Aktion

Tierische Laute und monotone Melodien

Kölner Stadtmusikantinnen auf dem Marktplatz: Julia Dick auf der Cajon, dahinter: Katharinajej. Die anderen Passanten machten mit.
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Kölner Stadtmusikantinnen auf dem Marktplatz: Julia Dick auf der Cajon, dahinter: Katharinajej. Die anderen Passanten machten mit.

„Kölner Stadtmusikantinnen“ besuchten Burscheid und luden zum Mitspielen ein.

Von Peter Klohs

Donnerstagnachmittag mitten in Burscheid: Es ist warm, nein, heiß. Man sucht den Schatten. Ein Transporter mit Kölner Kennzeichen fährt vor, zwei junge Frauen steigen aus und begutachten den kleinen Flecken Marktplatz, auf dem in einer halben Stunde ein Konzert stattfinden soll: Die Kölner Stadtmusikantinnen sind angekommen.

Eine Passantin (l.), die spontan bei den Kölner Stadtmusikanten mitmachte. Sie musiziert mit Julia Dick als Esel.

Katharinajej und Julia Dick, die sich als Duo „Katze und Krieg“ nennen, legen vier rote Teppiche zu einem Rechteck aus, auf dem diverse niedrige Hocker gleicher Farbe aufgestellt werden. Instrumente werden hinzugefügt: Eine Snare-Drum, ein Akkordeon, ein Xylophon, ein E-Bass, verschiedene Percussionsinstrumente. Nicht, dass das Duo alle Instrumente selbst spielen wird, denn es wird zum Mitmusizieren eingeladen. „Komm und spiel mit uns, werde Teil unserer Band“, heißt das Motto für die nächsten rund neunzig Minuten. Um kurz nach 17 Uhr geht es los – und zwar mit Tiergeräuschen.

Die beiden Musikerinnen haben sich Eselmasken aufgesetzt, unter denen es gewiss noch fünf Grad heißer ist als ohnehin. Als Gast spielt eine „Katze“ mit. Aus dem I-Ah der Esel entwickelt sich ein gewisser Rhythmus, erste Passanten bleiben stehen und schauen neugierig, die Tonkulisse ist seltsam und eigenartig: Während, wie in minimalistischen Kinderliedern immer wieder die gleichen Textpassagen erklingen, fahren Autos vorbei, schlagen Kirchturmglocken an, hört man ein Lachen von Vorbeigehenden. „Wir wollen eine große Tierband werden, die sich miteinander verbindet“, stellt das Duo seinen Anspruch vor und begrüßt zwei neue Mitspieler, die sich als Schaf und Hahn maskieren und sich ihre Lieblingsinstrumente aussuchen.

„Wir wollen eine große Tierband werden.“

Julia Dick und Kathrarinajej

„Du Hahn, schön, dass du da bist“ wird der Neuankömmling immer wieder musikalisch begrüßt. Das Ganze hat den Charme von leicht abgedrehten Kinderliedern auf der Grenze zwischen Nonsens und improvisierter Musik. Die erzeugten Töne haben Rhythmus und eine gewisse Dynamik, die aus anschwellender Lautstärke besteht, entbehren aber jedweder Melodik, was für Musikhörer sehr gewöhnungsbedürftig ist. Die Musiker applaudieren sich selbst mit weiteren Tiergeräuschen.

Nun wird als weiterer Mitspieler ein Schwein gesucht. Ein Mann stößt dazu und vergrößert die Musikanten somit zum Sextett. Er schnappt sich die akustische Gitarre, stimmt sie und spielt mit, durchaus mit Eifer und einiger musikalischer Kenntnis. Weitere Tiere werden avisiert, aber ein „Hase“ mag sich nicht finden. Im Verlaufe des Hasen-Songs verändert sich die Musik von gewöhnungsbedürftig zu nervig. Es ist halt nicht jedermanns Sache, fünfzig- und noch mehr mal „Du Hase“ zu hören, derweil musikalisch wenig Entwicklung stattfindet. Langsam setzt sich die Erkenntnis durch, dass das Ganze auch ohne die tierischen Texte funktionieren könnte.

Aber „Katze und Krieg“ haben andere Ansprüche: Sie suchen noch einen „Hund“ für ihre Band. „Wir locken jetzt einen Hund zu uns“, kündigen die beiden Perfomancekünstlerinnen an. Aber ein „Hund“ ist nicht zu finden. Mag sein, dass den Burscheider Passanten das Konzept des Improvisierens fremd ist, oder das Thema der immer größer werdenden Tierband wenig sinnvoll erscheint. Nach den Erfahrungen befragt, antwortet das Duo: „Sehr unterschiedlich.“

Hintergrund

Auf ihrer Dorftournee bereist das Duo „Katze und Krieg“, das sich auch als die „Kölner Stadtmusikantinnen“ bezeichnet, innerhalb einer Woche in kleinere Städte rund um Köln, wo die musikalische Reise am 21. August begann und am heutigen Samstag enden wird (Eigelstein hinter der Torburg). Dazwischen bereisten die beiden Frauen Katharinajej und Julia Dick Niederkassel, Erftstadt, Brauweiler, Burscheid und Refrath. Das Konzept des improvisierten Mitspielens in einer „tierischen Band“ wurde, wie die Performance-Künstlerinnen erzählen, sehr unterschiedlich angenommen.

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