Einrichtung

Trio lenkt Geschicke des Kinderschutzbunds

Engagieren sich für den Kinderschutzbund, den es seit Anfang der Neunziger in Burscheid gibt (v.l.): Michael Corts, Dr. Johannes Schrage und Heidi Neumann.
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Engagieren sich für den Kinderschutzbund, den es seit Anfang der Neunziger in Burscheid gibt (v.l.): Michael Corts, Dr. Johannes Schrage und Heidi Neumann.
  • VonNadja Lehmann
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Einrichtung hat ein vielfältiges Angebot, das vom Kleiderladen bis zum begleiteten Umgang reicht.

Burscheid. Es ist eine kleine Einrichtung und will es auch ganz bewusst bleiben: der Kinderschutzbund mit Sitz an der Geilenbacher Straße. „Wir sind ganz lokal, sind für Burscheid da und verstehen uns auch als Burscheider“, sagt Dr. Johannes Schrage. Gemeinsam mit seinen Vorstandskollegen Heidi Neumann und Michael Corts sitzt er unterm Dach des dreistöckigen Hauses und räumt gerade noch Akten und Unterlagen vom Schreibtisch weg. Es ist die übliche Teambesprechung - mindestens einmal in der Woche. Wie viel Zeit und Energie sie in ihr Ehrenamt stecken, kann das Trio nicht beziffern. „Man denkt immer wieder dran. Dann kommt einem eine Idee, und man greift zum Telefon, um mit den anderen zu sprechen“, sagt Heidi Neumann.

Der Teamvorstand hat stürmische, vor allem schmerzliche Zeiten hinter sich. Vor genau einem Jahr starb Det Junker, ehemaliger Schlebuscher Gesamtschuldirektor, vielseitiger Burscheider Ehrenamtler und Vorsitzender des Kinderschutzbunds. Damals stieg Michael Corts in die Vorstandsarbeit ein; gemeinsam mit Det Junker hatte er sich bereits um das Tri-Café gekümmert. „Darüber sind wir Freunde geworden“, sagt Corts. Als ihn Vorstandsmitglied Helga Peter damals fragte, ob er nachrücken wolle, „da stand meine Tür schon halb offen.“

„Meine Tür stand sperrangelweit auf“, bekennt Dr. Johannes Schrage. Denn als er 2021 aus dem Berufsleben ausschied, sei ihm schnell klar gewesen: „Ich will etwas Sinnvolles tun.“ Dabei half der Treffpunkt Ehrenamt um Silke Riemscheid. Mittlerweile kümmert er sich um die Öffentlichkeitsarbeit und ist zum Gesicht des Kinderschutzbunds geworden.

Heidi Neumann ist am längsten dabei: „Ich bin hier gelandet und nicht mehr weggekommen“, beschreibt sie mit einem Lachen. Als ihr inzwischen erwachsener Sohn ein Jahr alt war, wurde ein pädagogischer Mitarbeiter auf ehrenamtlicher Basis gesucht: Heidi Neumann („Ich fühlte mich nicht ausgelastet“) stieg ein und nicht mehr aus.

Und damit war das Quartett komplett, bestand aus Heidi Neumann, Helga Peter, Dr. Johannes Schrage und Michael Corts. Im Frühjahr traf den Kinderschutzbund mit dem Tod von Helga Peter ein erneuter schmerzhafter Verlust. Aus dem Quartett wurde ein Trio.

Eines, das viel zu tun hat. Denn mit der Geilenbacher Straße 13 hat es ein gewichtiges Domizil. Und ein großes Grundstück. Für den großen Garten ist Heidi Neumann zuständig (wir berichteten). Im Erdgeschoss befindet sich der Kleiderladen, der seit kurzem als „Burscheider Kleiderladen“ firmiert. „Wir wollen damit zeigen, dass wir für alle da sind“, sagt Michael Corts, der für den Kleiderladen ebenso zuständig ist wie für Haus und Technik.

Der Kleiderladen kommt vor allem bei Jüngeren sehr gut an

Mit dem Kleiderladen macht der Kinderschutzbund ein Angebot, das vor allem in der jungen Generation dank seiner Nachhaltigkeit voll im Trend liegt und mit liebevoller Boutiquen-Atmosphäre punktet. Rund zwölf Ehrenamtlerinnen machen´s möglich: Sie sichten und sortieren, beraten und dekorieren. Und sorgen dafür, dass so der Kinderschutzbund ein finanzielles Fundament bekommt: „Wir bekommen ja keinerlei Unterstützung, finanzieren uns durch Spenden“, sagt Heidi Neumann. Der Kleiderladen ist für fast jede Ortsgruppe obligatorisch. „Bei uns kriegt man alles“, ist Johannes Schrage überzeugt: So wie jüngst der Mann, der einen schwarzen Anzug erstand. Er selbst landete bei seinem Enkel einen Volltreffer mit einem Mitbringsel aus der Geilenbacher Straße: „Seit zwei Monaten trägt er den Bagger mit sich rum.“

Über dem Kleiderladen befindet sich der Kindergarten „Zwergenbande“. Eine Einrichtung mit reduzierter Öffnungszeit, in der die Kinder behutsam begleitet werden, wenn sie den ersten Schritt aus dem Elternhaus machen. Mit Elke Fuchs und Claudia Masella kümmern sich zwei ausgebildete Erzieherinnen um die beiden Gruppen. Eine Gruppe ist montags und dienstags von 9 bis 12 Uhr da, die andere ebenfalls in den Vormittagsstunden von Mittwoch bis Freitag. „Es ist sehr familiär“, beschreibt Heidi Neumann. Jede Gruppe zähle acht, höchstens zwölf Köpfe.

„Bei der Eltern-Kind-Gruppe ist die Nachfrage sehr groß“, freut sich Johannes Schrage. „Wir planen, im Sommer eine zweite zu eröffnen.“ In lockerer Atmosphäre finden Eltern und Kleinkinder bis 18 Monate die Möglichkeit, neue Kontakte zu knüpfen.

Eine Besonderheit ist der so genannte „begleitete Umgang“, bei dem Diplom-Pädagogin Kerstin Wiefel bei Treffen von Kindern und Elternteil im Dachgeschoss des Hauses anwesend ist. Eine Aufgabe, bei der auch das Jugendamt mit im Boot ist. Im vergangenen Jahr fanden zwölf solcher Kontakte statt. „Sie sind dann nötig, wenn das Familienverhältnis so zerstört ist, dass die Kinder nicht allein auf ein Elternteil treffen dürfen“, sagt Johannes Schrage. „Das ist leider ein Abbild unserer Gesellschaft.“

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