Teilnehmer begreifen Apfelbaum als Kulturgut

Gewusst, wie: Gerd Carl, Arne Busch, William Wiegboldt, Michael Seifert, Ute Alfes und Ralf Klaar (von links) legen Hand an.Foto: Doro Siewert
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Gewusst, wie: Gerd Carl, Arne Busch, William Wiegboldt, Michael Seifert, Ute Alfes und Ralf Klaar (von links) legen Hand an.Foto: Doro Siewert

Lehrgang zum Obstbaumschnitt auf einer Wiese bei Kämersheide

Von Peter Klohs

Am Ortsausgang von Kämersheide in Richtung Lützenkirchen liegt, weitab von offiziellen Wanderwegen, eine Wiese, auf der rund 80 hochstämmige Apfelbäume stehen. Am Samstag bekamen dort 24 Interessierte in einem Intensivkurs die Pflege dieser Bäume gelehrt. Im Vordergrund stand der Obstbaumschnitt.

Michael Grolm, Leiter der Obstbaumschnittschule, die in Thüringen ansässig, jedoch bundesweit tätig ist, erläutert: „Das ist ein mehrtägiger Kurs, inklusive sieben Stunden Online-Theorie. Das, was wir heute hier machen, ist der Jungbaumschnitt, die Praxis. Morgen ist dann der Altbaumschnitt auf der Tagesordnung.“

Junge Bäume, so Grolm weiter, werden durch den jährlichen Rückschnitt erzogen. So erhält die Pflanze ein stabiles Baumgerüst, das normalerweise ein ganzes Baumleben lang hält. „Und so ein Baum kann 100 Jahre alt werden, manche auch 150.“ So der Baum in der Jugend gut erzogen wurde, entfällt der jährliche Schnitt. „Dann muss man höchstens alle sieben Jahre ran. Im optimalen Fall alle zehn Jahre.“

Arne Busch und Stephan Kolodziej, die gemeinsam mit Johannes Schmitz in der Obstbaumschnittschule den Beruf des Baumwarts gelernt haben, kümmern sich um die Teilnehmenden, die in fünf Kleingruppen die Feinheiten des Baumschnitts erlernen möchten. Es fallen Begriffe wie „gedrehter Winkelschnitt“ und „Leiterdorn“. „Man kann viel falsch machen dabei“, weiß Arne Busch. „Viele von den Teilnehmenden, die aus verschiedenen Bundesländern kommen, sind keine Fachleute. Es sind zumeist junge Menschen, die ein Stück Land gekauft haben, weil sie etwas Nachhaltiges für die Natur tun möchten. Denen vermitteln wir hier das ABC des Baumschnitts. Besonders hervorheben möchte ich, dass jeder Interessierte abschließend eine 300 Seiten lange Dokumentation erhält, in der alle Regeln für einen guten Baumschnitt aufgeführt sind: von der Art des Schnitts bis hin zur Beschreibung von geeignetem und richtig gutem Werkzeug.“

Die Teilnehmenden sind mit Eifer dabei. Auf dem Grundstück, das Rolf Meyer vom Bergischen Streuobstwiesenverein gehört, stehen Bäume, die verschiedene Sorten von Äpfeln tragen. Jede dieser Sorten wird man vergeblich im Supermarkt suchen. „Aus diesen Apfelsorten kann man vorzüglichen Most herstellen“, weiß Michael Grolm. „Natürlich haben wir es hier mit extensiver Baumhaltung zu tun, das heißt: Gespritzt wird hier gar nichts.“

Eine gemeinsame Vision: der Erhalt der Streuobstwiesen

Alle Anwesenden teilen eine Vision: die Erhaltung von Kulturlandschaften wie die Streuobstwiesen. „Ein Apfelbaum ist ein Kulturgut“, ist Grolm überzeugt. Wie Arne Busch abschließend ausführt, plant man für das Jahr 2023 eine Ausbildung zum Baumwart in Burscheid anzubieten. „Ich musste damals noch nach Thüringen fahren“, erinnert er sich, „aber das muss heutzutage gar nicht mehr sein.“ Gerade wird zur Pause gerufen. Der angebotene Streuselkuchen ist köstlich. Später wird es etwas Höherprozentiges geben.

www.obstbaumschnittschule.de

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