Silke Hamburger bringt ihre Musik mit Beharrlichkeit zum Klingen

Nur zweimal hat Silke Hamburger musikalischen Stillstand in der Pandemie erlebt: Die Kirchenmusikdirektorin kämpft um Auftrittsmöglichkeiten und Proben. Archivfoto: Doro Siewert
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Nur zweimal hat Silke Hamburger musikalischen Stillstand in der Pandemie erlebt: Die Kirchenmusikdirektorin kämpft um Auftrittsmöglichkeiten und Proben. Archivfoto: Doro Siewert

Im Mai soll es Mozart und Cesar Franck bei den „Klangwegen“ geben – Kirchenmusikdirektorin hat das „Café Nostalgie“ lieber abgesagt

Von Nadja Lehmann

Silke Hamburger hat sich entschieden, lieber noch Vorsicht walten zu lassen: Die Kirchenmusikdirektorin hat das für den 27. Februar geplante „Café Nostalgie“ im Gemeindezentrum Hilgen-Dünweg abgesagt. „Da gibt es Kaffee und Kuchen, man sitzt dicht beieinander, und die Musiker gehen durch die Reihen. Das macht den Charme dieser Veranstaltung aus“, beschreibt sie, stuft aber genau das als noch zu risikobehaftet ein. „Gerade für die Älteren. Und selbst, wenn alles erlaubt wäre, ist doch die Frage, wer kommt.“ Vor gelichteten Reihen möchte Hamburger nicht auftreten, hätte das Café Nostalgie doch dem guten Zweck dienen sollen – als Benefizkonzert für das vom Hochwasser zerstörte Bad Neuenahr.

„Die dortige Kollegin steht vor dem kirchenmusikalischen Nichts“: So beschreibt Hamburger die desaströse Situation in der Eifel. Keine Frage also, dass sie helfen wollte, zumal die Eifeler Kollegin Andrea Stenzel eine Kommilitonin aus Berliner Studientagen an der Kirchenmusikschule in Spandau ist. Die Burscheider haben übrigens auch Gelegenheit, Stenzel kennenzulernen: Bei den für April geplanten „Klangwegen 175“, eine Vesper zur Passion in der Evangelischen Kirche am Markt, übernimmt Stenzel den Gesangspart. Und auch wenn das Café Nostalgie erst einmal nicht stattfindet und somit keine Spenden gesammelt werden können, so hat Silke Hamburger das Helfen-Wollen keineswegs zu den Akten gelegt. „Die Schäden sind so tiefgreifend. Da wird auch im nächsten Jahr noch Geld gebraucht“, sagt sie.

Genauso unbeirrt hat Hamburger während der Pandemie an ihrer Musik festgehalten. An ihren Chören. Nur im ersten Lockdown und im Winter 2020/21 gab es eine Pause. Im vergangenen Jahr setzte sie mit einer Aufführung von Camille Saint-Saëns‘ „Oratorio de Noël“ ein Glanzlicht. „Das hat einen Nerv getroffen“, sagt sie rückblickend. Am 2. Weihnachtsfeiertag bat sie zur Orgelmusik und am 3. April nun hoffentlich zur Musikalischen Vesper.

Vom geliebten Joseph Haydn hat sie indes (vorerst) Abschied genommen, auch wenn er mit seiner „Schöpfung“ noch immer im Kulturkalender für den 22. Mai angekündigt ist. „Er verschwindet zum zweiten Mal in der Schublade. Langsam bin ich es müde“, bekennt die Musikerin. 2020 war das Konzert zum Greifen nah, hatten Kantorei und Chorgemeinschaft in den Proben schon den Feinschliff vorgenommen – dann kam Covid-19.

Viele Absagen: Für die Chorproben gilt das Motto „Kein Stress“

Für den Mai nun gibt Silke Hamburger kleinformatigerer Musik statt des Haydnschen Monumentalwerks den Vorzug. „Schließlich weiß keiner, was kommt“, findet sie. Auch sie selbst könne rein theoretisch erkranken und ausfallen. Immer dienstags, zur Chorprobe, regne es derzeit Absagen: „Niemand ist unmittelbar betroffen, aber es gibt viele Fälle im näheren Familienumkreis. Einige sind vorsichtig, bleiben lieber zu Hause, andere sind in Quarantäne.“ Deshalb hat sich Silke Hamburger das Motto „Kein Stress“ verordnet – und setzt am 22. Mai auf eine kleine Messe von Mozart in D-Dur, Köchelverzeichnis 194, sowie auf César Franck, von dem sie ein paar kleinere Kirchenwerke aufführen will. „Er hat dieses Jahr Jubiläum, wurde 1822 geboren“, verrät sie. Perfekt zu ihren Plänen passt die Evangelische Kirche beziehungsweise ihre Empore. „Die ist ein Glücksfall. Dort können wir uns gegebenenfalls separieren.“

Hamburgers Hartnäckigkeit hat sich ausgezahlt. Alle rund 60 Sängerinnen und Sänger aus Kantorei und Chorgemeinschaft sind noch dabei. Es gibt sogar Zuwachs. „Wir sind auf räumlichen Abstand gegangen. Jetzt müssen wir uns wieder annähern. Das geht nicht auf Knopfdruck, dafür war die Zeit zu lang“, sagt Hamburger. Kantorei und Chorgemeinschaft, die sich mit der Pandemie zu gemeinsamen Proben zusammengefunden haben, werden auch jetzt beieinander bleiben. „Wir sind gemeinsam hineingeschliddert, haben diese ganze Zeit durchgestanden. Jetzt schliddern wir auch gemeinsam wieder heraus.“

Auch für ihren Kinderchor, das Matthäuschörchen, wünscht sie sich Normalität. „Die sind so still geworden“, sagt sie. „Früher sprangen sie über Tische und Bänke. Jetzt sitzen sie auf ihren Stühlen und müssen daran erinnert werden, dass sie die Maske abnehmen können. Für mich ist das hilfreich, früher musste ich schon mal energisch werden. Aber es ist auch furchtbar.“

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