Mitgliederversammlung

SPD-Landtagskandidat Sebastian Lemmer skizziert Schwerpunkte

Will in den Landtag einziehen: Sebastian Lemmer, Ratsherr in Leichlingen, stellte sich im Hotel zur Heide den Burscheider Genossen und Genossinnen vor und benannte seine Schwerpunkte.Foto: Doro Siewert
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Will in den Landtag einziehen: Sebastian Lemmer, Ratsherr in Leichlingen, stellte sich im Hotel zur Heide den Burscheider Genossen und Genossinnen vor und benannte seine Schwerpunkte.
  • VonNadja Lehmann
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Sebastian Lemmer war zu Gast auf der Mitgliederversammlung der Burscheider Sozialdemokraten.

Burscheid. Es war ein berührender Moment, als inmitten der Ehrungen verdienter Genossen und Genossinnen der gerade für knapp 60 Jahre SPD-Mitgliedschaft ausgezeichnete Ulrich Schwerdtfeger aufstand und zur allgemeinen Weltlage und dem Ukraine-Krieg sehr persönliche Worte fand. Aufgewachsen im heute polnischen Kolberg, das im Zweiten Weltkrieg Frontgebiet gewesen sei, „kommen die Erinnerungen alle zurück. Ihr glaubt nicht, wie grausam das ist“, beschrieb der ehemalige Fraktionsvorsitzende sichtlich bewegt. „Nachts wusste man nicht, wer auf den Straßen ist: Sind es schon Russen, sind es Deutsche? Und tagsüber war alles wie ausgestorben.“ Bei Worten belässt es Schwerdtfeger nicht: Noch in dieser Woche ist er in einer Leverkusener Schule zu Gast, um eindringlich vor Krieg und Leid zu warnen.

Die Burscheider SPD hatte zu ihrer Mitgliederversammlung ins Hotel zur Heide gebeten: Neben einem Bericht aus der Fraktion standen Vorstandswahlen auf der Tagesordnung, zudem erwartete man einen Gast, nämlich den SPD-Landtagskandidaten Sebastian Lemmer, der zum 15. Mai seinen Hut in den Ring wirft. Der Leichlinger Ratsherr tritt im Wahlkreis 22 (Burscheid, Kürten, Leichlingen, Odenthal, Overath, Wermelskirchen) an, nachdem die aus Burscheid stammende Heike Engels ihre Kandidatur aus gesundheitlichen Gründen zurückgezogen hatte.

Er sei mittendrin, sagt Sebastian Lemmer über sich selbst

Er sei „mittendrin“, so beschrieb Sebastian Lemmer sich in seiner Rede selbst. Mit seinen 40 Jahren, als selbstständiger Gastronom und als dreifacher Vater wisse er, welche Probleme junge Familien haben: „Ich bin noch nicht alt und zu weit weg von der Jugend, gleichzeitig stehe ich im Dialog mit Eltern sowie Großeltern.“

Bereits in Leichlingen hat sich Lemmer den Themen Schule, Betreuung und Bildung verschrieben. In Heide warb er zudem für eine Quartiersentwicklung, verbunden mit einem effektiven Baulandmanagement, das bezahlbare Wohnungen schafft.

„Ich möchte eine gerechte und keine Klientel-Politik“, betonte Lemmer. Mehr Gerechtigkeit fordert er insbesondere in der Bildung, in der es gelte, alle Kinder mitzunehmen und das so früh wie möglich: „Bildung fängt in der Kita an.“ Doch mit dem vorhandenen Personalschlüssel sei pädagogische Arbeit in den Kitas nicht möglich: „Der Beruf des Erziehers muss attraktiver werden“, so Lemmer. Gleiches treffe auf die Grundschulen zu. „Da laufen uns die Lehrer weg, weil die Bezahlung gering ist.“ Sebastian Lemmer warb für die Digitalisierung und berichtete von seinen Erfahrungen als Schulpflegschaftsvorsitzender in der GGS Büscherhof in Leichlingen: „Dort ist man zu 75 Prozent mit i-Pads ausgestattet.“

Von CDU-Seite hat Lemmer mit NRW-Innenminister Herbert Reul gewichtige Konkurrenz. Lemmer kennt und schätzt ihn, gibt sich aber selbstbewusst. „Ich will mich nicht verstecken“, machte er in Heide klar. Er freue sich auf den Straßenwahlkampf. „Die Leute haben die Wahl: Ob sie den bald 70-jährigen Reul möchten oder den 40-Jährigen“, sagt er dazu. Mit Leonas (9), Lina (7) und Laurin (3) hatte er den Nachwuchs gleich mitgebracht – was Fraktionschef Klaus Becker angesichts doch eher älterer Mitglieder hoffnungsvoll stimmte.

Bevor Klaus Becker den Blick auf Burscheid richtete, blickte er in die Welt. „Von dem Selbstverständnis, dass Frieden in Europa herrscht, müssen wir uns verabschieden.“ Er habe bislang geglaubt, dass man Krisen mit Diplomatie lösen könne: „Jetzt rechtfertigt ein Diktator mit Größenwahn sein Handeln mitten in Europa mit Lüge und Verleumdung.“ In diesem Zusammenhang gelte es, sich von SPD-Seite so rasch wie möglich von Putin-Freund Gerhard Schröder zu trennen: „Lasst uns dieses Ekelpaket ausschließen.“ Insgesamt 1 000 Euro sammelte die SPD noch an Ort und Stelle für in Not geratene Ukrainer; eine Patenschaft für eine Familie hat man schon übernommen.

Becker blickte in seiner Rede auch auf die Nominierung des nun frisch gebackener Bürgermeisters Dirk Runge zurück: „Hinter den Kulissen haben wir viel gearbeitet.“ Die Ratsfraktionen hatten Runge im Schulterschluss nominiert, bis die Grünen plötzlich ausscherten. Becker sparte an dieser Stelle nicht mit Attacke: „Es ist schwer, aus einem grünen Esel ein Rennpferd zu machen.“

Er skizzierte aber auch die Zukunft – wie das mit Wermelskirchen vorangetriebene Projekt Alte Ziegelei, bei dem Gewerbe und Wohnungen Platz finden sollen. In dieser Woche laufen dazu entscheidende Gespräche zwischen den beiden Städten. Einer Kostensplittung von 80 Prozent (Wermelskirchen) zu 20 Prozent (Burscheid) erteilte Becker eine entschiedene Absage: „Um gleichberechtigt zu sein, geht nur 50:50.“

Vorstand

Wahlen: 18 stimmberechtigte Mitglieder stellten die Weichen: Claudia Hagen, Vorsitzende des Ortsverbands, stand nicht mehr zur Verfügung. Nachfolger wurde ihr Stellvertreter Ralph Liebig. Den Stellvertreterposten übernimmt Kirsten Kühn. Die Kasse betreut Eva Becker, die Pressearbeit liegt in Händen von Klaus Nierhoff. Die drei Beisitzerposten bekleiden Brigitte Zingarelli, Bodo Jakob und Karl-Heinz Heine.

Ehrungen: Geehrt wurden langjährige Mitglieder wie Monika Karrenbauer und Willi Keppler, die seit 50 Jahren der SPD angehören. Ulrich Schwerdtfeger wurde für knapp 60-jährige Mitgliedschaft ausgezeichnet.

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