Sucht der Eltern ist für Kinder ein Lebensthema

Diskutierten gemeinsam über elterlichen Suchtmittelgebrauch und die Folgen: Prof. Dr. Alexander Trost (v. l.), Facharzt Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, Hildegard Wunsch, Leiterin des Projektes „Kids & Co“ der Katholischen Erziehungsberatung, Familienrichter Dr. Maximilian Friedrich, Lydia Heup, Leiterin der Suchthilfe des Caritasverband RheinBerg, Heinz-Peter Röhr, Pädagoge und Autor, und Moderatorin Ute Glaser. Foto: Alois Müller
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Diskutierten gemeinsam über elterlichen Suchtmittelgebrauch und die Folgen: Prof. Dr. Alexander Trost (v. l.), Facharzt Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, Hildegard Wunsch, Leiterin des Projektes „Kids & Co“ der Katholischen Erziehungsberatung, Familienrichter Dr. Maximilian Friedrich, Lydia Heup, Leiterin der Suchthilfe des Caritasverband RheinBerg, Heinz-Peter Röhr, Pädagoge und Autor, und Moderatorin Ute Glaser.

Caritas-Verband will Lösungen finden

Von Alexandra Dulinski

Kinder, die in Suchtfamilien aufwachsen, sind in Deutschland keine Randgruppe: Auch im Rheinisch-Bergischen Kreis lebt schätzungsweise jedes sechste Kind unter 18 Jahren mit abhängigen Eltern zusammen. Um das Thema „Gelingende Elternschaft und Suchtmittelgebrauch“ ging es jetzt bei einem Fachtag im Kardinal-Schulte Haus in Bergisch-Gladbach. Auf Einladung der Caritas Rhein-Berg und der Katholischen Erziehungsberatung trafen sich erstmalig unterschiedliche Akteure zum Erfahrungsaustausch. Dabei wurde klar, dass Lösungen am besten gemeinsam in der Zusammenarbeit aller Institutionen gefunden werden können. Denn die Folgen für die weitere Entwicklung der Kinder können dramatisch sein, heißt es von der Caritas.

„Nur etwa ein Drittel der Kinder kommt unbeschadet und gesund aus einer Suchtfamilie.“

Lydia Heup, Suchthilfe des Caritasverbands Rhein-Berg

Mit dabei waren Lydia Heup, Leiterin der Suchthilfe des Caritasverband Rhein-Berg, Hildegard Wunsch, Leiterin des Projektes „Kids & Co“ der Katholischen Erziehungsberatung, Familienrichter Dr. Maximilian Friedrich, Prof. Dr. med. Alexander Trost, Facharzt Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie sowie Heinz-Peter Röhr, Pädagoge und Autor. Bei den Vorträgen und der anschließenden Podiumsdiskussion wurde klar: Die Fälle sind extrem individuell. Gemeinsam ist allerdings, dass die Erkrankungen das Familienklima prägen und die seelische Gesundheit der Kinder belasten.

„Nur etwa ein Drittel der Kinder kommt unbeschadet und gesund aus einer Suchtfamilie“, sagt Lydia Heup. Wichtig sei, dass alle in der Gesellschaft genau hingucken. Suchtmittelgebrauch ist immer noch ein Tabuthema. Die Kinder lernen früh zu funktionieren, und die Familien versuchen, die Fassade so lange wie möglich aufrechtzuerhalten. Hier sei der Blick aller Kontaktpersonen gefragt. Das können Familienangehörige, Nachbarn, Erzieher, Lehrer oder Ärzte sein.

Die Suchthilfe der Caritas ist ein niedrigschwelliges Angebot, das jeder nutzen kann. Auf Wunsch auch anonym. „Je früher wir handeln können, desto besser“, sagt Heup. Vor allem die ersten zwei Lebensjahre seien wichtig. Gemeinsam mit dem Jugendamt werde dann nach Lösungen gesucht. Das kann eine Entgiftung oder eine Therapie sein. „Es gibt immer Fälle, in denen die Eltern ihre Probleme in den Griff bekommen“, berichtet die Expertin.

Manchmal ist allerdings ein Verbleib der Kinder in der Familie nicht möglich, dann müssen andere Unterbringungsmöglichkeiten gefunden werden. „Die Suchterkrankung der Eltern ist für die Kinder und Jugendlichen ein Lebensthema“, so Hildegard Wunsch, Leiterin des Projektes „Kids & Co“. „Deshalb brauchen wir vielfältige, auf lange Zeit ausgelegte Hilfsangebote und immer wieder Veranstaltungen wie diese“, betont sie.

Kontakt zur Suchthilfe der Caritas: Caritasverband für den Rheinisch-Bergischen Kreis e. V. Suchthilfen Ambulant, Buchholzstraße 73, Bergisch Gladbach. Tel. (0 22 02) 10 08-2 01

suchthilfe@caritas-rheinberg.de

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