Mutmacher

Todkranke Tochter wird zu einem Geschenk des Lebens

Shabnam und Wolfgang Arzt bekamen 2001 ihr Wunschkind. Über das Leben und Sterben ihrer schwerkranken Tochter haben sie ein Buch geschrieben.
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Shabnam und Wolfgang Arzt bekamen 2001 ihr Wunschkind. Über das Leben und Sterben ihrer schwerkranken Tochter haben sie ein Buch geschrieben.
  • VonNadja Lehmann
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Lesung mit Shabnam und Wolfgang Arzt, die das Buch „Umarmen und Loslassen“ geschrieben haben.

Von Nadja Lehmann

Burscheid. Beate Heß hat das Ehepaar Arzt persönlich kennengelernt, im kleinen Kreis, bei einer Lesung, durch das Trauernetzwerk der Städte. „Ich war sehr beeindruckt“, bekennt die Koordinatorin des Ökumenischen Hospiz Burscheid. „Ich habe beide gefragt, ob sie nicht auch nach Burscheid kommen möchten.“

Und Shabnam und Wolfgang Arzt wollten. Am kommenden Freitag ist das aus Solingen stammende Paar zu Gast in der Hauptstraße 57 und liest aus seinem Buch „Umarmen und Loslassen“. Leichte Kost bringen sie nicht mit, dafür aber intensive und berührende.

In „Umarmen und Loslassen“ erzählen Shabnam und Wolfgang Arzt von ihrer Tochter Jaël. Ein Wunschkind, das 2001 zur Welt kommt. Schon vorab, im achten Schwangerschaftsmonat, diagnostizieren die Ärzte bei Jaël einen schweren Chromosomendefekt, die Lebenserwartung des schwerst mehrfachbehinderten Kindes liegt bei Tagen und Wochen. Die Ärzte raten zur Abtreibung, doch die Eltern entscheiden sich dagegen. Und es geschieht doch so etwas wie ein Wunder: Entgegen aller Prognosen wird Jaël 13 Jahre alt. Und ist vor allem eines: ein überaus geliebtes Kind.

„Es ist eine unglaubliche Stärke, die Jahre mit der Tochter als Geschenk zu betrachten“, sagt Beate Heß. „Der Schmerz ist unendlich und wird nicht schöngeredet, aber entscheidend ist die große Liebe dem Kind gegenüber.“

Tod und Trauer weichen die Menschen gern aus. Beate Heß weiß das. „Und mit einem Kind ist es ja nochmal anders, als wenn ein hochbetagter Mensch stirbt“, sagt sie. Sie bewundere, wie stark das Gefühl der Dankbarkeit in Shabnam und Wolfgang Arzt verwurzelt sei. „Es ist ein Anstoß für uns, auch uns selbst zu reflektieren“, sagt die Hospiz-Koordinatorin. „Wie wir das Leben betrachten. Ob wir uns entscheiden, verlust- oder zukunftsorientiert zu leben.“

Man darf vermuten, dass auch der Glaube die Familie getragen hat: Sie ist oft Mittelpunkt der Aufderhöher Gemeinde in Solingen; Wolfgang Arzt war dort von 1996 bis 2016 Jugendreferent. Geschrieben haben sie schon da über ihr Leben mit Jaël, in einem Internet-Blog. Viele ermutigen sie: „Schreibt doch ein Buch.“

Das tun Shabnam und Wolfgang Arzt. Es wird eine große Liebeserklärung an ihr Kind, aber auch ein Haltegriff für diejenigen, denen Ähnliches widerfährt. Jene, die ein sterbenskrankes Kind haben. Jene, die einfach einen großen Verlust betrauern. Denn Shabnam und Wolfgang Arzt machen mit ihrem Buch ganz deutlich, dass die Liebe mit dem Tod nicht endet. Heute engagieren sich beide in der Kinderhospizarbeit.

„Eltern und Tochter sind miteinander gewachsen. Für mich“, sagt Beate Heß, „ist es ein Mutmacher-Buch.“ Erschienen ist „Umarmen und Loslassen“ 2017.

Lesung und Gespräch mit Shabnam und Wolfgang Arzt beginnen am Freitag, 27. Januar, um 18 Uhr im Ökumenischen Hospiz in der Hauptstraße 57. Der Eintritt ist frei. Um Anmeldung wird gebeten: Tel. (02174) 5023 oder per E-Mail: buero@oehhb.de

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