Stadtentwicklung

Tagesgäste und Einheimische stärken die Region

Bellinghausen: Ab hier geht es auf die schönsten Wanderwege. Ein Burscheider Anziehungspunkt.
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Bellinghausen: Ab hier geht es auf die schönsten Wanderwege. Ein Burscheider Anziehungspunkt.

Zu Gast im Burscheider Stadtentwicklungsausschuss war Tobias Kelter, Geschäftsführer von „Das Bergische“.

Von Nadja Lehmann

Tobias Kelter ist herumgekommen in seinem beruflichen Leben. Er war ebenso in Timmendorfer Strand wie an der Südlichen Weinstraße. Seit fünf Jahren ist er Geschäftsführer von „Das Bergische“ – jener Dachorganisation, die die Region auf der touristischen Karte verankern soll. Und die das Potenzial dazu hat, daran ließ Kelter bei seinem Besuch im Burscheider Stadtentwicklungsausschuss keinen Zweifel. Er rückte das Bergische mit dem Sauerland und der Eifel in eine Liga.

Und Kelter machte schnell klar, wo aus seiner Sicht die Stärken des Bergischen liegen, nämlich nicht in der Fokussierung auf Gäste aus der Ferne, sondern aus der Nähe: „Tourismus ist auch Naherholung. Und ein attraktiver Lebens- und Freizeitraum ist ein gewichtiger Standortfaktor, der den Ausschlag geben kann, wohin eine Familie zieht oder ein Arbeitgeber sein Gewerbe ansiedelt.“ Auf 14 bis 15 Millionen Menschen bezifferte Kelter die Zahl derer, die mit einem Anfahrtsweg von ein- bis eineinhalb Stunden das Bergische Land erreichen. „Landschaft haben wir, und Wasser können wir auch“, lautete dazu sein griffiger Kommentar. „Nicht mit der Hochwasserflut, sondern mit Talsperren“. Kelter, der auch im Ahrtal gearbeitet hat, wurde da dann doch sehr ernst: Er wisse, wie es dort aussehe.

Seinen Überblick über Burscheid hat sich der Diplom-Betriebswirt der Freizeit- und Tourismuswirtschaft indes schon längst verschafft. Es gebe da nicht wenig, was Burscheid da in die Waagschale werfen könne: „Die Dhünn-Hochfläche, der Pilgerweg, der Eifgen, der Thomashof, Gut Landscheid mit nahe gelegener Ferienwohnung Waldhaus Landscheid, die Lambertsmühle“, nannte Kelter nur ein paar Punkte. Ebenso strich er den E-Bike-Verleih, die Balkantrasse und als wichtigen Ansprechpartner für die Radfahrer und Biker Radsport Campana an der Industriestraße heraus: „Das rundet das Angebot ab.“ Lob gab es von ihm auch für Burscheids innerstädtische Hinweistafeln, die auf gastronomische Angebote aufmerksam machen: „Da weiß ich als Auswärtiger gleich, wo die Eisdiele ist.“

„Die dichten, dunklen Wälder im Bergischen, die typisch waren – die sind weg. Das war einmal.“

Stefan Bublies, Ausschussvorsitzender

Ferienwohnungen gibt es in Burscheid in eher überschaubarer Zahl. „Aber es kommt viel über die Tagesgäste“, betonte Tobias Kelter. Sie sowie die Einheimischen selbst seien zu großen Teilen an der Wertschöpfung beteiligt: Eine Tendenz, die sich während der Pandemie noch verstärkt und die auch dem Einzelhandel viel gebracht habe. Das konnte Buchhändlerin Ute Hentschel (Grüne) nur bestätigen: „Die Radfahrer kommen rein und kaufen einen Radführer.“

Rund 512 Millionen Wertschöpfung, 2,3 Millionen Übernachtungen, 14,8 Millionen Tagesgäste: Das sind die Zahlen für 2019. Dann kam Corona. „2020 hatten wir einen Verlust von 290 Millionen Euro.“ Doch „Das Bergische“ versuchte, im Gespräch zu bleiben: Man verschickte die „Bergische Box“ an Influencer, die das auf Instagram posteten; man kreierte die Gutscheinaktion „Ich han ‘nen Deckel“, die der heimischen Gastronomie zugute kam; man entwickelte digitale Strategien. „Ohne geht es nicht“, sagte Kelter und skizzierte ein denkbares Szenario mit Künstlicher Intelligenz, bei dem Alexa und Siri zum Einsatz kommen: „Daran arbeiten wir.“ Ebenso wie an einer digitalen Besucherlenkung, die frühzeitig via Smartphone vor Hotspots und überfüllten Parkplätzen warnt.

Aber: Ist das Bergische überhaupt noch das Bergische? „Unsere dichten, dunklen Wälder, das war doch einmal“, befand Ausschussvorsitzender Stefan Bublies (CDU) mit Blick aufs Fichtensterben etwas wehmütig, worauf Bernhard Cremer (BfB) doch etwas Positives herausstrich: „Dafür gibt es ganz neue schöne Sichtbeziehungen.“ Den schönen Laubwald gebe es ja noch, lautete Kelters Antwort, um dann einzuräumen: „Das wird unser Marketing verändern.“

Kommentar

Von Nadja Lehmann

nadja.lehmann@rga.de

Ich erzähle es immer wieder gern: Wie ich, vor 20 Jahren, damals aus Cuxhaven kommend, ins Bergische zog und sofort der festen Überzeugung war, ich sei in einer touristischen Hochburg gelandet. Die Landschaft, die tollen Wandermöglichkeiten, die Nähe zu Köln, Düsseldorf und Ruhrgebiet: Es konnte doch gar nicht anders sein. Doch, ist es. Das Bergische ist immer noch ein Geheimtipp. Nicht für die, die hier oder in der Nähe wohnen. Aber für diejenigen, die von weiter weg kommen. Warum? Mir ist es ein Rätsel. Vielleicht sollten wir viel offener und auch selbstbewusster darüber sprechen, in was für einem schönen Flecken Erde wir doch daheim sind. Das Bergische hat’s verdient.

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