zeigt, wo es laut ist

Wie es tatsächlich aussieht, hat die Lärmkartierung des Landesamts für Natur, Umwelt- und Verbraucherschutz deutlich gemacht. Sie zeigt, dass die vom Lärm besonders betroffenen Burscheider in Heide, Am Sieferbusch, Kotten, Liesendahler Feld, Kämpchen, in der Löhsiedlung, Oberlandscheid und Heddinghofen wohnen – in der Nähe der A 1. Der Kartierung wurden Werte von 65 Dezibel am Tag sowie 55 in der Nacht zugrunde gelegt. Das Ergebnis: „Grundsätzlich ergaben die Berechnungen, dass bei Nacht mehr Bürgerinnen und Bürger betroffen sind als bei Tag.“ Der nächtliche Dauerschallpegel wird für alle Nächte des Jahres von 22 bis 6 Uhr gemittelt.

Der Lärmaktionsplan Stufe 2 hatte deshalb Lärmschutzwände in den Bereichen Sieferbusch, Kotten, Dürscheid und Heddinghofen vorgeschlagen, diese hätten für den gewünschten Effekt jedoch vier bis acht Meter hoch sein müssen.

Hintergrund

Die Europäische Union (EU) definiert Umgebungslärm als belästigende, gesundheitsschädliche Geräusche im Freien, die durch Aktivitäten von Menschen verursacht werden. Dazu kommen Straßen-, Schienen- und Flugverkehr. Im Rahmen des Lärmaktionsplans der 3. Stufe wurden Lärmkarten von Hauptverkehrsstraßen erstellt, über die im Jahr mehr als drei Millionen Fahrzeuge rollen. Dazu zählen die A 1 im gesamten Burscheider Stadtgebiet, die B 51 von der Stadtgrenze Wermelskirchen und Kreuzung Kaltenherberg sowie fünf Landesstraßen.

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