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Vierbeiner und Mensch werden hier zum Team

Das Vereinshaus bildet den Dreh- und Angelpunkt der Hundefreunde, die sich hier im gebotenen Corona-Abstand versammeln.
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Das Vereinshaus bildet den Dreh- und Angelpunkt der Hundefreunde, die sich hier im gebotenen Corona-Abstand versammeln.
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Seit 1930 gibt es den Hundeverein Burscheid, der sich regelmäßig in Bellinghausen trifft.

Von Nadja Lehmann

Burscheid. Einst war er ein reines Stelldichein der Männer, die, ganz formell in Schlips und Kragen, mit ihren Vierbeinern übten: So war das, 1930, bei der Gründung des Deutschen Schäferhundevereins Burscheid. Seitdem hat sich viel geändert: Willkommen sind nicht mehr nur Schäferhunde, sondern längst auch Dackel und Mischlinge. „Und die Frauen machen bei uns 98 Prozent aus“, sagt der Vereinsvorsitzende Olaf Hoppe. Natürlich heißt der Verein inzwischen auch ganz einfach „Hundeverein Burscheid 1930“.

Klein, aber fein könnte man ihn nennen, mit seinen zwölf aktiven Mitgliedern. Auf dem Vereinsgelände gehen aber sehr viel mehr Menschen ein und aus: diejenigen nämlich, die ihre Hunde (und teilweise auch sich selbst) ausbilden lassen – damit Zwei- und Vierbeiner Freude aneinander haben, richtig miteinander kommunizieren und zusammen klarkommen.

Guido Witt (links) hat schon den Schutzarm angelegt. Raudi guckt aufmerksam. Fleich wird Olaf Hoppe einen Befehl geben.

Idyllisch unter hohen alten Bäumen liegt das Gelände am Wanderparkplatz in Bellinghausen. Mittendrin das Vereinsheim, der Dreh- und Angelpunkt für alle Hundefreunde. Immer mittwochs und freitags ab 17 Uhr treffen sie sich hier, im Sommer wird der Grill angeworfen. Seit 1963 ist der Verein in Bellinghausen daheim, genauso alt ist auch das rustikale Vereinsheim.

Auf der Wiese wartet schon ein großer schwarzgrauer Schäferhund, den Kopf schräg geneigt, die Rute eifrig klopfend: Raudi von den Querulanten, fünf Jahre alt, ein Abkömmling aus leistungsbetonter Zucht aus dem sächsischen Dresden. „Fast alle seine Brüder sind im Dienst der Polizei“, erzählt Olaf Hoppe stolz. Gemeinsam mit Guido Witt ist der Vorsitzende der Ausbilder im Verein. Und als Guido Witt dazu kommt und sich zu Demonstrationszwecken die Schutzkleidung über den Arm zieht, weiß Raudi, was zu tun ist: ein kontrollierter Sprung, ein Biss. Der „Übeltäter“ ist gestellt.

Lektionen, die für die in der Nähe sitzende scheue schwarze Mischlingshündin „Lady“ nichts wären: Die aus Rumänien stammende Hündin soll im Idealfall nur ein bisschen mutiger werden.

„Wir gehen individuell auf jeden Hund ein“, sagt Olaf Hoppe. Zunächst geht es einfach darum, dessen Aufmerksamkeit zu gewinnen. „Es ist wie in der Schulklasse: Derjenige, der aus dem Fenster guckt, lernt nichts“, sagt Hoppe. Auf welchen Reiz der Hund reagiert, muss der Ausbilder herausfinden: Sind es die Leckerchen, die ihn anspornen? Eine Streicheleinheit? Oder ein Spielzeug?

Verzogene Einzelkinder haben im Verein übrigens nichts zu suchen. „Wir achten auf das Sozialverhalten“, sagt Olaf Hoppe. Alle neuen Hunde werden bei der Arbeit sofort in die Gruppe integriert. „Wir hatten ganz am Anfang mal eine Beißerei, dann nie wieder“, sagt Hoppe, der seit 1985 im Verein ist und seit Jahrzehnten selbst ausbildet. Der 56-Jährige ist mit Hunden groß geworden; eine Pause gab es nur, als ihm der Beruf keine Zeit für einen Vierbeiner ließ. Um so wichtiger ist es, dass seine Frau sein Hobby teilt: „Wenn die Familie nicht mitzieht, klappt es nicht“, sagt der Ausbilder, der schon viele Hunde hat kommen und gehen sehen.

„Meist sitzt das Problem an anderen Ende der Leine“, sagt Hoppe, und grinst. Die Vierbeiner meint er damit nicht. „Hund und Besitzer müssen ein Team sein, sonst bringt alles nichts.“ Im Idealfall schaffen es beide dann bis zur Prüfung „verkehrssicherer Begleithund“. Ein halbes Jahr müssen sich Herr und Hund fürs erste grundlegende Lernen in Bellinghausen Zeit nehmen. „Sonst lohnt es sich nicht, das bringt nichts“, sagt Hoppe. Der Austausch und der Kontakt zu Menschen sind ihm wichtig. „Das macht mir am meisten Spaß.“

Die Arbeit von Guido Witt und Olaf Hoppe finanziert den Verein

Die Arbeit von Guido Witt und Olaf Hoppe finanziert den Verein. Ebenso wie die Mitgliedsbeiträge und der Getränkeausschank. Eigentlich hatten die Vereinsmitglieder in diesem Jahr das 90-jährige Bestehen feiern wollen. Klein klassisches Jubiläum in dem Sinne, aber doch eine Zahl, auf die man stolz ist. „Ich wollte alle bisherigen 1. Vorsitzenden einladen“, erzählt Olaf Hoppe. Vier hat er erreicht, die auch zusagten. Ebenso wie ein 89-jähriges Gründungsmitglied. „Wir sind ja mit allen noch in gutem Kontakt“, sagt Hoppe.

Doch dann kam die Pandemie. „Mal sehen, wie sich alles entwickelt“, sagt der Vereinsvorsitzende. „Normalerweise feiern wir im Januar unsere Jahresabschlussfeier.“ Er hofft, dass wenigstens dies klappen wird.

Mit Sorge hat er verfolgt, dass viele Menschen sich im Lockdown einen Hund angeschafft haben. „Der Schuss geht nach hinten los“, sagt der erfahrene Ausbilder. Sich ein Tier anzuschaffen, ist eine Überlegung, die lange und gut durchdacht sein will: Gleichgültig, ob es sich dabei um einen Hund oder ein Meerschweinchen handelt. „Ich würde den Leuten raten: Kauft euch ein Fahrrad.“

Hintergrund

Kurse: Für die Welpen gibt es Spielstunden und Sozialisation, für die Junghunde den Grundgehorsam, für die Begleithunde den Umgang im Alltag. „Im Vordergrund stehen der Spaß und das Spiel für die Hunde“, betont der Verein.

Treffen: immer mittwochs und freitags in Bellinghausen am Wanderparkplatz ab 17 Uhr. Alle Rassen und Mischlinge sind willkommen.

Kontakt:

www.hunde-burscheid.de

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