Ute Hentschel wagt mit ihrem Team im Lockdown neue Wege

Buchhändlerin Ute Hentschel ist seit Montag wieder mit ihrem Team für die Kunden da. Das war sie auch während des Lockdowns, aber anders. Archivfoto: Doro Siewert
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Buchhändlerin Ute Hentschel ist seit Montag wieder mit ihrem Team für die Kunden da. Das war sie auch während des Lockdowns, aber anders. Archivfoto: Doro Siewert

Seit Montag steht die Tür in der Buchhandlung an der Hauptstraße wieder offen

Von Nadja Lehmann

Für alle diejenigen, denen Bücher Grundnahrungsmittel und Grundbedürfnis sind, hat sich die Corona-Zeit ganz entschieden aufgehellt: Vom Donnerstag an wird die Stadtbücherei wieder am Start sein (mehr auf S. 24), und die Buchhandlung Ute Hentschel ist bereits seit Montag wieder zugänglich für jene, die ihr Glück am liebsten zwischen den Buchdeckeln suchen – und finden. Wobei die Burscheider Buchhandlung auch im Lockdown da war. Bloß eben etwas anders.

„Bei uns konnte man auf allen Wegen bestellen“, berichtet Ute Hentschel. Via Homepage und Web-Shop, via Telefon und via E-Mail. „Eine von uns war immer in der Buchhandlung vor Ort, zu den üblichen Öffnungszeiten“, sagt Hentschel. Verwaist war die Buchhandlung also nie, sondern im Gegenteil ständig erreichbar.

Und Ute Hentschel wusste mitsamt ihrem Team das Lesefieber anzuheizen. „Wir hatten unsere Dekotische ans Fenster herangerückt und auf drei Ebenen so angeordnet, dass man vom Schaufenster aus ganz viele Bücher sehen konnte“, erzählt Hentschel. So habe jeder Schaufenstergucker gleich zum Hörer greifen und quasi mit Blick aufs Gewünschte unmittelbar bestellen können. „Wir haben fast den normalen Umsatz gemacht“, freut sich die Buchhändlerin. Sie habe deshalb alle Löhne zahlen und ihren Mitarbeiterinnen auch den Corona-Bonus weitergeben können.

Dahinter steckt aber jede Menge Arbeit. „Wir haben eine sehr gute Internetpräsenz“, sagt Ute Hentschel. Und das heißt bei ihr: Das Team filmt sich am vergangenen Wochenende beim großen Aufräumen vor der Wiedereröffnung und postet das auf Instagram, es gibt Blogs und Interviews mit Autoren. „Es hat großen Spaß gemacht, war aber extrem anstrengend“, bekennt die Burscheider Buchhändlerin. Eine ähnliche Einschätzung habe sie von Kollegen gehört: „Ich halte Kontakt zu mehreren inhabergeführten Buchhandlungen in ähnlicher Größenordnung.“

Auch manch weiterer Aufwand sei größer gewesen als sonst: „Wir haben ja alles kontaktlos gemacht und zu jeder Bestellung die Rechnung beigelegt.“ Folge: Mehr Papierverbrauch und höhere Buchhaltungskosten. „Am Abend kamen schnell 100 Einzelbuchungen zusammen – und jede einzelne kostet.“

„Es ist schön, wieder in einem beleuchteten Raum zu stehen, mit Menschen zu reden.“

Ute Hentschel, Buchhändlerin

Das Wichtigste aber: Das Team zog mit. „Wir hatten Spaß. Beim Ideenentwickeln. Beim Aufräumen.“ Denn am vergangenen Wochenende wurde die Buchhandlung quasi auf links gedreht, wurde staubgewedelt, gewischt und jede Ecke untersucht. „Es ist total schön, jetzt wieder in einem beleuchteten Raum zu stehen, die Kunden willkommen zu heißen, mit Menschen zu reden“, gerät Hentschel ins Schwärmen. Und die Kunden sehen das ähnlich: Sie waren umgehend zur Stelle. „Ein Kunde hat angerufen, weil er uns gratulieren und sein Kommen für diese Woche ankündigen wollte“, erzählt Hentschel.

Die Corona-Regeln gelten nach wie vor: Es wird Maske getragen, mehr als acht Kunden dürfen nicht rein (wird an den Einkaufskörben abgezählt), die Theke ist mit Spuckwänden geschützt, der Desinfektionsspender installiert.

Sie habe angesichts der steigenden Zahlen aber durchaus Bauchweh gehabt, zu öffnen, sagt Hentschel offen. Der jetzige Zeitpunkt sei für sie eine Überraschung gewesen: „Ich hatte mich darauf eingestellt, bis Ostern durchzuhalten.“ Kein Verständnis habe sie für Corona-Partys, für Kindergeburtstage, die polizeilich aufgelöst werden müssen: „Dann denke ich, sind die denn noch ganz dicht?“

Leid tue es ihr um die Kollegen anderer Branchen, die weiterhin geschlossen haben müssen. „Wir zählen jetzt zum täglichen Bedarf, das ist natürlich super.“ Wahrscheinlich müsse man, ungeachtet der weiteren Pandemie-Entwicklung, mit keiner Schließung mehr rechen: „Das gibt Planungssicherheit.“ Zu verdanken sei das wohl auch der Kulturbeauftragten der Bundesregierung, Monika Grütters. „Sie ist eine große Leserin.“

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