Politik

Sozialdemokraten suchen Kontakt zu Bürgern

Klaus Becker (vorne) hatte sich nach dem Hochwasser mit Anwohner Karl-Heinz Heine in Großhamberg umgesehen. Archivfoto:
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Klaus Becker (vorne) hatte sich nach dem Hochwasser mit Anwohner Karl-Heinz Heine in Großhamberg umgesehen.
  • VonNadja Lehmann
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Mehr Bürgernähe, mehr Austausch und Diskussionskultur: SPD will neuen Politstil und sieht sich auf gutem Weg.

Burscheid. Klaus Becker hatte sich ehrgeizige Ziele gesteckt. Kämpferischer wollte die SPD agieren, mehr Opposition machen, vor allem aber eine größere Nähe zu den Bürgerinnen und Bürgern suchen. So wünschte es sich der Fraktionschef. Ein Jahr ist das her. Und die SPD war gerade dabei, ihre Rolle im politischen Gefüge Burscheids zu definieren, nachdem sie in der Kommunalwahl 2020 drittstärkste Kraft geworden war – hinter der CDU und dem Bündnis für Burscheid (BfB) sowie gleichauf mit den Grünen.

Heute zeigt sich Klaus Becker durchaus zufrieden. Bei dem Ziel „mehr Bürgernähe“ sei man auf einem guten Weg: „Wir werden anders wahrgenommen“, sagt er. Einen ersten Akzent setzte er im vergangenen Jahr nach dem Starkregenereignis, als er das schwer getroffene Großhamberg besuchte und gemeinsam mit den Anwohnern erste Ideen entwickelte, wie man künftig solchen Wetterlagen begegnen kann. Gemeinsam mit Anwohner Karl-Heinz Heine durchstreifte Becker beim Ortstermin die Umgebung und stieß auf eine Mulde: Diese könnte doch, fanden beide, zum Auffangbecken für den Bornheimer Bach werden und ihm damit die Fließgeschwindigkeit entziehen.

Daraus wurde dann zwar nichts, weil der Wupperverband im November im Umweltausschuss erklärte, dass ein Staudamm lediglich einen der drei Zuflüsse des Bornheimer Bach ausbremse und somit nicht allzu viel bringe. Aber: Der Grundstein für den Dialog war gelegt. „Wir sind in stetem Kontakt“, beschreibt Klaus Becker. „Großhamberg - das ist Thema der SPD.“

Ähnlich offensiv suchte die SPD das direkte Gespräch auch im Fall Am Kreuzweg. Die Stichstraße ins Wohngebiet soll bekanntermaßen neu gerichtet werden. Die Stadtverwaltung hatte dazu zwei Varianten vorgelegt; bei einer Bürgerversammlung war noch eine dritte ins Spiel gekommen. Diese wollte die CDU aufs Schild heben und damit dem Votum der Bürgerversammlung entsprechen. Vor allem SPD und Grüne aber boten Paroli, erweiterten die asphaltlastige Variante um sieben Baumscheiben und somit um mehr Grün, und setzten sich damit, unterstützt von der FDP, durch.

„Wann hat es das zuletzt gegeben, dass die CDU ihre Sache nicht durchkriegt?“

Klaus Becker

Für Klaus Becker war es der Fingerzeig, auf dem richtigen Weg zu sein, in gleich mehrfacher Hinsicht. „Wir hatten früh mit den Bürgern gesprochen“, sagt er. Deshalb habe er sich in seinem Votum durchaus vom Bürgerwillen unterstützt gewusst. Und zum anderen drückte eine ganz neue Allianz der Entscheidung ihren Stempel auf: „Wann hat es das zuletzt gegeben, dass die CDU ihre Sache nicht durchkriegt?“ fragt Becker.

Auch diese lang praktizierte Einförmigkeit hatte der SPD-Politiker im letzten Jahr kritisch gesehen. Ein bestimmter Stil hatte Einzug gehalten, der sich vor allem in den „Interfraktionellen Treffen“ manifestierte, zu denen der damalige Bürgermeister Stefan Caplan regelmäßig einlud und in denen manche politische Entscheidung vorab angebahnt wurde. Der öffentliche Diskurs, die Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen, blieben auf der Strecke.

Becker hat nie ein Hehl daraus gemacht, dass er den von der CDU aufgestellten Caplan als intellektuellen Sparringspartner überaus schätzte; sein unerwarteter Tod im vergangenen Oktober ging ihm, das war unübersehbar, nahe. Doch nun könnte es Zeit für einen neuen Stil werden. Auch durch den Bürgermeisterkandidaten Dirk Runge. „Der ist ein ganz anderer Charakter. Ein Teamplayer“, beschreibt Becker. Man kenne ihn schließlich auch schon seit 30 Jahren.

„Wir wollen keine Streitkultur und sind auch nicht gegen alles“, stellt Becker klar. Aber wir müssen doch diskutieren können. Uns austauschen.“ Dass sich die Fraktionen dabei beharken und in Gezänk verzetteln könnten, befürchtet Becker nicht. „Zum einen haben wir in der Vergangenheit ja miteinander schon ein paar ganz weise Entscheidungen getroffen. Zum anderen sind wir durch das Integrierte Entwicklungs- und Handlungskonzept ja auf die Stadt fokussiert. Und auf ihr Wohl. Da haben alle etwas davon.“

Politik sei ein Marathon, das hat Klaus Becker immer deutlich gemacht. Seit 1987 ist der begeisterte Radsportler in der SPD, seit 2014 ist er Fraktionsvorsitzender. Den Nachwuchs versucht er, auf diesem Weg einzubinden, hat das „Team 2025“ gegründet, das für seinen Weg in die Politik geschult wird. „Fertig ist die Jugend dann, wenn sie mir widerspricht“, findet Becker, dem dieser Diskurs wichtig ist. Im Zusammenhang mit der Neuaufstellung eines SPD-Kandidaten für die Landtagswahl (nachdem Heike Engels aus gesundheitlichen Gründen zurückgezogen hatte) kam er durch den jetzigen Kandidaten Sebastian Lemmer mit ein paar Jugendlichen ins Gepräch. Die hatten sich auf den Wahlkampf mit den Worten „Zukunft wäre geil“ eingeschworen. „Das hat mich fasziniert“, bekennt Becker – und hat ihn bestärkt im Wunsch, die Jugend mit im Boot zu haben. Eine Stoßrichtung, mit der er sich auch auf Kreisebene nicht allein wisse. „Wir können nicht alles allein; wir schaffen auch nicht alles, aber wir nehmen euch mit“: So beschreibt er sein Angebot an den Nachwuchs. „Die Jugend kann uns bereichern. Wenn man die Ohren offen hält.“

Und gleiches gilt für die Bürgerinnen und Bürger. „Die kommen nicht. Man muss hingehen“, sagt Becker. Diesen Weg will er fortsetzen. Die SPD hat sich in Arbeitskreise aufgeteilt, zu denen Interessierte eingeladen werden – wie beispielsweise der Bund für Umwelt und Naturschutz. „Wir diskutieren auf breiter Ebene.“

Zu tun gibt es jedenfalls noch genug. Wie bei den Autobahnausfahrten. „Das greifen wir wieder auf“, verspricht Becker, der sich ärgert, dass das Thema in den Behörden „von einer Schublade in die andere“ wandert. Der Handlungsbedarf sei da: „Ich kenne keine andere Stadt, wo beide Ausfahrten im Zentrum enden.“

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