Sprechstunde

Treffpunkt Ehrenamt will bald zurückkehren

Sie bildeten das feste Rückgrat des „Treffpunkt Ehrenamt“: Hermann Greger, Christa Puppe und Silke Riemscheid (von links) im vergangenen Jahr. Archivfoto: Nadja Lehmann
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Sie bildeten das feste Rückgrat des „Treffpunkt Ehrenamt“: Hermann Greger, Christa Puppe und Silke Riemscheid (von links) im vergangenen Jahr.
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Nach den Ferien wollen die Ehrenamtler um Silke Riemscheid ihre Sprechstunde im Rathaus anbieten

Burscheid. Silke Riemscheid hat sich von Corona bei aller gebotenen Vorsicht nicht ausbremsen lassen. Schlimm genug, dass sie ihre wöchentliche Sprechstunde beim „Treffpunkt Ehrenamt“ nicht wie gewohnt von Angesicht zu Angesicht durchführen konnte. „Wir haben die Menschen am Telefon beraten“, sagt Riemscheid. Und sogar auch vermittelt, Corona zum Trotz. Denn das ist Riemscheids Job: Menschen, die sich für ein Ehrenamt interessieren, aber noch nicht so recht wissen, wo und wie, mit der richtigen Aufgabe zusammenzubringen.

Es ist eine Tätigkeit, die nach Fingerspitzengefühl und Empathie verlangt. Und nach Vertrauen, das normalerweise erst im persönlichen Gespräch und in der Begegnung entsteht. Immer donnerstags war Silke Riemscheid dazu – und weitere Mitglieder des Teams „Treffpunkt Ehrenamt“ natürlich auch – im Rathaus anzutreffen. Die Pandemie schob dem, wie so vielem, einen Riegel vor. Das Team sei vorsichtig gewesen und sei dies auch weiterhin. „Doch nach den Sommerferien sind wir wieder zurück“, sagt Silke Riemscheid und setzt bekräftigend hinzu: „Auf jeden Fall!“

Noch hat sich die Handvoll Ehrenamtler, die aus ihren Besuchern ebenfalls Ehrenamtliche macht, nicht wiedergesehen. Noch weiß Silke Riemscheid auch nicht, wer weitermachen wird. So hat der langjährige Mitstreiter Hermann Greger nach persönlichem Schicksalsschlag Burscheid verlassen. Aber nicht so weit weg, dass Riemscheid nicht doch hoffen würde, den Weggefährten zum Weitermachen überreden zu können. Mit zum Team gehört auch Christa Puppe.

Riemscheid, Puppe, Greger: Das war das Trio, das im April 2020 einen Volkshochschulkurs anbieten wollte, in dem Bald-Ruheständlern Perspektiven und Chancen des neuen Lebensabschnitts vermittelt werden sollten. Ganz aus eigener Erfahrung natürlich: Puppe, Riemscheid und Greger hatten zum damaligen Zeitpunkt den Schritt aus dem Berufsleben alle schon selbst vollzogen. Die Veranstaltung fiel aus, wurde auf Oktober verschoben. Auch das wurde nichts. „Nun hat die Volkshochschule bei uns angefragt, ob wir das nachholen wollen“, berichtet Riemscheid. Vonseiten des Teams sei das noch „offen“. Riemscheid würde gerne, aber eigentlich sei die Veranstaltung „Hermann Gregers Baby“. Vielleicht könne sie ihn damit zum Wiedereinstieg motivieren, hofft Silke Riemscheid.

Denn die Arbeit wird dem „Treffpunkt Ehrenamt“ nicht ausgehen, davon ist die ehemalige CDU-Ratsfrau fest überzeugt. Gerade irgendwann nach Corona. „Das wird nicht sofort sein. Aber ich glaube, es gibt eine große Sehnsucht und ein großes Nachholbedürfnis. Die Menschen wollen raus, wollen sich engagieren. Sie waren eine lange Zeit zuhause“, sagt Silke Riemscheid. Sie rechne damit, dass die Menschen zunächst nur vorsichtig wieder Beratung und Vermittlung in Anspruch nehmen würden. „Aber auch bewusster.“

„Ich denke gern an ein türkisches Ehepaar. Sie wollten etwas zurückgeben. Aus Dankbarkeit, weil sie so gut aufgenommen wurden.“

Silke Riemscheid

Eigentlich hätte das Team des „Treffpunkt Ehrenamt“ sogar allen Grund, seine Arbeit nicht so geräuschlos, sondern vielmehr mit selbstbewusstem Tamtam aufzunehmen: 2021 wird man zehn Jahre alt. „Ich war vor 20 Jahren im Haus der Kunst beim Zukunftscafé aktiv und habe den Bürgerstammtisch gegründet. Als der lief, habe ich mit Treffpunkt Ehrenamt angefangen“, erinnert sich Silke Riemscheid.

Es seien mehr Frauen gewesen, die ins Rathaus zur Sprechstunde gekommen seien, sagt Riemscheid. Aber es kamen auch ein paar Männer. „Viele von ihnen standen im Beruf unter Hochdruck. Wenn dann der Ruhestand naht, bricht unglaublich viel weg: Selbstbewusstsein, Selbstverständnis, Kontakte“, sagt Riemscheid. Bei der Mehrheit der Frauen erlebe sie das anders: „Sie haben schon vor dem Ruhestand ihr Netzwerk aufgebaut. Das tiefe Loch bleibt aus.“ Männer hingegen bräuchten Anstoß, um sich neu zu orientieren.

Besonders gern denkt Silke Riemscheid an ein aus der Türkei stammendes Ehepaar zurück. „Sie kamen beide zu uns in die Sprechstunde und sagten, sie wollten etwas zurückgeben. Sie seien dankbar, weil sie in Deutschland so gut aufgenommen worden seien“, erzählt die 77-Jährige, die ursprünglich aus Schleswig-Holstein stammt. Sie habe danach mit dem Ehepaar noch Kontakt gehalten: „Das war für mich eine richtig gute und schöne Erfahrung.“

Ehrenamt

Wie Silke Riemscheid berichtet, sucht aktuell Alpha e.V. (Tagesstätte für Menschen mit Behinderung) Unterstützung bei Angeboten wie der Holzwerkstatt, beim Basteln oder im Garten. Wer sich einbringen möchte, kann direkt mit Alpha unter Tel. (0 21 74) 71 59 52 Kontakt aufnehmen oder kann Silke Riemscheid anrufen: Tel. (0 21 74) 78 60 16 oder (01 72) 9 05 68 21. Derweil will „Treffpunkt Ehrenamt“ nach den Sommerferien wieder seine nicht-virtuelle Arbeit aufnehmen: immer donnerstags von 10 bis 12 Uhr im Rathaus Höhestraße.

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