Therapie für Long-Covid-Patienten in Bethanien

Prof. Dr. Winfried Randerath, Chefarzt der Lungenfachklinik Bethanien, sieht die Behandlung von Long-Covid-Erkrankungen als Aufgabe für die nächsten ein bis zwei Jahre. Archivfoto: Christian Beier
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Prof. Dr. Winfried Randerath, Chefarzt der Lungenfachklinik Bethanien, sieht die Behandlung von Long-Covid-Erkrankungen als Aufgabe für die nächsten ein bis zwei Jahre. Archivfoto: Christian Beier

In der Solinger Lungenfachklinik Bethanien sind Quarantäne-Verweigerer zwangsweise isoliert

Von Simone Theyßen-Speich

Wenn Prof. Dr. Winfried Randerath auf die Situation in seiner Klinik blickt, dann sieht er zwei Tendenzen: „Zum einen ist die Zahl der Patienten leicht rückläufig, zum anderen gibt es nach wie vor schwere Krankheitsfälle“, so der Chefarzt der Lungenfachklinik Bethanien. Gerade in jüngster Zeit habe es auch mehrere Todesfälle gegeben. „Da auch jüngere Menschen, die noch kleine Kinder hatten, unter den Opfern waren, war das sehr tragisch.“ Da es sich bei den Betroffenen nicht um Solinger gehandelt hatte, waren sie nicht in der städtischen Statistik vermeldet worden.

Randerath sieht nur einen Weg aus der Pandemie. „Wenn wir uns zur 2G-Regel durchringen könnten und somit das Impfen vorantreiben würden, bin ich optimistisch, dass wir Corona bald überstehen könnten“, so der Chefarzt, der in der vergangenen Woche seinen 60. Geburtstag feierte.

Wie sehr die Impfungen schützen, sieht er jeden Tag auf der Covid-19-Station. „Dort sind nahezu keine Geimpften unter den Patienten.“ Und nicht nur die aktuelle Infektion sei ein Problem. In Zusammenarbeit mit Dr. Ulrich Bock, Neurologe im Städtischen Klinikum, der im vergangenen Jahr selbst an Covid-19 erkrankt war und lange unter den Folgen litt, verstärkt man in Bethanien jetzt auch die Erforschung und Behandlung von Long-Covid-Patienten. So gibt man an die Patienten Fragebögen aus, mit denen mögliche Symptome erfasst werden. Besonders im Blick hat man dabei Patienten, die sechs Monate und länger nach der Infektion noch Beschwerden haben.

Auffällig sei, dass es sich bei den Long-Covid-Patienten oft um jüngere Menschen handelt, deren Krankheitsverlauf bei der Infektion selbst gar nicht so schwer gewesen sei. „Mit den Fragebögen wollen wir jetzt eine systematische Anamnese-Erhebung ermöglichen“, so Prof. Randerath.

„Das Thema der Long-Covid- Erkrankungen wird uns sicherlich noch ein oder zwei Jahre beschäftigen.“

Prof. Dr. Winfried Randerath

Abgeklärt werden zum einen Probleme der Lunge und der Atmung. Der zweite Bereich, der untersucht wird, sind Langzeitfolgen wie Abgeschlagenheit, Erschöpfung und Schlaflosigkeit. Aktuell befragt werden alle Patienten, die wegen dieser Spätfolgen in Behandlung sind. „Durch die Kooperation mit Dr. Bock und dem Klinikum können wir auch die neurologisch-psychiatrischen Aspekte erfassen“, so Prof. Randerath.

„Das Thema der Long-Covid-Erkrankungen wird uns sicherlich noch ein oder zwei Jahre beschäftigen“, befürchtet der Mediziner. Zudem läuft ein Antrag bei der Kassenärztlichen Vereinigung, Bethanien als Krankenhaus-Ambulanz für Long-Covid-Fälle anzuerkennen. Über den Antrag soll Ende des Monats entschieden werden. Parallel zur Behandlung der Patienten sei natürlich auch die Eindämmung der Infektion weiterhin wichtiger Bestandteil im Kampf gegen die Pandemie. Im Rahmen des Infektionsschutzgesetzes ist Bethanien deshalb auch landesweit für die Unterbringung von Menschen zuständig, die sich im Falle einer Infektion nicht an die Quarantäne-Auflagen halten oder halten können. „Das umfasst nicht nur Corona, sondern auch andere meldepflichtigen Krankheiten wie etwa Tuberkulose. Hält ein Patient sich nicht an die Auflagen des Gesundheitsamtes, so kann veranlasst werden, dass er für die Zeit der Infektion bei uns eingewiesen wird“, so Randerath.

Derzeit seien drei dieser Patienten in Bethanien, im Laufe der Pandemie seien es schon über 40 gewesen.

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