Berufswahl

Trotz Krise: Noch 800 Ausbildungsstellen im Kreis

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In diversen Berufen gibt es noch freie Lehrstellen.

Der Kaufmann steht bei jungen Berufseinsteigern hoch im Kurs

Von Stephan Eppinger

Das neue Ausbildungsjahr ist auch im Bergischen Land angelaufen. Unter den schwierigen Bedingungen der Corona-Krise hat sich auf dem Arbeitsmarkt für Berufseineinsteiger und für die ausbildenden Unternehmen einiges verändern - viele Unsicherheiten bestimmen die Entscheidungen.

„In diesem Jahr haben Bewerber und Unternehmen in vielen Fällen erst verzögert zueinander gefunden, weil durch die Corona-Krise Rekrutierungsveranstaltungen wie Karrieremessen oder Azubi-Speed-Datings nicht stattfinden konnten. Digitale Kanäle sind für die Unternehmen deshalb noch wichtiger geworden, um geeignete Auszubildende zu finden. Nach dem Lockdown beobachten wir jetzt eine nachholende Entwicklung“, sagt Jörn Wenge von der Kölner Industrie- und Handelskammer. Grundsätzlich gelte: Auch wenn das Ausbildungsplatzangebot in besonders krisengeschädigten Branchen wie Tourismus oder Veranstaltungen zurückgegangen sei gebe es insgesamt weiterhin viele attraktive Ausbildungsplätze, auch noch zum jetzigen Zeitpunkt nach dem Beginn des Ausbildungsjahrs. „Die Unternehmen stellen auch in der Corona-Krise Auszubildende ein, weil sie wissen, dass sie diese in Zukunft als Fachkräfte brauchen werden. Am demografischen Wandel und dem Fachkräftemangel ändert Corona schließlich nichts“, betont Wenge.

Zum 31. Juli sind in der IHK-Region Rhein-Berg 378 Ausbildungsverträge zur Eintragung vorgelegt worden. Dies stellt einen Rückgang um 108 Verträge im Vergleich zum Vorjahr dar. Die meisten neuen Ausbildungsverträge wurden im Bereich des Einzel- sowie des Großhandels gestartet.

Ebenso wurden Industriekaufleute und Kaufleute für Büromanagement, aber auch Fachinformatiker sehr oft neu in Ausbildung genommen. „Im Rheinisch-Bergischen Kreis wurden seit Jahresbeginn bis zum 31. Juli insgesamt 218 Neuverträge geschlossen. Das waren 36 weniger als im Jahr zuvor, was 14,2 Prozent entspricht“, sagt Markus Eickhoff von der Kölner Handwerkskammer.

Positiv entwickelten sich im Kreis vor allem die Holzhandwerke (plus sieben Vertragsverhältnisse) sowie die kaufmännischen Berufe (plus sechs). „Aktuell sind uns noch mehr als 800 freie Ausbildungsstellen gemeldet. Vor einem Jahr waren es weniger als 500. Unsere Lehrstellenbörse bietet einen detaillierten Einblick und ermöglicht eine regionale Eingrenzung und eine nach Berufen“, sagt Eickhoff mit Blick auf den gesamten Kammerbezirk und ergänzt mit Blick auf die Corona-Krise: „Es bestanden beim Start ins neue Ausbildungsjahr im Vorfeld Unsicherheiten. Einige Betriebe waren in Sorge, dass die Geschäftslage im Zuge der Corona-Pandemie die Aufnahme einer neuen Nachwuchskraft nicht zulässt. Die meisten Betriebe halten jedoch an der Berufsausbildung fest oder weiten ihr dortiges Engagement sogar aus.“

Im Zuständigkeitsbereich der Geschäftsstelle Wermelskirchen der Bundesagentur für Arbeit, die die Städte Wermelskirchen, Burscheid und Leichlingen umfasst, gab es in diesem Jahr folgende Veränderungen: Bisher haben die Unternehmen in den drei Städten insgesamt 240 Ausbildungsstellen gemeldet, das sind 64 weniger (minus 21,1 Prozent) als vor einem Jahr. Davon waren Ende Juli noch 90 Stellen unbesetzt, 26 weniger (minus 22,4 Prozent) als vor einem Jahr. In den Städten hatten sich 341 Bewerber bei der Bundesagentur gemeldet, das sind drei mehr als noch vor einem Jahr. Davon waren Ende Juli 141 Bewerber noch nicht mit einem Ausbildungsplatz versorgt, 27 mehr (23,7 Prozent) als vor einem Jahr.

Viele Auszubildende verlassen den Kreis für den Job

Am meisten nachgefragt waren im Rheinisch-Bergischen Kreis laut Bundesagentur die folgenden zehn Berufe: Kaufmann für Büromanagement, Kaufmann im Einzelhandel, Verkäufer, Industriekaufmann, Medizinischer Fachangestellter, KFZ-Mechatroniker/Pkw-Technik, Tischler, Friseur, Industriemechaniker sowie Fachinformatiker/ Anwendungsentwicklung. Das Pendeln zum neuen Ausbildungsplatz spielt im Kreis eine große Rolle.

Das bedeutet, dass mehr Auszubildende für eine Ausbildungsstelle den Rheinisch-Bergischen Kreis auf dem Weg zur Arbeit verlassen, als von außen kommen, um eine Ausbildung zu absolvieren. Die meisten fahren nach Köln gefolgt von folgenden Regionen: Oberbergischer Kreis, Leverkusen, Rhein-Sieg-Kreis und Remscheid.

Obwohl jetzt im August schon viele Ausbildungen begonnen haben, gibt es auch aktuell noch vielfältige Möglichkeiten. Es ist noch nicht zu spät sich nach Lehrstelle zu suchen. Daher sollten sich Jugendliche unbedingt auf die offenen Stellen bewerben. Die Unternehmen sind auf einen späteren Start der Ausbildungen eingestellt und werden diesen bis in den Herbst oder sogar Winter hinein ermöglichen. Fachkräfte werden laut der Bundesagentur auch während und nach Corona benötigt. Durch den Lockdown wurde das Bewerbungsverfahren eine Zeit lang ausgesetzt. Aber je eher die Jugendlichen jetzt in die Ausbildung starten können, umso besser. Dann muss nicht so viel Stoff in der Berufsschule nachgeholt werden. Daher sollten Jugendliche, die noch eine Ausbildungsstelle suchen, sich schnellstmöglich an die Berufsberatung wenden. Dies geht telefonisch unter der kostenlosen Service-Hotline 0800 4 5555 00, per E-Mail unter Berufsberatung.151@arbeitsagentur.de oder online unter www.arbeitsagentur.de/bildung/berufsberatung. www.hwk-koeln.de/lehrstellenboerse

Freie Lehrstellen

Lehrstellen gibt es noch in diesen Berufen: Zahnmedizinischer Fachangestellter, Verkäufer, Kaufmann im Einzelhandel, Landwirt, Fachlagerist, Fachinformatiker/ Systemintegration, Industriekaufmann, Technischer Produktdesigner, Medizinischer Fachangestellter, Dachdecker, Anlagenmechaniker/Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, Fleischer, Industriekaufmann, Maler und Lackierer, Gärtner, Sport- und Fitnesskaufmann, Kaufmann für Büromanagement, Kraftfahrzeugmechatroniker/Pkw-Technik, Elektroniker/Energie- und Gebäudetechnik, Hotelfachmann, Kaufmann im Groß- und Außenhandel-, Restaurantfachmann, Bäcker, Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk (Fleischerei/Konditorei), Koch, Berufskraftfahrer, Konditor, Mechatroniker, Schornsteinfeger und Tischler.

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