Sie sind die Kilometer-Champions

Kilometer-Champion Klaus Becker (in Rot) freut sich mit Sabine Krämer-Kox über Auszeichnung und Urkunde, die ihnen Bürgermeister Stefan Caplan (links) gestern auf der Trasse überreichte. Foto: Nadja Lehmann
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Kilometer-Champion Klaus Becker (in Rot) freut sich mit Sabine Krämer-Kox über Auszeichnung und Urkunde, die ihnen Bürgermeister Stefan Caplan (links) gestern auf der Trasse überreichte. Foto: Nadja Lehmann

Stadtradeln: Bürgermeister Stefan Caplan zeichnete Klaus Becker und Sabine Krämer-Kox auf der Trasse aus

Von Nadja Lehmann

Aufmerksam sieht Klaus Becker in den Himmel empor. Regen ohne Ende. Die Radfahrer, die die Trasse entlangfahren, sind wetterfest eingepackt. Es sind nur wenige. Einen wie Klaus Becker hält die Nässe nicht auf. Denn er ist nicht nur der Fraktionsvorsitzende der Burscheider SPD, er ist vor allem ein leidenschaftlicher Rennradfahrer. Einer, der Kilometer sammelt. Wie zuletzt beim Stadtradeln.

Und genau deshalb steht Klaus Becker am gestrigen Donnerstag auf der regennassen Trasse. Am Stand von Polizei und Verkehrswacht, die sich bei ihrer Aktion „Gemeinsam auf der Trasse, aber sicher“ zum zweiten Mal in diesem Monat in Burscheid auf Höhe der Montanusstraße postiert haben, um für ein rücksichtsvolleres Miteinander von Fußgängern, Inlinern, Mountainbikern, Radfahrern zu werben. Mit am Stand ist Bürgermeister Stefan Caplan. Denn er zeichnet Klaus Becker aus. Niemand hat mehr Kilometer beim Stadtradeln zusammengefahren als der 64-Jährige: stolze 1 627 Kilometer. Dafür gibt es einen Gutschein vom Fahrradhaus Campana im Wert von 75 Euro. „Ich weiß auch schon, wofür ich die ausgebe“, verrät Becker. „Für Mäntel und Schläuche!“

Dabei ist seine Kilometerzahl für einen wie Becker eigentlich gar nichts – auch wenn er sich sichtlich über den 1. Platz freut und davon im Vorfeld nichts ahnte. „Corona“, sagt er nur. „Alle Rennen sind ausgefallen.“ Becker ist Sprinter, geht am liebsten auf die 100- bis 120-Kilometer-Distanz. Unverzichtbarer Partner dabei ist sein „Ridley Noah“: Das belgische Kraftpaket hat schon Tour-de-France-Teilnehmer (und Etappensieger) André Greipel zu manchem Sieg gefahren. Auch Becker mustert sein Gefährt liebevoll. Um die 10 000 Euro ist es wert, aber das ist nicht der Grund, weshalb er es hegt und pflegt: „Das wird so nicht mehr produziert.“

„Ein Leben ohne Fahrrad ist sinnlos.“

Klaus Becker

Nach schwerer Krankheit fand Klaus Becker zum Sport. Sein Arzt habe ihn vor die Wahl gestellt: Marathon oder Radfahren“, erzählt er. Becker entschied sich fürs Laufen. „Aber dann haben irgendwann die Knie nicht mehr mitgemacht. Der Meniskus“, sagt er. Er stieg aufs Rad um. Und seitdem innerlich nicht mehr ab. „Das ist wie eine Sucht“, gibt er zu. Schlechtes Wetter hält ihn nicht auf, den inneren Schweinehund kennt er nicht: „Ein Leben ohne Fahrrad ist sinnlos“, sagt er in freier Anlehnung an Loriots Mops-Zitat.

Sabine Krämer-Kox hört ihm lächelnd zu. „Ich komme aus einem ganz anderen Lager“, verrät sie, nennt sich selbst „Hobby- und Freizeitfahrerin“. Sehr entspannt ist die Burscheiderin ans Radfahren herangegangen, nachdem sie das erste Mal eine schöne große Radkarte des Bergischen entfaltet hatte. „Ich bin einfach losgefahren. Und dann wurden die Touren immer größer.“ Inzwischen fährt sie im Alltag bis ins Oberbergische und den Märkischen Kreis, im Urlaub Strecken wie von München bis Venedig, von Mittenwald bis an den Gardasee.

Die Strecke Kiel-Schwedt kam im vergangenen Jahr dem Stadtradeln zugute: Da war Krämer-Kox auf Platz 1, mit 1 350 Kilometern. Dieses Mal ist es Platz 2 geworden, mit 1 301 Kilometern. Von Campana gibt es dafür 50 Euro. Krämer-Kox ist inzwischen die Sprecherin der neu gegründeten Gruppe Burscheid-Wermelskirchen des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs und damit Nachfolgerin des Wermelskircheners Klaus Schopphoff. Wie Klaus Becker kennt sie kein schlechtes Wetter: Bei Regen, bei Schnee und Eis geht es täglich ins Büro zu Obi. Entweder mit ihrem Pedelec, mit dem sie für den ADFC auch geführte Touren anbietet, oder mit ihrem Trekkingrad.

„Das Stadtradeln ist eigentlich dazu gedacht, dass Leute mal hineinschnuppern. Dass sie für den Weg zum Bäcker das Fahrrad nehmen und das Auto stehen lassen. Dass sie dann ein bisschen weiter wegfahren und die Kreise immer größer werden.“ Denn: „Unsere Flächen sind viel zu wertvoll, um sie zum Parkraum verkommen zu lassen.“

240 Kilogramm Kohlenstoffdioxid hat Klaus Becker beim Stadtradeln eingespart, Sabine Krämer-Kox 191 Kilogramm.

Auf Platz 3 folgt Florian Giese (der gestern nicht dabei sein konnte) mit 1 300 Kilometern. Er darf bei Campana für 25 Euro einkaufen. Einen Sonderpreis gibt es für Stadtradeln-Star Ulrike Müller: Die Lehrerin der Johannes-Löh-Gesamtschule hat vom 7. bis 27. Juni, also im kompletten Zeitraum des Stadtradelns, ganz und gar aufs Auto verzichtet.

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