Evangelische Kirche

Sommerzeit: Kirchturmuhr kriegt einen Schubs

Auf 10.20 Uhr war die Turmuhr der Evangelischen Kirche stehen geblieben. Zur Sommerzeit gab es jetzt den passenden manuellen Schubs. Foto: Doro Siewert
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Auf 10.20 Uhr war die Turmuhr der Evangelischen Kirche stehen geblieben. Zur Sommerzeit gab es jetzt den passenden manuellen Schubs.

Evangelische Gemeinde entscheidet sich für elektronisches Uhrwerk – das alte bleibt aber erhalten.

Von Nadja Lehmann

Burscheid. Sommerzeit: In der Nacht zu Sonntag sind die Uhren wieder um eine Stunde nach vorn gesprungen. Da wollte auch die Turmuhr der evangelischen Kirche an der Hauptstraße nicht hintenan stehen und setzte sich in Bewegung. Und das, obwohl sie doch seit geraumer Zeit stillsteht und beharrlich 10.20 Uhr anzeigte.

Doch in der Nacht zu Sonntag war damit Schluss. Ab sofort stehen die Zeiger auf 11.20 Uhr. „Wir haben sie manuell vorgerückt“, verrät Gerhard Schauen. Eine Aktion mit einem gewissen Augenzwinkern, wie der frühere Pfarrer sagt. „Am Sonntagmorgen mag sich manch einer beim Blick auf die Uhr am Kirchturm die Augen gerieben haben“, sagt er über seine ehemalige Wirkungsstätte, an der er von 1980 bis 2004 Pfarrer war. Verbunden bleibt er seiner Gemeinde ohnedies: Er erstellt den Gemeindebrief – und freut sich über das gute Miteinander mit Nachfolgerin Katrin Friedel.

Der Sprung in die Sommerzeit nimmt im Kleinen vorweg, was der Turmuhr im Großen bevorsteht: Die Zeiger sollen sich wieder in Bewegung setzen – dank eines neuen modernen Uhrwerks. Presbyterium und Bauausschuss standen, nachdem die Zeiger jüngst zum Stillstand gekommen waren, vor der Frage: Welches Uhrwerk darf es sein? Das alte mechanische oder ein neues elektronisches? (wir berichteten).

Nun ist die Entscheidung gefallen. Für das elektronische Uhrwerk. Pfarrerin Katrin Friedel verhehlt nicht, dass die Entscheidung niemandem leicht fiel: „Wir haben es schweren Herzens getan – und auch nicht einstimmig.“ Das Presbyterium sei jedoch der Empfehlung des Bauausschusses gefolgt, habe Aspekte wie Zuverlässigkeit und Zukunft berücksichtigt, sagt Friedel: „Auch wenn wir große Bewahrungsgefühle hegen, so ist das mechanische Uhrwerk auf Dauer doch anfälliger.“

Ohnehin hätte es regelmäßig gewartet werden müssen; die letzte Generalüberholung liegt bereits wieder ein paar Jahre zurück. Auch wenn sich beide Varianten zunächst von den jetzt prognostizierten Kosten gar nicht stark unterschieden hätten, hätte man beim alten Uhrwerk doch in den Folgejahren mehr Geld investieren müssen, sagt Katrin Friedel. „Die Uhr geht ja immer wieder falsch.“

Das alte mechanische Uhrwerk wird nicht verschrottet. Es bleibt an Ort und Stelle.

Bodo Jakob, Baukirchmeister

Früher hätte das kaum jemanden tangiert, ergänzt Baukirchmeister Bodo Jakob. „Aber heute gucken die Leute zum Turm hoch und wollen die genaue Uhrzeit wissen.“ Deshalb habe man die Uhr bereits diverse Male wieder stellen müssen. Eine größere Genauigkeit auf Dauer erziele man, wenn die Uhr durch einen Motor angetrieben werde, erklärt der Baukirchmeister.

Auch Bodo Jakob gibt gerne zu, dass sein Herz am alten mechanischen Uhrwerk hängt. „Die gute Nachricht ist aber: Es wird nicht verschrottet, es bleibt an Ort und Stelle.“ Beim Tag des offenen Denkmals beispielsweise könne die Gemeinde es nach wie vor voller Stolz zeigen. Das Uhrwerk mit all seinen metallenen Zähnen steht schließlich auch unter Denkmalschutz.

Einmal pro Woche musste es aufgezogen werden. „Ein Kraftakt für die Küsterin“, sagt Bodo Jakob. Und wenn diese urlaubsbedingt ausfiel, musste Ersatz gefunden werden. Auch das spielte bei der Entscheidungsfindung eine Rolle.

„Wir haben Angebote zu beiden Varianten eingeholt“, erzählt Jakob. Der entscheidende Faktor sei dann der Blick in die Zukunft gewesen – die Balance von Aufwand, Manpower und Kosten. Eine Spezialfirma aus dem Rheinland soll nun für die Gemeinde die Motorisierung der Zeiger in Angriff nehmen.

Ob es eine Beleuchtung geben wird, ist noch in der Diskussion

Ob die Zeiger nun dazu sogar noch eine neue Beleuchtung erhalten, steht indes noch in den Sternen. „Da sind wir mitten in den Überlegungen“, sagt Bodo Jakob. Das benachbarte Witzhelden mache es bereits vor und hatte die Burscheider angeregt: „Aber es gibt ja auch noch andere Modelle, an denen man sich orientieren könnte.“ Spruchreif aber sei noch nichts, die Entscheidung werde auch ganz unabhängig zum Uhrwerk getroffen, erklärt der Baukirchmeister.

Hintergrund

Turmuhren waren die ersten mechanischen Uhren überhaupt und fanden gegen Ende des Mittelalters weite Verbreitung. Uhren waren zu dieser Zeit sehr teuer, so dass eine Turmuhr für alle Bewohner eines Ortes einen Nutzen brachte. Als zentrale und maßgebliche Zeitanzeiger waren diese Uhrwerke auf den hohen Türmen von Kirchen, Rathäusern und Schlössern installiert. Mit der mechanischen Uhr am Turm wurde zum ersten Mal die Zeit verbindlich angezeigt. Ersatzweise schlugen Turmwächter zu jeder beginnenden Stunde die zugehörige Kirchenglocke an. Mit der Erfindung der Schlaguhr war es erstmals möglich, immer gleichlange äquinoktiale Stunden darzustellen, ohne astronomische Berechnungen durchführen zu müssen.

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