31 Jahre im Rat

Silke Riemscheid bleibt wissensdurstig

Abschied von der Ratspolitik: Silke Riemscheid wendet sich nach 31 Jahren neuen Aufgaben zu. Die Entscheidung sei ihr nicht leicht gefallen, bekennt sie. Foto: Nadja Lehmann
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Abschied von der Ratspolitik: Silke Riemscheid wendet sich nach 31 Jahren neuen Aufgaben zu. Die Entscheidung sei ihr nicht leicht gefallen, bekennt sie.
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Nach 31 Jahren im Stadtrat hat die gebürtige Schleswig-Holsteinerin jetzt nicht mehr kandidiert.

Von Nadja Lehmann

Neugierig sei sie, wissensdurstig, sagt Silke Riemscheid über sich selbst. „Man kann so viel von anderen Menschen, von anderen Kulturen lernen.“ Die CDU-Politikerin ist immer gern unterwegs gewesen, geistig und körperlich: Im Austausch mit anderen, in der Begegnung, in der Debatte, aber auch auf Reisen mit Ehemann Axel, einem Flugkapitän. „Ich könnte mir vorstellen, noch Psychologie zu studieren“, sagt die 77-Jährige. Es sei der „Mensch an sich“, der sie so fasziniere und interessiere. Ihren Wissensdurst und ihre Hartnäckigkeit hat sie 31 Jahre lang in den Burscheider Stadtrat eingebracht. Doch nun, angesichts der neuen Wahlperiode, hatte sie sich entschieden, nicht mehr anzutreten. „Es ist mir sehr schwer gefallen“, macht sie kein Hehl aus ihren Gefühlen. „Loslassen ist nicht leicht, es kostet Kraft und braucht Charakter.“ Aber sie sei der Überzeugung, dass nun Jüngere ran sollten.

Silke Riemscheid ist vieles in ihrem politischen Leben gewesen: zuletzt stellvertretende Bürgermeisterin, immer wieder Vorsitzende des Kulturausschusses (bis 2009 auch im kombinierten Ausschuss Kultur/Sport); sie war Vorsitzende der VHS-Verbandsversammlung, sie war im Vorstand der Kreispartei und im Städte- und Gemeindebund. Fast in jedem Ausschuss hat sie zumindest vertretungsweise gesessen.

„Es sind immer noch zu wenig Frauen in der Politik.“

Silke Riemscheid

Eigentlich hat sich Silke Riemscheid aber weniger als Politikerin denn als Ehrenamtlerin begriffen. „Ich bin seit über 50 Jahren aktiv“, sagt sie. Angefangen vom Kindergarten, in den Sohn und Tochter gingen, bis zu Schule und Sportverein. Einem solchen verdankt sie ihr Schlüsselerlebnis: „Wir hatten damals unser Haus in Lohmar gebaut, und ich war Geschäftsführerin im dortigen Sportverein. Wir wollten gern eine Rundumlaufbahn haben, die aber nicht ganz der Norm entsprach. Wir haben einen Antrag gestellt, und ich bin in den zuständigen Ausschuss als wohl allererste Einwohnerin gegangen.“ Verschmitzt erinnert sie sich, wie die Politiker „rumeierten“, ihr dann doch das Wort erteilten – und zustimmten. „Da habe ich gemerkt, dass man sogar als Einzelperson viel erreichen kann, wenn man für seine Sache eintritt.“

Die Politik und der Sport in der BTG halfen ihr auch beim Heimischwerden in Burscheid, wo sie seit 1983 lebt. Dank ihres Mannes, der aus einer alten Burscheider Familie stammt und den sie beim Tanzen im holsteinischen Uetersen kennenlernte. Silke Riemscheid ist ein Nordlicht, aufgewachsen im kleinen Appen im Hamburger Speckgürtel. Der Vater, der erst 1948 aus dem Krieg heimkehrte, war Hufbeschlagsschmied; der geliebte Großvater, mit dem die kleine Silke Werner Höfers Frühschoppen anschauen musste und der sie politisch prägte, hatte ein Elektrogeschäft. „Ich wollte Elektrikerin werden und das Geschäft übernehmen“, erzählt Riemscheid. Doch damals habe es geheißen, das sei doch nichts für Mädchen. Auch deshalb ist es Silke Riemscheid so wichtig, Frauen in die Politik zu holen („Immer noch zu wenige“) und ist sie ein bisschen stolz, dass sie als erste weibliche Vorsitzende des Burscheider CDU-Ortsverbands Vorreiterin war. Ihren Hilgener Wahlbezirk hat sie immer direkt gewonnen: Auch das erfüllt sie mit Stolz.

Glück und Kraftquell ist der 77-Jährigen neben der geliebten norddeutschen Luft, der Weite und der See die Musik. An ihren ererbten Abo in der Kölner Oper („3. Reihe, Mitte!“) hält sie fest, genießt ungewöhnliche Inszenierungen, ist neugierig und wissensdurstig auch da.

Sie verschweigt aber auch nicht die schmerzhaften Einschnitte ihres Lebens: der frühe Tod der Tochter mit 29, ihre eigene schwere Krebserkrankung, als sie 60 war. „Man sieht danach vieles mit anderen Augen.“

Hintergrund

Ratsarbeit: Der neu gewählte Stadtrat möge das Wohl der Bürger nicht vergessen, solle sich selbst nicht so wichtig nehmen, stattdessen Augen und Ohren offen für andere haben: Das sind die Wünsche, die Silke Riemscheid den Kommunalpolitikern mit auf den Weg gibt.

Ehrenamt: Ihr Angebot „Treffpunkt Ehrenamt“ setzt Silke Riemscheid fort. Dort hilft sie Interessierten, die für sie passende ehrenamtliche Aufgabe zu finden.

Pläne: „Eher ein Traum“, sagt Silke Riemscheid. Sie würde gern die großen Opernhäuser der Welt besuchen, angefangen bei der Metropolitan Opera New York bis zur Mailänder Scala. „Mal sehen, ob ich es noch erlebe, dass die Kölner Oper fertig ist“, sagt sie lachend über die Sanierung, die sich immer weiter verzögert.

Schiedsfrau: „Zu vermitteln und zu befrieden, das hat mich befriedigt“, sagt Riemscheid über diese Zeit. „Man kann sich bekriegen, aber man kommt weiter, wenn man miteinander spricht und sich zuhört.“

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