Tierschutz

Starkes Team rettet ausrangierte Hennen

Diana Meyer mag Hühner, und die mögen sie: Hier hat sie Bubi auf den Arm genommen. Jedes Tier sei unverwechselbar, sagt Meyer, die alle unterscheiden kann und allen einen Namen gegeben hat. Mit „Stark für Tiere“ setzt sie sich für ausrangierte Legehennen ein.
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Diana Meyer mag Hühner, und die mögen sie: Hier hat sie Bubi auf den Arm genommen. Jedes Tier sei unverwechselbar, sagt Meyer, die alle unterscheiden kann und allen einen Namen gegeben hat. Mit „Stark für Tiere“ setzt sie sich für ausrangierte Legehennen ein.
  • VonNadja Lehmann
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Diana Meyer engagiert sich beim Verein „Stark für Tiere“ und fährt bundesweit Einsätze.

Burscheid. Mit Erpel Hubert haben Jugendliche einst Fußball gespielt. Sonja wurde auf einem Weiher ausgesetzt. Sabrina wurde nur mit Brot gefüttert und kann durch diese Mangelernährung kaum laufen und sich nur mühsam vorwärtsschleppen. Der stolze, wachsame Hahn Franz wurde von aufmerksamen Autofahrern schwer verletzt im Straßengraben entdeckt. Blume war Legehenne und musste Eier im Akkord legen. „Jedes Tier hier hat seine Geschichte“, sagt Diana Meyer.

Auf ihrem Grundstück in Berghamberg haben die Hennen und Enten, die schon so viel erlebt haben, ein neues Zuhause gefunden. Diana Meyer geht voran und zeigt die Anlage: Es gibt schattenspendende Bäume und Büsche, Stallungen zum Schlafen und Ausruhen, Sand, um sich zu suhlen, Badewannen, um ins Nass zu springen - und jede Menge Auslauf, bei dem ein schützendes Dachnetz sicherstellt, dass sich keine Angreifer dorthin verirren können.

„Seit 2006 habe ich Hühner“, erzählt Diana Meyer. Fasziniert hatten sie die klugen Hühner schon früh: „Ich hatte eine Putzstelle, und dort gab es Hühner. Ich habe beim Füttern mitgeholfen. Und irgendwann erkannten die Hühner mein Auto, wenn ich kam, und kamen angerannt. Das fand ich toll!“

Friedlich planschen Stock- und Pekingente miteinander im Wasserbassin. Foto: Diana Meyer

Mit Seidenhühnern fing sie an; das letzte davon, Barbara, ist gerade erst gestorben. Denn unterdessen hörte Diana Meyer von einem Verein, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, ausrangierten Nutztieren ein neues Zuhause zu verschaffen. „Stark für Tiere“ hat seinen Sitz in Niedersachsen und engagiert sich bei der Rettung von Tauben, Labortieren, Lämmern, Legehennen und im Bereich Auslandstierschutz und Lebenshöfe. „Ich habe dann erstmal als Adoptantin zwei Hühner zu mir genommen“, sagt Diana Meyer. Und es dauerte nicht lange, da stieg die 44-jährige selbst mit in die Vereinsarbeit ein, mit Schwerpunkt Hühner: „Seit dreieinhalb Jahren fahre ich Rettungseinsätze“, sagt Meyer. Sie findet eine ganz einfache Begründung für ihr Engagement: „Es erfüllt mich.“

Der weiße Hahn Franz bewacht sein Areal und seine Hennen.

Aber sie verschweigt auch nicht, dass dahinter harte Arbeit steckt. Die lässt sich nur im Team bewältigen, macht Diana Meyer klar, die nur ungern im Mittelpunkt stehen mag. Deutschlandweit hat Stark für Tiere Kooperationen mit Landwirten aufgebaut. Diese geben Bescheid, wenn sie nicht mehr leistungsfähige Hennen aussortieren, was in der Regel nach einem Jahr der Fall ist: „Übrigens auch in Biobetrieben“, sagt Meyer.

„Es macht mich glücklich, wenn ich mit den Tieren im Anhänger fortfahre.“

Diana Meyer

Dann läuft die Rettungsaktion an: Stark für Tiere sucht zum einen Adoptanten, zum anderen Helfer für die jeweilige Aktion. Für diese fahren alle Teams aus ganz Deutschland sternförmig vor: „Wir kommen in der Nacht und gehen im Schutzanzug, um keine Keime anzuschleppen, und mit Stirnlampe in die Ställe“, beschreibt Meyer. Für die nachtblinden Hühner sei das stressfreier, weil sie sich nicht bewegten. „Für 200 Tiere brauchen wir eine Stunde, für 600 zwei“, sagt Meyer.

Inzwischen kommt auchdie 15-jährige Tochter mit

Die Hühner werden in große Boxen verladen und zu den Ausgabestellen gefahren: Das ist mal Bielefeld, mal Leverkusen, mal Berghamberg. Dort warten im Morgengrauen die Adoptanten, die sich zuvor mit Schutzvertrag und Fotos ihrer Anlage haben registrieren müssen. Sechs bis sieben Mal im Jahr ist Diana Meyer so unterwegs. Inzwischen kommt auch ihre ältere Tochter Janine (15) mit; zwei weitere feste Helferinnen gehören ebenfalls zum Burscheider Team - und diverse helfende Hände, die sich zu den Aktionen melden.

„Es ist anstrengend“, sagt die 44-jährige offen. „Emotional und körperlich.“ Und nicht allen Tieren könne man helfen: „Manche sind schwer verletzt. Sie können wir nur noch beim Sterben begleiten.“

Henne Blume.

Eine Tatsache, die sie für sich erst habe akzeptieren müssen. „Man muss sich abschotten. Ich musste mir sagen: Ich bin nicht schuld an diesem Tierleid. Und ich kann nicht jedes Tier retten.“

Kraft schöpft die 44-Jährige aus dem Gefühl, das in ihr aufkommt, wenn nach einer Aktion alle Tiere sicher im Anhänger verladen sind: „Es macht mich glücklich, wenn ich dann wegfahre.“ Kraftquell ist auch der Garten. Wie der Lieblingsplatz neben dem Teich, an dem der Frosch quakt und wo die Seerosen blühen. „Das ist meine heile Welt. Oder ich setze mich zehn Minuten zu meinen Hühnern. Dann ist alles wieder gut.“

Hintergrund

Stark für Tiere e.V. hat es sich zur Aufgabe gemacht, Tiere, deren Leben oder Wohlergehen bedroht ist, in Obhut zu nehmen, gegebenenfalls medizinisch zu versorgen, in ein tiergerechtes neues Zuhause zu vermitteln oder dauerhaft zu versorgen, wenn es sich um schwer vermittelbare Tiere handelt, heißt es auf der Homepage.

www.stark-fuer-tiere.de

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