Pandemie

Unternehmer begrüßen 3G am Arbeitsplatz

Remi Selbach hat inzwischen nicht nur Tiernahrung, sondern auch Selbsttests vor Ort: Er habe, sagt er, den Umsatzeinbruch im Lockdown deutlich gespürt. Archivfoto: Doro Siewert
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Remi Selbach hat inzwischen nicht nur Tiernahrung, sondern auch Selbsttests vor Ort: Er habe, sagt er, den Umsatzeinbruch im Lockdown deutlich gespürt.

Positive Reaktionen auf die seit rund einer Woche gültige Regel.

Von Stephan Eppinger

Burscheid. Seit rund einer Woche müssen Arbeitnehmer in ganz Deutschland nachweisen, dass sie geimpft, genesen oder getestet sind. Die 3G-Regel gilt nun auch am Arbeitsplatz. Auch in Burscheid muss diese bundesweite Verordnung zum Schutz vor Corona-Infektionen umgesetzt werden.

„Ich bin hocherfreut, dass wir im Unternehmen eine sehr hohe Impfquote haben. Sie liegt bei 94 Prozent. Bislang durften wir die Mitarbeiter nicht zu ihrem Status befragen. Durch die neue Regelung ist jetzt wohl auch die Impfbereitschaft bei den noch Nichtgeimpften gestiegen“, sagt Richard Kretzer, Chef der gleichnamigen Bäckerei, wo 101 Mitarbeiter an zwölf Standorten beschäftigt sind. „Durch unsere dezentrale Unternehmensstruktur wäre Testen im großen Stil schwierig geworden. Aber auch die Tests, die aktuell noch nötig sind, haben viel Vorbereitungsarbeit gekostet. Man musste jeden Mitarbeiter anrufen, nach seinem Status befragen und sich den entsprechenden Nachweis vorlegen lassen. Die ungeimpften Mitarbeiter müssen täglich einen Schnelltest von einer zertifizierten Teststelle vorlegen. Selbsttests akzeptieren wir nicht.“

Wir müssen alles tun, um wieder zum normalen Leben zurückzukommen.

Remi Selbach, Dibo

Beim Burscheider Tiernahrungsmittel-Hersteller Dibo sind zwei der insgesamt 40 Mitarbeiter noch ungeimpft. „Die Überprüfung der Geimpften war relativ einfach, jeder hat den Nachweis heute auf seinem Smartphone. Die Nichtgeimpften können sich in der Apotheke testen lassen. Wir haben aber auch selbst Schnelltests vor Ort“, sagt Inhaber Remi Selbach. Dass jetzt die 3G-Regel auch am Arbeitsplatz gilt, findet er gut: „Wir müssen alles tun, um wieder zum normalen Leben zurückzukommen. Wir beliefern bundesweit Baumärkte mit Tierfutter. Als diese im Lockdown schließen mussten, haben wir das deutlich beim Umsatz gemerkt. Entsprechend hoch ist jetzt auch die Bereitschaft der Mitarbeiter, die 3G-Regel hier umzusetzen. Davon profitieren wir alle im Unternehmen.“

Keine Probleme mit der neuen Regel hat auch Buchhändlerin Ute Hentschel: „Bei uns sind alle im Team geimpft. Ich selbst habe gerade schon meine dritte Impfung bekommen. Ich finde die neue Regel und die Statusüberprüfung absolut richtig. Datenschutz darf nicht vor dem Schutz des Lebens stehen. Jetzt muss auch die Impfpflicht kommen.“ In manchen Bundesländern wie etwa in Baden-Württemberg gilt die 3G- bzw. 2G-Regel auch schon im Einzelhandel. „Wir haben auf dem Handy bereits eine App installiert, mit der wir den QR-Code der Zertifikate scannen können. Aber jetzt mitten im Weihnachtsgeschäft jeden Kunden am Eingang zu kontrollieren, wäre sehr schwierig und würde einen enormen Aufwand bedeuten“, sagt Hentschel.

Zu den größten Arbeitgebern in der Region zählt Federal Mogul mit seinen Werken in Burscheid. Diese gehören seit 2018 zum Tenneco-Konzern, wo an allen Standorten jetzt die neue 3G-Regel umgesetzt wird. „Gesundheit und Sicherheit der Mitarbeiter haben für Tenneco höchste Priorität. Bereits seit Beginn der Pandemie wurden am Standort Burscheid umfangreiche Schutzmaßnahmen eingeleitet und eine spezielle Corona Task Force installiert, die täglich tagt, um schnellstmöglich auf entsprechende Situationen reagieren zu können.

Um den mit der Umsetzung der gesetzlichen Verordnungen zur 3G-Regel am Arbeitsplatz einhergehenden Mehraufwand bei der Zugangskontrolle reibungslos bewältigen zu können, haben wir zusätzliches Personal für die Werkspforten zur Prüfung und Dokumentation der erforderlichen Nachweise eingeplant. Dabei handelt es sich zum Teil um externes Personal. Die entsprechenden Maßnahmen sind von unserer Belegschaft, bis auf wenige Ausnahmen, bislang positiv angenommen worden. Wir appellieren weiterhin an alle unsere Beschäftigten, sich impfen zu lassen, soweit noch nicht erfolgt“, erklärt das Unternehmen auf Nachfrage unserer Zeitung.

Am Standort Burscheid sind insgesamt rund 1600 Mitarbeiter beschäftigt. In den Bereichen Engineering und Verwaltung wird bereits seit März 2020, wo es möglich ist, von zu Hause bzw. von außerhalb des Werksgeländes gearbeitet.

Hintergrund

Auf der Webseite der Bundesregierung heißt es: „Mit dem neuen Infektionsschutzgesetz gelten erweiterte Regeln am Arbeitsplatz. Ziel ist es, die Ausbreitung der Pandemie zu bremsen. Der Zutritt zur Arbeitsstätte ist nur noch Beschäftigten mit 3G-Status erlaubt – das heißt, sie müssen gegen das Coronavirus geimpft sein, genesen oder negativ getestet. Der Arbeitgeber ist verpflichtet, die entsprechenden Nachweise vor Betreten der Arbeitsstätte zu kontrollieren. Das legt das neue Infektionsschutzgesetz fest.“

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