Die Flutkatastrophe ist unvergessen

Spundwände sollen Großhamberg vor Hochwasser schützen

SPD-Fraktionschef Klaus Becker hatte sich bereits im vergangenen Jahr in Großhamberg umgesehen. Nun, ein Jahr später, sind Karl-Heinz Heine, Iris Thomas-Malalla und Karin Heine (v. l.) frustriert.
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SPD-Fraktionschef Klaus Becker hatte sich bereits im vergangenen Jahr in Großhamberg umgesehen. Nun, ein Jahr später, sind Karl-Heinz Heine, Iris Thomas-Malalla und Karin Heine (v. l.) frustriert.
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Anwohner warten auf Sicherheitskonzept und haben nun eigene Lösung entwickelt.

Von Nadja Lehmann

Burscheid. Die schreckliche Nacht, sie ist in Großhamberg nicht vergessen. Als in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli vergangenen Jahres aus einem kleinen Bach Wassermassen wurden, die alles mit sich rissen. Seitdem ist nichts mehr so, wie es war. „Wenn es anfängt, zu regnen, laufe ich auch nachts durchs Haus“, sagt Karin Heine. „Dann gucke ich, wie hoch das Wasser steht. Hier schläft bei Niederschlag keiner mehr.“ Sie renne bei Regen hinaus, sagt auch Nachbarin Iris Thomas-Malalla. „Sofort.“

Die Flutkatastrophe traf Burscheid an unterschiedlichen Punkten: Das Wasser unterspülte die K 2 bei Dohm, es zerstörte in Teilen die Brücke in Dürscheid, es brachte in Lambertsmühle den Hang ins Rutschen. Richtig brisant aber wurde es an zwei Stellen: am Gut Landscheid und eben in Großhamberg. Irgendwann in der Nacht habe er kapituliert, erinnert sich Karl-Heinz Heine. „Das Wasser stieg und stieg“, sagt seine Frau. „Wir haben Glück gehabt, dass es nicht in die Steckdosen lief.“

Der sonst so friedliche Bornheimer Bach wurde zum Feind, der in seinem Bett nicht mehr zu halten war. Er zerfetzte die Böschungen, raste durch die Vorgärten. „Unser ganzes unteres Stockwerk musste saniert werden“, sagt Iris Thomas-Malalla. Ihr schöner Vorgarten, vor dem einst Spaziergänger bewundernd stehenblieben, existiert nur noch auf Fotos.

Karl-Heinz Heine zeigt Großhambergs tiefsten Punkt. Dort sammelt sich das Wasser.

Sie zeigt auf ihrem Grundstück die Böschung, unter der nun wieder still und unscheinbar der Bach fließt. Das Ufer aber sieht genauso aus wie vor einem Jahr: zerklüftet, kaputt. Das rasch neu aufgelegte Pflaster an der Straße: ein Provisorium. „Hier passiert überhaupt nichts“, sagen Karin und Karl-Heinz Heine, Iris Thomas-Malalla und Inge Deutzmann. Karl-Heinz Heine zeigt seinen umfangreichen Mailverkehr mit dem Kreis, in dem er immer darum gebeten habe, die Anwohner über Maßnahmen und ein künftiges Planungskonzept zu informieren und miteinzubeziehen. „Ein solches konzeptionelles Denken ist bislang ausgeblieben“, sagt SPD-Fraktionsvorsitzender Klaus Becker.

Er hatte sich vor einem Jahr selbst ein Bild von der Lage in Großhamberg verschafft. Schon damals hatte er mit Karl-Heinz Heine darüber nachgedacht, wie man die Großhamberger vor einem solchen Wetterereignis schützen kann. Ein Damm und ein Auffangbecken schwebte beiden damals vor. Und Becker hatte sich optimistisch gezeigt: Das Genehmigungsverfahren müsse noch 2021 angepackt werden.

Wer den Großhambergern heute zuhört, vernimmt viel Frustration. „Das, was saniert wurde, haben wir in Auftrag gegeben, und die Versicherung hat gezahlt“, sagen sie. „Aber was ist, wenn sich solch ein Wetterereignis wiederholt? Hier ist nichts sicherer geworden; wir stünden genauso da wie vor einem Jahr.“

Vielleicht sogar schlimmer, befürchtet Karl-Heinz Heine und zeigt den Ortsausgang Richtung Mönchhof. Dort ist eine Baustelle, verlegt wird die Fernleitung NETG, die im Zuge der L-/H-Gas-Umstellung die Energieversorgung im Raum Köln sicherstellen soll. Heine deutet hinab: Der Bach ist unterbrochen, zwischen den Spundwänden wird er mit Pumpen in Rohre gepresst. „Was passiert denn, wenn die Pumpen mal versagen? Was passiert, wenn es stark regnet? Sind die Rohre dem gewachsen?“ fragt Heine. „Die Gefahrenlage hat sich ja sogar vergrößert.“ Auf Nachfrage bei der Bezirksregierung habe diese ihm mitgeteilt, es gebe kein vorgeschriebenes Bauverfahren, es müsse nur dem Stand der Technik entsprechen. Um so wichtiger sei es, ein Konzept zu entwickeln, wie Großhamberg gesichert werden kann.

Baustelle am Ortsausgang: Der Bach ist hier unterbrochen. Das beunruhigt die Anrainer.

Und dabei gibt es wohl ganz unterschiedliche Pläne. Von einem „Wirrwarr der Behörden“ spricht Klaus Becker, in dem Kreis, Wupperverband und Land nicht an einem Strang und nicht mit einer Stimme sprechen. Von einem „Bypass“ sei die Rede gewesen, aber auch von einer Offenlegung des Bachs, verbunden mit einer Straßenverlegung um rund sieben Meter nach links. „Damit würden wir auch die Kurve entschärfen“, sagt Inge Deutzmann, die an eben dieser Kurve Ortsausgang Richtung Leverkusen wohnt.

Auch sie wartet auf eine dauerhafte Lösung: Ihre Garage ist, weil der Untergrund komplett weggespült wurde und wieder aufgefüllt werden musste, nur noch in schrägem Winkel anzusteuern – und damit nicht mehr nutzbar. „Wir würden etwas machen, es ist ja unser Grundstück“, sagt sie. Da habe dann aber der Kreis signalisiert, dass die Familie auf eigene Kosten zurückbauen müsste, sollte eine endgültige Lösung dadurch beeinträchtigt sein.

Und diese „endgültige Lösung“ kann sich ziehen: „Bis zu zehn Jahre hieß es auf unsere Nachfrage“, berichtet Deutzmann. Eine Zeitangabe, die Karl-Heinz Heine nicht überrascht. Seinem Mailverkehr mit dem Kreis kann er entnehmen, dass der im Juni durch den Kreistag verabschiedete Wiederaufbauplan (zu dem auch eine Maßnahme in Großhamberg gehört) der „Haushaltsplanung für die Jahre 2023ff.“ dienen solle.

„Dann soll wenigstens ein provisorischer Schutz entstehen, bis die endgültige Lösung gefunden ist“, sagt Heine nun, geht vor an die K 2, deutet auf ein Gully: „Das ist der tiefste Punkt.“ Von Berghamberg herunterschießendes Wasser soll mittels Spundwänden über die Straße zum Graben am Ortsausgang gelenkt werden. Gleiches gilt ein paar Meter weiter in Richtung Berghamberg: Sollte der einstige Mühlenbach nochmals überschwappen, wird er durch Spundwände auf die dortige große Wiese zurückgedrängt.

„Bei Hochwasser ist hier sowieso alles gesperrt, mit den Spundwänden behindern wir also niemand“, sagt Heine. Rund 60 Zentimeter Höhe würden schon reichen, zeigt Klaus Becker an. „Das sind leichte zusammengesteckte Aluminiumwände, die sind relativ schnell auf- und abgebaut.“ Man würde sie in Großhamberg auch einlagern, fügt Karl-Heinz Heine an.

Dieses Rohr wurde der Sache 2021 nicht mehr Herr: Der Mühlenbach fließt in Richtung der einstigen Mühle.

Im September werden Bürgermeister Dirk Runge, sein Vertreter Marc Baack und Sebastian Nocon von den Technischen Werken zum Ortstermin erwartet. Dann wollen die Großhamberger ihre Sorge vortragen und für ihre Lösung werben. „Wir sind doch sonst sehr zufrieden hier“, sagt Karl-Heinz Heine, der seit mehr als 30 Jahren in Großhamberg lebt, mit einem Lächeln. „Jetzt wünschen wir uns vom Kreis einfach eine perspektivische Lösung und bis dahin eine kurzfristige mit der Stadt.“

Die langfristige liegt in seinen Augen in einer Offenlegung des Bachs, der neben der K 2 in Rohren fließt. „So war es früher ja auch“, sagt Heine. Bis der Mühlenbach kam und das Mühlrad in Schwung brachte. „Das wäre auch ökologisch besser“, findet Heine. „In so einem Bach herrscht Leben, in Rohren dagegen. . .“ Und dafür müsste eben die K 2 zur Seite rücken, eine Lösung, die der Kreis im Gegensatz zu früher nicht ausschließe.

„Im Grunde genommen müsste für solche Fälle ein Stab eingerichtet werden, in dem Straßen NRW, Bezirksregierung, Feuerwehr, Kommunen, Wupperverband zusammensitzen“, sagt Klaus Becker. „Wir wollen einfach wahrgenommen und einbezogen werden“, sagt Karl-Heinz Heine.

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