Nachhaltigkeit

So kommt Solarenergie auf die Dächer

Ingeborg Friege berichtete über die Erfahrungen der Bürgerenergie Solingen eG. Auf dem Bild weihte sie ein Sonnenkraftwerk auf den Dächern der Technischen Betriebe Solingen ein. Archivfoto: Christian Beier
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Ingeborg Friege berichtete über die Erfahrungen der Bürgerenergie Solingen eG. Auf dem Bild weihte sie ein Sonnenkraftwerk auf den Dächern der Technischen Betriebe Solingen ein.

Vertreterin der Bürgerenergie Solingen eG schilderte im Umweltausschuss den Weg zu klimafreundlicher Stromgewinnung.

Von Markus Schumacher

„Wie zerstörerisch der Klimawandel auch bei uns ist, das haben doch die letzten Sommer gezeigt“, erklärte Ingeborg Friege in der Sitzung des Umweltausschusses. Die ehemalige Schulleiterin einer Gesamtschule berichtete dort von den Anfängen und Erfahrungen der Bürgerenergie Solingen eG (BESG) als deren Vertretungsberechtigte. In der Nachbarschaft gibt es nun seit 2013 die Stromeinspeisung aus privaten Photovoltaikanlagen und sogenannten „Bürgerstrom“. Da juckte es manchem Burscheider Umweltpolitiker gleich selbst in den Fingern . . .

In Solingen wurden damals die Stadtwerke kommunalisiert, man wollte keinen Großinvestor oder Konzern an der Stromquelle mehr. „Seitdem sind die Stadtwerke unser Partner“, sagte Friege. Ein aufrechtes Grüppchen von Klimaschützern, die sich für Solarenergie interessierten, gab es da schon vorher, den Startschuss zur Gründung der Genossenschaft gab aber erst die Kommunalisierung.

„Am längsten haben wir für die Präambel gebraucht.“

Ingeborg Friege, BESG

„Zuerst müssen sie eine Satzung ausarbeiten“, erklärte Friege, dafür gebe es aber Mustersatzungen und Hilfe von Verband. „Am längsten haben wir für die Präambel gebraucht, denn die können Sie frei formulieren“, berichtet Friege. Man habe sich bewusst für die Form einer Genossenschaft entscheiden, das sei die demokratischste Form für ein Unternehmen. Nun hat jedes der rund 320 Mitglieder eine Stimme – unabhängig von seinen Anteilen, von denen einer 500 Euro kostet. Und ohne die Mehrheit der Mitglieder könne der Vorstand nichts machen. Auch was mit den Erträgen passiere, entscheiden die Mitglieder. „Meistens wollen sie die in neue Anlagen investieren“, berichtete Friege.

„Als nächstes brauchen Sie einen Wirtschaftsplan“, führte Friege aus, beides reiche man dann ein – und könne auch schon die Gründungsversammlung einberufen. Die wähle dann einen Aufsichtsrat, der wiederum zwei Vorstandsmitglieder.

„Und dann können Sie starten, am besten mit einem Projekt“, sagte Friege, „wir haben damals als Erstes eine Anlage auf dem Dach der Stadtwerke errichten lassen.“ Alle arbeiten ehrenamtlich in der Genossenschaft.

In Burscheid hatte es schon Ansätze zur Gründung einer ähnlichen Genossenschaft gegeben, doch Corona habe die Pläne durchkreuzt, erinnerte Sabine Wurmbach (Bündnis 90/Die Grünen): „Bei uns wäre wohl die Gesamtschule als erstes Projekt geeignet.“ Ihr schwebe da schon ein Energie-Pacht-Modell vor. Ingeborg Friege bekräftigte diese Idee, sagte aber auch, dass man mit einem Partner wie der Belkaw, „also einem Großen“, der in Burscheid Energieversorger ist, noch keine Erfahrungen gemacht habe.

Sabine Wurmbach fragte auch nach Freiflächenanlagen, denn es gebe in Burscheid einen Landwirt, der das beabsichtige. „Das ist kompliziert“, antwortete Friege, „da brauchen sie schon eine sehr, sehr große Fläche.“ Auch planungsrechtlich gebe es dabei derzeit noch große Schwierigkeiten, ergänzte auch Kreisumweltdezernentin Elke Reichert. Sie stellte später das Konzept des Kreises zur Förderung der Solarenergie vor. Darin enthalten: Bürgerstrom.

Bürgerenergie Solingen eG

Die von der BESG errichteten Photovoltaikanlagen sind durch Genossenschaftsanteile oder Mitgliederdarlehen finanziert. Das mache unabhängig und flexibel und man leiste einen lokalen Beitrag zum Ausbau von erneuerbaren Energien. Durch sinkende Einspeisevergütung änderte sich der Fokus auf Anlagen in Form von Pachtmodellen mit einem möglichst hohen Eigenverbrauch. Der BESG-Bürgerstrom ist ein Gemeinschaftsprodukt mit den Stadtwerken Solingen für Privat- und Gewerbekunden. Darin enthalten ist der „Solarpfennig“.

Weiter Informationen: www.buergerenergie-solingen.de

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