Auf den Spuren des Fußkünstlers Arnold Buntenbach

Am meisten beeindruckte seine Zuschauer, wie Arnold Buntenbach durch die geschickte Benutzung seiner Zehen naturgetreue Gemälde von Blumen in künstlerisch hochwertiger Ausführung entstanden. Als beachtlicher Beweis befindet sich dieses Gemälde einer Rose mit dem Signum 1. August 1828 noch heute im Burscheider Stadtarchiv. Foto: Doro Siewert
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Am meisten beeindruckte seine Zuschauer, wie Arnold Buntenbach durch die geschickte Benutzung seiner Zehen naturgetreue Gemälde von Blumen in künstlerisch hochwertiger Ausführung entstanden. Als beachtlicher Beweis befindet sich dieses Gemälde einer Rose mit dem Signum 1. August 1828 noch heute im Burscheider Stadtarchiv. Foto: Doro Siewert

Der ohne Arme geborene Burscheider war vor 200 Jahren eine Attraktion auf Jahrmärkten

Von Ursula Hellmann

Im Kirchspiel Burscheid, das seinerzeit zum Amt Miselohe im Herzogtum Berg gehörte, kam am 23. September 1799 Anna Maria Buntenbach, geborene Schulte, mit einem Sohn nieder. Die Freude der Eltern dauerte leider nur ein paar Minuten. Dem recht munteren kleinen Arnold fehlten nämlich sehr wichtige Körperteile. Rechts und links von seinen Schultern waren ihm keine Arme gewachsen.

Arnolds Vater hatte als gelernter Fassbinder ein ausreichendes Einkommen und besaß wohl auch eine entsprechend erworbene Schulbildung. Daher war der Sohn zum Glück in einer geschützten Atmosphäre geborgen. Natürlich blieben den Eltern die Ängste um die Zukunft Arnolds. Wie sollte er jemals lernen, selbstständig zu essen, sich anzukleiden oder vielleicht sogar zu schreiben?

Mutter Maria Elisabeth und Vater Friedrich kamen von den ersten Lebensminuten ihres Sohnes an aus dem Staunen nicht heraus. Der kleine Junge entwickelte eine Energie und einen unglaublichen Kampfgeist. Sein eiserner Wille unterstützte seine Fantasie. Wozu hatte er seine Füße? Sicher nicht nur, um sich damit fortzubewegen. Sein Körper wurde bald so biegsam und gelenkig wie der eines meisterhaften Artisten. Er fasste Gabel, Löffel und Messer mit seinen ungewöhnlich langen Zehen, führte die Speise zum Mund und benutzte Teller, Tassen und Gläser mit problemloser Sicherheit. Arnolds Verstand funktionierte einwandfrei und war stets bemüht, zu lernen.

Künstler konnte mit Füßen auch Nüsse vom Baum schütteln

Was in unserem medizinisch und technisch hochgerüsteten Zeitalter normale Selbstverständlichkeit ist, kostete den in seinen Funktionen eingeschränkten jungen Mann viel innere Kraft und Durchhaltevermögen.

Sein liebevolles Elternhaus half ihm, sein Selbstwertgefühl in guter Weise zu formen. Seine liebste Beschäftigung war das Malen. Ruhig, konzentriert und mit äußerster Präzision führte er Farben, Pinsel und Stifte über die Papier- oder Leinwandschichten vor ihm auf dem Fußboden. So stolz seine Eltern auf Arnolds Geschicklichkeit waren – ihre Sorge um sein Auskommen blieb ihnen lange Zeit.

Als verantwortungsvoller Sohn überlegte sich Arnold: „Was ich kann, ist schon manchem Nachbarn und Verwandten wie ein Wunderwerk vorgekommen. Warum sollte ich nicht so mutig sein und diese außergewöhnliche Kunst gegen Geld zur Schau zu stellen?“

Dazu benötigte der mutige junge Burscheider auf jeden Fall die Genehmigung von Landrat Hauer in Opladen.

Der damalige Burscheider Dorf-Bürgermeister Matthias Pott übernahm es, für Arnold diese organisatorische Hürde zu nehmen. Seit der Übernahme auch des Bergischen Landes durch Napoleon gehörte Burscheid zur Mairie (Haupt-Bürgermeistersitz) des Arrondissements Düsseldorf. Daher war der Kanton Opladen auch für die Bewohner von Kämersheide zuständig.

Arnold Buntenbach war bald auf den Jahrmärkten der Umgebung – und später im größeren Umkreis – eine richtige Attraktion. Im Stil aller fahrenden Artisten zog er zeitweise sogar mit einem Wohnwagen von Stadt zu Stadt. Seine körperlichen Begabungen führte er an den Markttagen von morgens um 10 Uhr bis abends um 22 Uhr vor. Ab 1858 unternahm er keine Vorstellungstourneen mehr in weit entfernte Städte, war jedoch noch lange im hiesigen Regierungsbezirk unterwegs.

Auch seine Geburtsstadt erlebte ihn und veröffentlichte im „Bergischen Volksboten“ unter der Rubrik Kunstanzeige im März 1864: In den Räumen des Gastwirtes August Peters zu Maßsiefen gab der in Burscheid gebürtige Fußkünstler Arnold Buntenbach eine gut besuchte Vorstellung seiner erlernten Geschicklichkeiten.“

Am meisten beeindruckte seine Zuschauer, wie durch die geschickte Benutzung seiner Zehen naturgetreue Gemälde von Blumen in künstlerisch hochwertiger Ausführung entstanden. Er verkaufte diese Bilder an Private und Behörden. Als beachtlicher Beweis befindet sich sein Gemälde einer Rose mit dem Signum 1. August 1828 noch heute im Burscheider Stadtarchiv.

Wie berichtet wurde, waren seine Zehen trotz sensibler, künstlerischer Tätigkeit auch in der Lage, massive Knüppel zu greifen und mit diesen als „Erntehilfe“ Nüsse vom Baum zu schütteln. Eine Anekdote über ihn, die sich permanent erhält, bringt den deutschen König Friedrich Wilhelm IV. ins „Spiel“.

Dies ist sogar im übertragenen Sinn zu verstehen. Buntenbach ließ sich in Berlin zu einem Kartenspiel mit der Majestät überreden. Dreimal musste der König sich geschlagen geben – und Arnold ging mit einem fürstlichen Gewinn nach Hause.

Der lebenstapfere Mann ist ein Beweis für die Nachwelt, welche Leistungen durch Willenskraft und Ausdauer vollbracht werden können – selbst in einer Zeit, die weder staatliche Zuschüsse, Pflegegelder oder Behinderten-Vergünstigungen kannte.

Zur Person

Wie die Archive zeigen, war Arnold Buntenbach zweimal verheiratet und Vater von drei Kindern. Er starb am 26. März 1870 in Rötzinghofen. Dort war er nicht weit von seinem Geburtsort sesshaft geworden.

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