Vogelfreunde sollten nun die Nistkästen vorbereiten

Das ist meins: Eine Kohlmeise sitzt mit Baumaterial im Schnabel an ihrem Nistkasten.Archivfoto:Stefan Sauer/dpa
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Das ist meins: Eine Kohlmeise sitzt mit Baumaterial im Schnabel an ihrem Nistkasten.Archivfoto:Stefan Sauer/dpa

Nabu-Experte weiß, wie das perfekte Haus aussieht

Von Nadja Lehmann

Während sich der Homo sapiens noch fröstelnd in die Winterdecke kuschelt, sind die Vögel schon viel weiter: Im Februar beginnen sie, sich Heim und Partner zu suchen. Gut, wer dann einen schönen passenden Nistkasten findet. Und dabei ist dann doch wieder der Homo sapiens gefragt. Der sollte als Vogelfreund jetzt nämlich die Vorbereitungen treffen: Den Nistkasten bauen oder kaufen. Oder, falls schon vorhanden, spätestens jetzt reinigen.

„Am besten nimmt man unbehandeltes Material“, empfiehlt Erich Schulz dem aktiven Handwerker. Unlackiertes Holz sei die richtige Wahl, allenfalls biete sich eine atmungsaktive Holzschutzfarbe an: „Das schützt dann das Holz, und im Inneren vorhandene Feuchtigkeit kann trotzdem nach außen diffundieren.“

Erich Schulz weiß, wovon er spricht. Seit 50 Jahren engagiert er sich im Nabu (Naturschutzbund Deutschland): Durch seine Leidenschaft fürs Fotografieren habe er zum Naturschutz gefunden, erzählt der 82-jährige, der noch heute für den Nabu Nistkästen kontrolliert und den Vorsitz des Leverkusener Ortsvereins innehat.

Die Größe des Nistkastens richtet sich nach der Vogelart. „Kohl- und Blaumeise sind da relativ anspruchslos“, sagt Erich Schulz. Für eine Dohle beispielsweise müsse der Kasten größer sein.

Und das Rotkehlchen sei ein ganz schwieriger Geselle: „Ich habe es erst einmal erlebt, dass ein Rotkehlchen einen Nistkasten bezogen hat.“ Der Grund: Rotkehlchen seien Freibrüter. „Sie suchen sich meist einen überdachten Platz.“ Sollte man trotzdem unbedingt dem Rotkehlchen eine Behausung anbieten wollen, könne man eine Halbhöhle bauen, bei der die obere Hälfte fehlt: „Dann haben es allerdings die Fressfeinde sehr leicht.“ Lieber solle man dem Rotkehlchen einen Reisighaufen anbieten: „Da hat es mehr von.“

Für das Einstiegsloch eine 28-er Luke für die Blaumeise, für die etwas größeren Vögel das 32-er Loch. Und dieses sollte im Idealfall in Richtung Südosten liegen: „Wind und Regen kommen von Westen.“

In welcher Höhe der Nistkasten hängt, sei nicht entscheidend. „In einem Garten, in dem wenig Leute sind, reichen 1,50 Meter“, sagt Schulz. Auf einem viel begangenen Grundstück empfiehlt er drei Meter: „Kein Mensch sollte die Hand hineinstecken oder am Nistkasten wackeln können.“

Wer als Vogelfreund bereits einen Nistkasten hat und dessen Reinigung im Herbst versäumt hat, sollte spätestens jetzt die Säuberung nachholen und einen Blick ins Innere werfen. Der empfiehlt sich in jedem Fall, findet Schulz. Schließlich kann im Winter ein Vogel dort seinen Schlafplatz gefunden, eine kalte Nacht aber möglicherweise nicht überlebt haben: „Ein toter Vogel, der da verwest, tut dem Holz nicht gut.“ Ebenso wenig wie feucht und muffig gewordenes Nistmaterial. „Ich habe das Rausräumen selbst schon mal vergessen“, bekennt Schulz. Einzelne Vögel hätten daraufhin einfach aufs Alte draufgebaut, andere aber wiederum hätten das alte Nistmaterial sorgfältig hinausgetragen.

Der Mensch sollte übrigens die Finger davon lassen, den Nistkasten mit Material auszupolstern. „Die Vögel“, sagt Erich Schulz, „haben da ganz eigene Vorstellungen.“ Und auch von Verschönerungsversuchen im Inneren rät Schulz ab. „Keinesfalls sollte man die Wände schön glatt machen wollen. Eine raue Wand dient den Jungvögeln als Kletterhilfe beim Raussteigen.“

Nistkasten bauen oder kaufen? Werten will Schulz das nicht. „Das ist einfach eine Mentalitätsfrage“, sagt er. Es gebe auch gute fertige Modelle. Dem Do-it-yourself-Handwerker empfiehlt er Fichtenholz: „Sperrholz darf es in keinem Fall sein. Das ist nicht atmungsaktiv.“

Höhlenbrütende Vögel finden immer weniger Anlaufstellen

Der Nabu-Experte weiß, dass die menschliche Nistkästen-Unterstützung immer wichtiger geworden ist. „Höhlenbrütende Vögel finden immer weniger Anlaufstellen“, sagt er. Ritzen, Spalten, Lücken in den Häusern von einst gebe es nicht mehr, auch alte Bäume nicht in Hülle und Fülle.

Skeptischer sieht er dagegen die Ganzjahresfütterung. „In Städten mag es sinnvoll sein“, sagt er. Wer jedoch ländlich am Waldrand wohne, einen Garten mit Stauden und Sträuchern habe, dem rate er von der durchgehenden Fütterung nach wie vor ab: „Wir blockieren so die natürliche Auslese. Das widerspricht zwar unserem Gefühl, aber für die Natur ist es besser.“

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