Gutachten empfiehlt einen Kronenrückschnitt

Stadt lässt Bäume beschneiden und fällen

Einige Linden am Sportplatz Griesberg sind geschädigt. Ein Gutachten empfiehlt einen Kronenrückschnitt. Fotos: Doro Siewert
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Einige Linden am Sportplatz Griesberg sind geschädigt. Ein Gutachten empfiehlt einen Kronenrückschnitt.

Am Sportplatz Griesberg sind Linden beschädigt, auf der mittleren Hauptstraße stehen sie der Fahrbahnverbreiterung im Weg.

Von Nadja Lehmann

Er sei der Mann der Bäume, gab Marc Baack von der Stadtverwaltung die Richtschnur vor – und berichtete dann in der Tat im Stadtentwicklungsausschuss gleich von diversen Projekten, die sich um Linde, Eiche und Co. drehten. Wie auf der mittleren Hauptstraße.

Diese soll bekanntermaßen ein neues Antlitz erhalten und so mit der oberen Hauptstraße gleichziehen. Geplant ist, auch diesem Streckenabschnitt mehr Aufenthaltsqualität zu verleihen, indem Sitzmöglichkeiten geschaffen und auch Spielgeräte für Kinder aufgestellt werden. Fahrräder sollen an Radbügeln arretiert werden können und neue Abfalleimer für Sauberkeit sorgen. Damit die Hauptstraße wie aus einem Guss daherkommt, wird auch das Pflaster überarbeitet und gegen ein neues ausgetauscht, das insbesondere den Bedürfnissen mobilitätseingeschränkten Passanten entgegenkommt. Möglich macht es das Sonderprogramm „Erhaltungsinvestitionen kommunale Verkehrsinfrastruktur Straßen und Radwege“.

Und damit einher geht auch der Ausbau der mittleren Hauptstraße zu einer optimalen Fahrradstrecke, der gegenläufigen Radverkehr erlaubt. Dafür aber ist die Fahrbahn in ihrem derzeitigen Zustand zu schmal. Denn dort befinden sich mehrere große Bäume. Von mindestens fünf Baumstandorten sprach Marc Baack, die sich der geforderten Breite in die Quere stellen. „Wir brauchen eine Fahrbahnbreite von 3,80 Meter, um den gegenläufigen Radverkehr zu ermöglichen.“ Man habe die Entscheidung nicht leichtfertig getroffen, aber: „Mindestens zwei Bäume müssen zwingend weg.“

Die mittlere Hauptstraße soll breiter werden. Dem stehen die dortigen Bäume entgegen. Neuanpflanzungen sind geplant.

An zwei weiteren Standorten habe sich das Wurzelwerk so hochaufgewölbt, dass man keine Gusseisenplatte darübersetzen könne: „Damit aber erzeugen wir die notwendige Ebenerdigkeit.“ Ein Aspekt, auf den auch bereits die Beet- und Blumenpaten, die seit 2013 ehrenamtlich für ein ansehnliches Grün und Pflege sorgen, aufmerksam gemacht hatten. „Wir wollen so viel Grün wie möglich in der Stadt“, betonte Marc Baack. Und genau daran fehle es, ergänzte Bürgermeister Stefan Caplan. „Die Bäume sind sehr hoch, so dass es von der subjektiven Empfindung her wenig Grün gibt.“ Im Gegenzug verschatteten die hochgewachsenen Bäume bereits dort gelegene Wohnungen: „Sie müssten aufwendig gekappt werden.“

Ohnehin sei von einem schönen Erscheinungsbild nicht mehr viel übrig geblieben, betonte der Bürgermeister. Sein Fazit: Die Baumscheiben seien zum Hundeklo verkommen. Genau deshalb waren einst auch die Beetpaten angetreten. Sie aber zeigen sich zunehmend enttäuscht, wie Caplan berichtete: „Der Unmut der Paten wird immer größer.“ Ein Eindruck, den auch Heidi Neumann (Grüne) bestätigte: „Das hat nicht so geklappt wie gedacht.“

Deshalb sind analog zur oberen Hauptstraße Neupflanzungen geplant: in Form von schmalkronigen Bäumen wie dem Feldahorn. Die Ahorne werden in gusseiserne Baumscheiben gebettet, die für einen größeren Bewegungsspielraum sorgen.

„Das wird nicht gut aussehen.“

Bürgermeister Stefan Caplan zum Kronenrückschnitt

Stehen bleiben sollen dagegen die großen Bäume rund um den Sportplatz Griesberg. Obwohl drei Exemplare große Beschädigungen aufweisen, wie Marc Baack berichtete. „Ein Gutachten empfiehlt den Rückschnitt.“ Genauer: den sogenannten „Kronenrückschnitt“. „Das klingt erst mal nicht so schlimm, aber von den Bäumen wird nicht viel übrig bleiben“, warnte Bürgermeister Caplan vorab. „Das wird nicht gut aussehen.“

Doch Bernhard Cremer (Bündnis für Burscheid) blieb optimistisch: „Linden erholen sich meist gut nach einem solchen Eingriff. Sie bestehen aus Weichholz, sind innen hohl und können sich von innen erneuern.“ Es bestünde also die Chance auf Genesung. Stillstand musste dagegen Heike Wunderlich, Leiterin des Amts für Stadtentwicklung und Umwelt, beim Thema Aufforstung städtischer Waldflächen vermelden. Die Stadtverwaltung habe fünf Baumschulen um Angebote gebeten. „Nur eine Baumschule hat ein Angebot abgegeben, das zum einen sehr teuer war, zum anderen nicht den Vorgaben entsprach.“

Man werde also erneut Angebote einholen; die Aufforstung verschiebe sich deshalb in den Herbst. Hintergrund: Der Borkenkäfer hatte auch in Burscheid dem durch Trockenheit geschwächten Wald den Garaus gemacht. Betroffen war eine Fläche von 5,73 Hektar. In Absprache mit den zuständigen Forstbeamten wurde 2020 eine Fläche von 3,9 Hektar gefällt – in der Hoffnung, das Holz noch verkaufen zu können.

Auf den kahlen 5,73 Hektar sollten zügig rund 19 600 Bäume und Pflanzen neu gesetzt werden. Das wird nun voraussichtlich erst im Herbst geschehen.

Hintergrund

Gefällt wird an der einen Stelle, neu gepflanzt an der anderen: Die Baumpflanzkampagne der Stadt lädt die Bürgerinnen und Bürger dazu ein, für neue Bäume zu spenden. Erste Exemplare wurden bereits in Löh gesetzt. Über Standort und Baumauswahl entscheiden die Experten der Technischen Werke Burscheid (TWB), die die Bäume auch pflanzen. Weitere Standorte sind demnächst geplant, unter anderem in Dierath. Mehr Infos gibt es per E-Mail.

baumpflanzkampagne@burscheid.de

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