Wirtschaft

Unternehmen wollen wieder investieren

Probleme, freie Stellen zu besetzen, haben inzwischen Unternehmen in allen Branchen, besonders viele allerdings im boomenden Baugewerbe. Foto:
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Probleme, freie Stellen zu besetzen, haben inzwischen Unternehmen in allen Branchen, besonders viele allerdings im boomenden Baugewerbe.

Rohstoffmangel, hohe Energiepreise und fehlende Fachkräfte sind Hindernisse auf dem Weg aus der Pandemie.

Von Udo Teifel

Die regionale Wirtschaft erholt sich schneller als erwartet von den Pandemiefolgen, die Unternehmen blicken wieder zuversichtlicher nach vorne. Der Mangel an Rohstoffen, fehlende Fachkräfte sowie hohe Energiepreise bremsen aber den Aufschwung teilweise massiv aus. Das belegt die jüngste Konjunkturumfrage der IHK Köln, an der sich zwischen dem 16. August und dem 24. September 658 Unternehmen aus dem IHK-Bezirk (Köln, Leverkusen, Rheinisch-Bergischer Kreis, Rhein-Erft-Kreis, Oberbergischer Kreis) beteiligt haben. Der Konjunkturklimaindikator der IHK Köln ist von 102,6 Punkten im Frühjahr auf 117,9 Punkte gestiegen und liegt damit erstmals seit Beginn der Corona-Krise wieder über dem langjährigen Durchschnitt.

Eva Babatz ist Leiterin der IHK-Geschäftsstelle in Leverkusen-Rhein-Berg.

„Corona ist nicht vorbei, doch für viele Unternehmen hat sich die Lage wieder normalisiert. Für die weitere Erholung gibt es aber erhebliche Risiken“, sagt Eva Babatz, Leiterin der Geschäftsstelle Leverkusen/Rhein-Berg der IHK Köln. „Viele Unternehmen können wegen hoher Energiepreise oder des Mangels bei Rohstoffen und Vorprodukten längst nicht so erfolgreich arbeiten, wie sie eigentlich könnten“, sagt Babatz. „Der Rohstoffmangel ist wie auch der Anstieg der Energiepreise ein globales Phänomen, Steuern und Abgaben machen Energie in Deutschland im internationalen Vergleich aber besonders teuer.“ Babatz: „Neben den hohen Kosten sind die Unternehmen verunsichert über die künftige Energieversorgung in der Region Köln. Die Unternehmen brauchen Klarheit über den Ausbau alternativer Energien und den Netzausbau. Der Wunsch nach mehr Verlässlichkeit und Planbarkeit ist groß.“

Dementsprechend nennen auch 58 Prozent der befragten Unternehmen hohe Energie- und Rohstoffpreise als Geschäftsrisiko. Nahezu genauso viele Unternehmen (59 Prozent) identifizieren den Fachkräftemangel als Gefahr für ihr Unternehmen. „Die demografische Entwicklung bleibt der maßgebliche Faktor auf dem Arbeitsmarkt, daran hat Corona nichts geändert“, sagt Babatz. Probleme, freie Stellen zu besetzen, haben inzwischen Unternehmen in allen Branchen, besonders viele im boomenden Baugewerbe (80 Prozent) und in den besonders von Corona belasteten Branchen (Gastgewerbe 70 Prozent, verbrauchernahe Dienstleistungen 65 Prozent, Einzelhandel 64 Prozent). „Dieser Herausforderung effektiv und kreativ zu begegnen, ist eine zentrale Aufgabe für Unternehmen, Politik und auch die IHK“, sagt Babatz.

Im Rheinisch-Bergischen Kreis bewerten 40 Prozent der befragten Unternehmen ihre Lage als gut (vorherige Umfrage: 34 Prozent). Eine schlechtere Lage melden noch 14 Prozent (24 Prozent). Vor allem in der Industrie und im Dienstleistungsbereich hat sich die Situation verbessert. Die Lagebewertung im Handel bleibt negativ.

Ein Viertel der Unternehmen erwartet eine bessere Entwicklung

Auch die Erwartungen für die kommenden zwölf Monate haben sich insgesamt verbessert. Wie in der Frühjahrsumfrage erwartet ein Viertel der Unternehmen eine bessere Entwicklung. Dagegen sind nur noch elf Prozent weniger zuversichtlich (vorherige Umfrage: 26 Prozent). Industrie, Handel und die Dienstleistungswirtschaft sind mit Blick auf die kommenden zwölf Monate deutlich positiver gestimmt. Als Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung sehen die Unternehmen an erster Stelle die Energie- und Rohstoffpreise, dann den Fachkräftemangel und die Inlandsnachfrage.

Die Investitionsabsichten haben sich insgesamt leicht verschlechtert. Derzeit planen rund 30 Prozent der Unternehmen höhere Investitionen (vorherige Umfrage: 33 Prozent), während ein Viertel von geringeren ausgeht (23 Prozent). Während Handel und Industrie weniger Investitionen planen als zuletzt, geht die Dienstleistungswirtschaft von höheren aus.

Die Bereitschaft der Unternehmen im Rheinisch-Bergischen Kreis, mehr Personal einzustellen, ist leicht gesunken. Rund 23 Prozent der Unternehmen (vorherige Umfrage: 24 Prozent) wollen mehr Personal einstellen, dagegen planen 20 Prozent (18 Prozent) mit weniger Personal als zuletzt.

Während Dienstleister und Handel mit mehr Personal planen, ist die Industrie im Rheinisch-Bergischen Kreis dagegen zurückhaltender als zuletzt.

Hintergrund

Mehr grüne Investitionen: Die Unternehmen wollen wieder stärker investieren. 34 Prozent planen höhere Investitionsausgaben. Zum Vergleich: Vor einem Jahr, im Herbst 2020, wollten nur 20 Prozent mehr investieren, während 43 Prozent der Unternehmen ihre Investitionen kürzen wollten. Das wollen jetzt nur noch 18 Prozent. Als Investitionsmotiv nennen dabei immer mehr Unternehmen den Umweltschutz. Mehr als jedes vierte Unternehmen will aus diesem Grund investieren, in der Frühjahrsumfrage war es weniger als jedes fünfte. Hauptmotive für Investitionen bleiben aber der Ersatzbedarf (64 Prozent) und die Rationalisierung (33 Prozent).

Exporteure zuversichtlich: Die Industrieunternehmen rechnen trotz anhaltender Liefer- und Logistikprobleme und dem starken Preisanstieg bei Rohstoffen und Energie in den kommenden zwölf Monaten mit einem besseren Exportklima als zuletzt. Rund 24 Prozent erwarten höhere und nur noch zehn Prozent niedrigere Exportvolumina. Mehr als jedes zweite Industrieunternehmen meldet mehr Auftragseingänge.

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