Erinnerung

Tante-Emma-Laden war ein Herzensprojekt

Peter und Andreas Hambüchen (v. l.) erinnern sich an ihre Mutter Alma, die einen Laden in Burscheid betrieb. Foto: Doro Siewert
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Peter und Andreas Hambüchen (v. l.) erinnern sich an ihre Mutter Alma, die einen Laden in Burscheid betrieb.

Ihren 93. Geburtstag am vergangenen Montag hat Alma Hambüchen nicht mehr erlebt – ihr Geschäft bleibt den Burscheidern in Erinnerung.

Von Ursula Hellmann

Ihren 93. Geburtstag konnte sie am vergangenen Montag, 24. August, nicht mehr feiern. Ihr inhaltsreiches, interessantes Leben beendete Alma Hambüchen vor zwei Wochen im Luchtenberg-Richartz-Seniorenheim. Alma Hambüchen und ihr Einzelhandelsgeschäft in der Griesberger Straße 41 wird aber den Burscheidern in guter Erinnerung bleiben. Wer war die couragierte Frau, die dem Bild der Stadt seit Anfang der sechziger Jahre ihre eigene Note gab? Ihre beiden jüngeren Söhne Peter (52) und Andreas (50) hatten Zeit, Mutters Leben noch einmal Revue passieren zu lassen.

„Geboren ist Mutter in Castrop-Rauxel, fühlte sich aber spätestens seit ihrer Heirat im März 1948 mit unserem Vater Max in Burscheid zu Hause“, sagen die beiden Söhne. Zuerst wohnte die Familie in Blasberg, zog aber bald ins Haus In der Dellen 53.

Sie hatte das Glück, ihre Ausbildung zur Einzelhandelsfachfrau zu nutzen, um – wie sie es oft bekräftigte – ihr Hobby zum Beruf zu machen. Die ersten Jahre widmete sie sich ihren Söhnen Willi und Karl-Heinz (heute 72 und 62), setzte aber dann sehr bald ihren Plan in die Tat um, einen mobilen Verkaufsstand zu betreiben. Ein Auto mit Anhänger wurde angeschafft, und dieser Anhänger enthielt ein recht geschickt ausgesuchtes Sortiment von allem, was die Burscheider Hausfrauen benötigten.

Vom mobilen Geschäft ging es über ins stationäre

Ähnlich wie die heutige wieder gefragten Lieferdienst-Unternehmen, sorgte Alma Hambüchen schon damals für eine bequeme Einkaufsquelle direkt neben den Haustüren. Mit dieser Lösung war aber ihre Aktivität nicht ausgelastet.

Wie gut, wenn die Familie, besonders Schwiegereltern, mitdenken und -handeln! Alma Hambüchen wechselte von ihrer mobilen Verkaufsstätte in das Erdgeschoss des großelterlichen Hauses Griesberger Straße 41. Nach entsprechendem Umbau konnte sie sich nach Herzenslust in ihrem Metier betätigen und gehörte bald wie selbstverständlich zu den damals etablierten zwei weiteren Läden in ihrer Nähe.

Peter Hambüchen schildert die gute Zusammenarbeit der Eltern: „Vater arbeitete weiterhin im Traditionsunternehmen Goetze, pflegte nebenbei sein Hobby als Forellenzüchter in der Thielenmühle.“ An einem Wochentag bot Alma Hambüchen im Laden die von ihrem Mann selbstgeräucherten Forellen an – beliebt über die Nachbarschaft hinaus.

Hinter der Theke stand die Hausfrau – und inzwischen Mutter von vier Söhnen – das Jahr über allein. Nur in den wenigen Urlaubsreisen, die die Familie sich gönnte, übergab sie einer verantwortungsvollen Nachbarin die Laden-Regie.

Reisen in die meisten europäischen Länder brachten zusätzlich Farbe in den Alltag. Sohn Willi hatte seinen Weg inzwischen bereits mit 19 Jahren weit entfernt von Burscheid in Kanada gefunden. Auch er freute sich, wenn Mutter Alma die weite Reise nicht scheute.

„Spätestens nach ihrer Heirat mit unserem Vater fühlte sich unsere Mutter in Burscheid zu Hause.“
Andreas und Peter Hambüchen

Alma Hambüchen und ihr gemütlicher Laden waren nicht nur Anlaufstelle zur Deckung der Haushaltsvorräte. Ihre Kundinnen und Kunden schätzten ebenso ihre guten Ratschläge in Koch- und Lebensfragen. Ein Plausch über den Ladentisch würzte den Alltag auf angenehme Weise.

Ende der siebziger Jahre war es jedoch nicht mehr zu übersehen, dass die Supermarkt-Ketten für viele Tante Emma – pardon: Tante-Alma-Läden – das Aus bedeuteten.

Da entschloss sich auch Alma Hambüchen, ihre geliebte Kommunikations- und Versorgungs-Station zu schließen. Das bedauerten nicht nur die langjährigen Kunden; ebenso die inzwischen herangewachsene neue Generation, die an der Hand ihrer Mütter sehr gerne zu den Bonbonregalen und Schokoladenstapeln mitgekommen waren. Daran erinnert sich lebhaft auch Sigrid Linden, die der alten Dame bis zum letzten Tag pflegerisch nahe war.

Zog sich die rüstige Alma Hambüchen nach dem Ende ihrer Selbstständigkeit nun endgültig zu ihren stets klappernden Strick- und Häkelnadeln zurück? Mitnichten. Durch ihren langjährigen Brotlieferanten Bäcker Trenzen am Dünweg bekam sie die Möglichkeit, in dessen Unternehmen als feste Mitarbeiterin weiter aktiv zu sein. Hinter dieser Theke stand Alma Hambüchen wiederum noch mehr als 15 Jahre.

Hintergrund

Bäckerei: In der Bäckerei Trenzen in Hilgen fand Alma Hambüchen nochmals eine geschäftliche Heimat. Ende 2008 entschied sich dann Inhaberin Helene Trenzen, die Bäckerei endgültig zu schließen – knapp sechs Jahre nach dem Tod ihres Mannes Karl-Heinz. Ein Abschied, der allen Beteiligten schwer fiel. Die Stammkunden schätzten das Handgemachte. „Jedes Brötchen ein Unikat“ – so hatte es Helene Trenzen einmal selbst beschrieben. Alma Hambüchen gehörte mehr als 15 Jahre lang mit zum Team hinter dem Bäckerei-Tresen.

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