Energie

Verwaltung soll Realisierbarkeit prüfen

Den eigenen Strom erzeugen und verbrauchen: Das ist ein Ziel einer Energiegenossenschaft. Ähnliches wollen auch die Grünen für Burscheid. Archivfoto: Roland Keusch
+
Den eigenen Strom erzeugen und verbrauchen: Das ist ein Ziel einer Energiegenossenschaft. Ähnliches wollen auch die Grünen für Burscheid.
  • VonNadja Lehmann
    schließen

Grüne wollen Energiegenossenschaft gründen: Über Chancen und Voraussetzungen informierte sich jetzt der Umweltausschuss.

Von Nadja Lehmann

Burscheid. „Ich bin seit dem 1. August Ihre neue Klimamanagerin“: Mit diesen Worten stellte sich Ursula Linda Kurzbach am Donnerstagabend den Mitgliedern des Umweltausschusses vor, übergab dann aber das Wort: Als Expertin rund ums Thema Energie war Romy Simke von der Energie-Agentur NRW nach Burscheid gekommen. Grund: Der von Burscheids Grünen initiierte Vorstoß, eine Energiegenossenschaft zu gründen. Auf der Ratssitzung im September hatten die Politiker beschlossen, darüber noch mehr Informationen einholen zu wollen. Denn was ist das überhaupt, eine Genossenschaft?

„Sie wird gemeinsam finanziert und betrieben. Das macht Bürgerenergie aus“, lautete Simkes Antwort darauf. In ihrem Vortrag zeigte sie auf, welche Voraussetzungen eine Genossenschaft braucht, um erfolgreich am Markt zu bestehen. „Das sind zum einen Privatpersonen, die sich als Kümmerer verstehen und das Ganze vorantreiben. Zu anderen braucht es eine Kommune, die das Projekt unterstützt“, betonte Romy Simke.

Und das könne diese auf ganz unterschiedliche Weise tun – angefangen vom Anbieten von Räumen für Mitgliedertreffen über die Verpachtung geeigneter Grundstücke bis hin zur eigenen finanziellen Beteiligung. Auch könne die Kommune entscheidende Daten zur Verfügung stellen oder ermitteln lassen, wie durch Erstellung eines Katasters. „Und die Kommune kann in die Öffentlichkeit gehen, diese einbeziehen und Themen publik machen“, sagte Simke. Schließlich habe jede Kommune ihr Netzwerk, das sie nutzen könne.

Die große Bedeutung einer Genossenschaft steckt in ihrer Stärkung der lokalen Identität; das machte Romy Simke deutlich. „Sie weckt das Mitbestimmungsgefühl.“ Denn unabhängig von seiner Einlage habe jedes Mitglied eine Stimme und könne so die Geschicke mit bestimmen. „Diese demokratische Mitbestimmung ist ganz wichtig.“ Und: Man könne sich bereits mit kleinen Summen beteiligen. Nicht zuletzt: Eine Genossenschaft biete eine hohe Insolvenzsicherheit. „Die Risiken werden gestreut“, betonte Simke in ihrem Vortrag.

Mitglieder können zu ihren eigenen Kunden werden

Vor rund zehn Jahren war das Betätigungsfeld ziemlich eindeutig: Die meisten Genossenschaften starteten mit Solar-Anlagen. Heute ist das Geschäftsfeld differenzierter. „Genossenschaften engagieren sich im Bereich Photovoltaik, erhöhen die Energieeffizienz in kommunalen Liegenschaften, sind in den Bereichen Windenergie oder Nahwärme unterwegs“, erklärte Simke. In dem Fall würden die Mitglieder zu ihren eigenen Kunden werden, die ihren eigenen Strom beziehen.

Ein Projekt, wie es auch Burscheids Grünen vorschwebt. Im Wahlkampf waren sie mit ihrem energetischen Programm an die Öffentlichkeit getreten, in dessen Mittelpunkt die Gründung einer Energiegenossenschaft, liebevoll Egon genannt, steht.

Die Idee: Unterstützt von der Politik sollen die Stadtwerke eine Energiegenossenschaft im Stadtgebiet gründen. Burscheider, die sich beteiligen wollen, könnten bis zu vier Anteile kaufen. „Für uns ist es das sozialste und ökologischste Modell“, hatte die grüne Fraktionschefin Sabine Wurmbach erklärt. „Wir können in drei bis fünf Jahren komplett das erzeugen, was privat gebraucht wird.“

Zum grünen Klimaschutzkonzept gehören auch Ladesäulen für E-Fahrzeuge. Diese möchten die Grünen vor allem in der Stadtmitte installieren, wie in der Kirchenkurve.

Weitere denkbare Standorte aus Sicht der Grünen: vor dem Pastor-Löh-Haus und dem Wanderparkplatz Hammerweg. Die Ladezeit könnte in beiden Fällen mit einer Einkehr kombiniert werden: zum einen im Restaurant Korfu an der Höhestraße, zum anderen im Thomashof am Hammerweg.

Am Donnerstagabend signalisierte schon mal SPD-Fraktionsvorsitzender Klaus Becker Wohlwollen. „Der Antrag ist lobenswert“, befand er. Allerdings hätten sich Politik und Stadt schon in der Vergangenheit intensiv mit Photovoltaik beschäftigt und Standorte geprüft: „Ganz neu ist das Thema nicht. Da muss es doch noch zahlreiche Unterlagen geben.“

Bis auf drei Stimmen Enthaltung erteilten die Politiker dann aber doch der Stadtverwaltung den Auftrag, eine mögliche Realisierbarkeit von Genossenschaft „Egon“ abzuklopfen.

Energie-Agentur NRW

Die Energie-Agentur NRW arbeitet im Auftrag der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen als operative Plattform mit Kompetenz im Energiebereich: von der Energieforschung, technischen Entwicklung, Demonstration und Markteinführung über die Initialberatung bis hin zur beruflichen Weiterbildung. Betrieben wird sie von der Energie-Agentur NRW GmbH. Die Inhaber der Energie-Agentur NRW GmbH sind zu jeweils 50 Prozent die agiplan GmbH und die ee energy engineers GmbH. Der Auftrag: Die Energiewende voranzutreiben und Wege aufzuzeigen, wie Unternehmen, Kommunen und Privatleute sparsamer und damit ökonomischer mit Energie umgehen oder erneuerbare Energien sinnvoll einsetzen können.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Hilgen: Kreuzung Kölner/Witzheldener Straße wieder freigegeben
Hilgen: Kreuzung Kölner/Witzheldener Straße wieder freigegeben
Hilgen: Kreuzung Kölner/Witzheldener Straße wieder freigegeben
Kreuzung in Hilgen war gesperrt
Kreuzung in Hilgen war gesperrt
Kreuzung in Hilgen war gesperrt
Gelungene Premiere des Feierabendmarktes
Gelungene Premiere des Feierabendmarktes
Gelungene Premiere des Feierabendmarktes
Firmenkunden werden vor Ort beraten
Firmenkunden werden vor Ort beraten
Firmenkunden werden vor Ort beraten

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare