Namenszusatz

Titel „Musikstadt“ lässt weiter auf sich warten

So könnten die neuen Ortsschilder mit dem Namenszusatz aussehen.
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So könnten die neuen Ortsschilder mit dem Namenszusatz aussehen.
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Verwaltung zieht Beschlussvorlage zurück. Es ist unklar, wie viel Ortsschilder umgerüstet werden müssen.

Von Nadja Lehmann

Burscheid. Noch vor Ende der Sitzung geht Anke Wischer einfach hinaus, still und wortlos. Die Enttäuschung ist der langjährigen Vorsitzenden der Musicalischen Academie anzumerken: Erneut ist der Vorstoß, Burscheid mit dem Namenszusatz „Musikstadt“ zu versehen, gescheitert. Vorerst.

Noch im Hauptausschuss zog die Verwaltung die Beschlussvorlage zurück, weil nicht klar war, wie viele Namensschilder geändert werden müssen und welche Kosten damit auf die Stadt zukommen würden. Michael Baggeler, dessen Fraktion Bündnis für Burscheid (BfB) den Antrag auf die Zusatzbezeichnung im September gestellt hatte, reagierte überrascht: „Ich bin verwundert ob der langen Zeit, dass die Experten das nicht wissen.“ Und die BfB habe den Antrag schließlich nicht mit dem Hauptansinnen gestellt, Straßenschilder verändern zu wollen.

Zuvor hatte Renate Bergfelder-Weiss als Leiterin des Kulturbüros berichtet, dass es für die Stadt von entscheidender Bedeutung ist, wie viele Schilder umgerüstet werden müssten. Die finanzielle Spanne reiche dem entsprechend von 4000 bis knapp 30 000 Euro. „Wegen dieser Folgen für den Haushalt haben wir den Städte- und Gemeindebund gefragt und auch das Verkehrsministerium eingeschaltet“, erklärte Bergfelder-Weiss. Man habe wissen wollen, ob alle 72 Schilder mit dem Zusatz versehen werden müssten oder ob es ausreiche, nur die 13 Schilder zu verändern, die an der Grenze zu umliegenden Städten und Gemeinden liegen. Eine Antwort wollte die Verwaltung dann eigentlich im Hauptausschuss parat haben.

Burscheid stelle doch keinen Präzedenzfall dar, wunderte sich Michael Baggeler erneut: „Andere Kommunen machen das doch auch.“ Und er hatte einen Vorschlag: Vielleicht genüge es ja, die Ortsschilder mit einem Aufkleber auszustatten. „Ob das reicht, weiß ich nicht“, musste Bürgermeister Dirk Runge einräumen. „Ich habe Kontakt zum Kreis als Straßenverkehrsträger gesucht, auch da gab es bisher keine Antwort.“

Das BfB hatte seinen Antrag mit der Fülle der musikalischen Jubiläen begründet, die 2022 Burscheid prägten: 210 Jahre Musicalische Academie, 180 Jahre Chorgemeinschaft, 110 Jahre Orchesterverein Hilgen, 50 Jahre Musikschule Burscheid und 25 Jahre (L)a Capella. „Auch jüngst bei der Expedition Heimat 2.0 wurden Stadtverwaltung und Kreis nicht müde, Burscheid als Musikstadt hervorheben“, heißt es im BfB-Antrag. Zur Erinnerung: Der 11. September rückte unter dem Titel „Musik und Klang in Burscheid“ die musikalische Tradition der Stadt in den Mittelpunkt – organisiert vom Kulturbüro des Kreises und unterstützt von unzähligen Burscheider Akteuren wurde der Tag zu einem äußersterfolgreuchen Ereignis und Hingucker. „Die bürokratischen Voraussetzungen zu erfüllen, den Begriff Musik in seinem Stadtnamen führen zu dürfen, ist ein Umstand, den keine teure Marketingkampagne ersetzen kann und um den uns andere beneiden werden“, betont die BfB-Fraktion in ihrem Antrag. Zumal sowohl die städtische Homepage als auch die Tourismus-Agentur „Das Bergische“ diesen Begriff bereits verwenden würden.

Widerspruch kam dazu umgehend im Hauptausschuss von Horst Buttkus (CDU): „Burscheid ist inzwischen durch den Sport bekannt“, betonte der Ratsherr, der Vorsitzender der Turngemeinde Hilgen ist. Dazu habe der Handball entscheidend beigetragen. Burscheid sei Musik-, aber eben auch Sportstadt: „Man sollte da niemand bevorzugen und beides gleichwertig behandeln.“ Um ein Ungleichgewicht sei es dem BfB indes nie gegangen, wie die Fraktion auch im Antrag schreibt: „Es geht bei diesem Antrag nicht um die Aufwertung einer bestimmten Gruppe und die Abwertung anderer Gruppen. Es geht bei diesem Namenszusatz um das, was Burscheid von anderen Kommunen in der Region unterscheidet und für Burscheid ein ganz besonderes Merkmal ist.“ Die musikalische Tradition als Aushängeschild bescheinige der Stadt auch das Integrierte Entwicklungs- und Handlungskonzept (IEHK) 2025 (das einst vom Rat einstimmig beschlossen wurde).

„Ich hatte gehofft, dass die CDU doch neu nachdenkt“, sagt Anke Wischer. Denn Buttkus´ Argumentation sei ihr wohlvertraut und 2011 fast wörtlich erfolgt. 2011 – damals hatten unabhängig voneinander BfB und Pfarrer Gerhard Schauen ebenfalls in Anträgen für den Namenszusatz „Musikstadt“ geworben. Vergeblich. Der Stadtrat lehnte damals mehrheitlich ab.

Sie sei davon ausgegangen, dass die Stadtverwaltung die Zahl der Straßenschilder kenne und somit ein Beschluss hätte gefasst werden können, zumal die Beschlussvorlage ja signalisiere, dass die Verwaltung den Namenszusatz begrüße und positiv dahinterstehe, sagt Anke Wischer auf Anfrage des Bergischen Volksboten: „Die Mühlen mahlen eben langsam.“ Denn mit einem Namenszusatz will sich die Stadt ohnehin Zeit lassen, bis das dann umgebaute Haus der Kunst seinen Betrieb aufgenommen hat und seinem Namen gerecht wird. Anke Wischer hat ihren Optimismus wiedergewonnen: „Ich glaube, das Bündnis für Burscheid lässt da nicht mehr locker.“

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