Pandemie

Tanzen verboten: Im Steffi stehen die Stühle oben

Die Türen ihres Tanzlokals – der Paffenlöher Steffi – muss Betreiberin Ines Wilke geschlossen halten. Foto: Anja Wollschlaeger
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Die Türen ihres Tanzlokals – der Paffenlöher Steffi – muss Betreiberin Ines Wilke geschlossen halten.

Disco-Betrieb ruht seit dem 14. März – Mittlerweile musste Betreiberin Ines Wilke das Bier wegschütten.

Von Anja Wollschlaeger

Burscheid. Am Eingang ihres Tanzlokals hat Ines Wilke Ende Dezember zwei Kästen aussortiert. Auf Zetteln hat sie das Haltbarkeitsdatum notiert. Die Cola ist nur noch bis Ende Februar haltbar. Für die Disco-Betreiberin ist es nun Zeit, den Kasten auszusortieren, vielleicht noch an das Personal zu verschenken.

Das Bild zeigt: Mit Partys ist im Löh in den nächsten beiden Monaten eher nicht zu rechnen. Realistisch räumt Ines Wilke deswegen ihren Kühlraum auf. Ihre Disco, vor der bis März an rund 120 Abenden im Jahr junge Menschen um die 20 Schlange standen, hatte am 14. März 2020 zuletzt geöffnet.

Wilke sagt: „Zuerst haben wir ja noch gedacht, es sei nur für sechs bis acht Wochen.“ Doch dann war klar, es dauert länger. Die Aushilfsverträge hat sie nicht verlängert und hofft dennoch darauf, dass ihre 22-köpfige Mannschaft ihr die Treue hält: „Was meine Leute verdienen, ist oft ein Zuverdienst, aber wenn der eben wegfällt, dann kann man sich davon eben auch kein Auto finanzieren.“ Deswegen sei auch dieses Einkommen wichtig.

„Das schöne Bier ist hier dann in die Spüle gelaufen.“
Ines Wilke, Paffenlöher Steffi

Sehr hart habe es die hauptberuflichen DJs getroffen. Als Solo-Selbstständige haben sie kaum Anspruch auf staatliche Unterstützung. Auch zu ihrem Veranstaltungstechniker hält Ines Wilke Kontakt. Sie selbst ärgert sich noch manchmal, denn in diesem Jahr wollten viele Schulen ihre Abschlusspartys bei ihr feiern.

Finanziell würden ihr selbst Einnahmen aus dem Betrieb natürlich auch gut tun. Doch ihr Mann unterstützt sie mit einem weiten Blick, wie sie sagt: „Wir machen das hier im 43. Jahr und getanzt wird immer werden.“

Nach einigen Wochen Schließung näherten sich die 50-Liter-Kölsch-Fässer ihrem Haltbarkeitsdatum. Andere Betriebe wollten die angesichts der Krise im Sommer nicht mal mehr unter dem Einkaufspreis übernehmen, schildert die Unternehmerin: „Das schöne Bier ist hier dann in die Spüle gelaufen.“

Ab dem 17. August hatte sie an elf Samstagen im „Kneipenbetrieb“ geöffnet. Dafür hatte sie extra umgebaut und lobt: „Ich bin beim Burscheider Ordnungsamt immer auf ein offenes Ohr gestoßen. Das hat mir sehr geholfen.“

Tische stehen seither auf der Tanzfläche. In der Sofa-Lounge und vor der Theke sind Acrylglas-Scheiben angebracht. Aufwendig habe sie an den Abenden mit einer Mitarbeiterin alle Ausweise kontrolliert und die Kontaktdaten notiert.

Partyspiele und Nachos statt tanzen und mitsingen

Anschließend durften die Gäste in ihrer Gruppe an einem zugewiesenen Tisch sitzen. Dazu legte ein DJ Musik auf. Anstelle von Tanz und Mitsingen, waren Partyspiele und Nachos angesagt. Ines Wilke sagt: „Das ist überhaupt nicht vergleichbar mit dem Discothekenbetrieb, wo wir den Gast einmal am Eingang ansehen und er sich ansonsten frei bewegen kann.“

Trotzdem wagte sie den Versuch und hätte es auch gerne weiter gemacht, denn sie wollte ihre Kundschaft nicht allein lassen: „Ich habe von vielen gehört, dass sie in private Partykeller eingeladen worden sind, aber das ist doch wirklich das Gegenteil von dem, was die Schließung der Diskotheken bringen sollte.“

Desinfektionsspender, Wegekonzepte und die Bedienung am Tisch – das habe sich auch gelohnt, meint Wilke, denn in all den Wochen hat sie nicht einmal die Kontaktpersonenliste herausholen müssen. Keiner ihrer Gäste hatte sich mit dem Coronavirus infiziert.

Passend zur Advents- und Weihnachtszeit hatte Ines Wilke den Parkplatz in Paffenlöh weihnachtlich dekoriert. Einen Baum mit riesigen bunten Kugeln nannte sie Glitzerbaum. An der Straße nach Herkensiefen grüßte eine Weihnachtsmannfigur an einem Transparent: „Heut ist nicht aller Tage. Wir kommen wieder, keine Frage.“

Organisation

Organisiert ist auch die Paffenlöher Steffi im Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga). Dem Dachverband gehören auch die Diskotheken im Bundesverband deutscher Diskotheken und Tanzbetriebe an. Der Verband fordert seit Oktober einen klaren Fahrplan zur Wiedereröffnung. „Diskotheken sind die Lösung, nicht das Problem“, ist eine Aussage des Verbandes. Discos hätten große Räume, hochmoderne Lüftungsanlagen und effektive Hygiene- und Nachverfolgungskonzepte.

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