Interview

Sie will mit dem Ehrenamt mitreißen

Fühlt sich der Musik verbunden und hat selbst Blockflöte, später Gitarre und Keyboard gespielt: Stefanie Kernke. Foto: Doro Siewert
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Fühlt sich der Musik verbunden und hat selbst Blockflöte, später Gitarre und Keyboard gespielt: Stefanie Kernke.

Interview mit Stefanie Kernke, Vorsitzende des Musikschulvereins.

Das Gespräch führte Stephan Eppinger

Wie sind Sie selbst zur Musikschule und zu Ihrem neuen Amt gekommen?

Stefanie Kernke: Es gab ein Rundschreiben meines Vorgängers Michael Baggeler an alle Mitglieder, in dem stand, dass dieser sich mehr in der Politik engagieren möchte und daher seine Arbeit als Vorstand aufgeben wird. Ich konnte das nachvollziehen und habe angeboten, das Erbe als 1. Vorsitzende anzutreten. Zur Musikschule bin ich über meine Tochter nach meiner Rückkehr 2018 nach Burscheid gekommen. Sie hat dort Querflöte gelernt und ist seit 2021 im Orchester.

Was hat Sie gereizt, die Aufgabe zu übernehmen?

Kernke: Ich bin ein Mensch, der davon überzeugt ist, dass man nur mit dem Ehrenamt andere Menschen überzeugen, unterstützen und mitreißen kann. Daher habe ich sehr gerne diese Aufgabe übernommen.

Spielen Sie selbst ein Musikinstrument?

Kernke: Ich habe als Kind zunächst Blockflöte gelernt und später dann Gitarre und Keyboard gespielt. Durch den Beruf ist das dann allerdings in den Hintergrund getreten. Ich bin gelernte Bürokauffrau und war zwölf Jahre als Soldatin bei der Bundeswehr. 2018 habe ich dann bei der Stadtverwaltung in Remscheid ein duales Studium aufgenommen und bin seit 2021 dort im Bereich der Hilfe für Flüchtlinge tätig.

Was sind für die Musikschule im Moment die größten Herausforderungen?

Kernke: Die Situation in der Pandemie bringt uns einen regelmäßigen Wechsel bei den Rahmenbedingungen. Während der Lockdowns konnten wir nur noch online über Sykpe oder über Zoom unterrichten. Die Musikschulen waren genauso wie die anderen Schulen in dieser Zeit geschlossen. Das hat gut funktioniert, da sich sowohl unsere Dozenten als auch unsere Schüler sehr souverän gezeigt haben. Aber natürlich funktioniert das Unterrichten und Lernen viel besser, wenn man sich gegenüber sitzt und sich auch gut hören kann. Da hat der Onlineunterricht kleine Defizite. Aktuell können wir unter den 2Gplus Regeln wieder vor Ort hier in der Musikschule unterrichten. Ausgenommen sind davon nur Kinder und Jugendliche bis 16, die in ihren Schulen regelmäßig getestet werden. Da gab es teilweise Widerstände gegen diese Regelung, mit denen wir zu kämpfen hatten. Und man weiß nie, wie lange diese Situation andauert und ob wir den Präsenzunterricht wieder einstellen müssen. Da fühlt man sich bei den Planungen, wie wenn man in eine Glaskugel schaut. Zum Glück haben wir hier bei den Dozenten und im Büro ein starkes Team, auf das immer Verlass ist.

„Musik begleitet uns durch das gesamte Leben.“

Stefanie Kernke, Vorsitzende des Musikschulvereins

Hat sich die Nachfrage in der Pandemie verändert?

Kernke: Es gibt immer wieder Phasen, in der wir Schüler verlieren. Das war auch jetzt in der Pandemie so. Oft reicht es aber, wenn man dem Schüler ein anderes Instrument anbietet, um sein Interesse wieder zu wecken. Da haben wir sehr engagierte Dozenten. Gut ist, dass wir über die Landesförderung zur „Musikschuloffensive“ finanzielle Unterstützung bekommen haben, über die wir Elementarmusik für die jüngsten Kinder als Einstieg in die Musik anbieten konnten. Zudem gab es noch eine weitere halbe Stelle für die Digitalisierung, was gerade jetzt in der Pandemie sehr wichtig ist.

Wie wichtig ist die musikalische Bildung jetzt in Zeiten der Pandemie?

Kernke: Die musikalische Bildung ist sehr wichtig. Musik begleitet uns durch das gesamte Leben und sie spiegelt unsere Stimmung, unser Gemüt und unsere Seele wider. Sie ist eine Möglichkeit, sich auszudrücken und mit anderen Menschen zusammenzukommen. Das ist gerade jetzt in der Corona-Zeit sehr bedeutsam.

Gibt es Veränderungen beim Angebot der Musikschule?

Kernke: Wir haben gerade die Elementarpädagogik aufgebaut. Der Jugendchor, den wir schon länger planen, ist in der Umsetzung wegen Corona aktuell eher schwierig. Ansonsten passen wir unser Angebot immer der Nachfrage an und da sind wir im Moment gut aufgestellt.

Welche Projekte stehen für das laufende Jahr an?

Kernke: Im Zentrum steht das 50-jährige Bestehen der Musikschule. Dazu gibt es in der nächsten Zeit mehrere kleine Projekte, wie einen Tag der offenen Tür. Im September planen wir dann die große Jubiläumsveranstaltung. Außerdem steht wegen Umbauarbeiten im Sommer ein Umzug aus unserem Gebäude an. Da werden wir die Musikschule dann für eine absehbare Zeit auf mehrere Orte in der Stadt, wie zum Beispiel die Schulen, verteilen. Da bekommen wir derzeit viel Unterstützung von der Stadt.

Wie schaut es mit dem Zusammenspiel der verschiedenen Musikinstitutionen aus?

Kernke: Alles sind eigenständige Musikeinrichtungen, die ihre eigenen Ziele und Projekte verfolgen, die aber auch punktuell bei Projekten zusammenarbeiten. Jede Institution ist für sich wichtig und macht für die Stadt mit ihrem individuellen Beitrag das große Ganze aus.

Ist Burscheid eine Musikstadt?

Kernke: Burscheid hat eine musikalische Geschichte und der kulturelle Hintergrund ist da, sodass man Burscheid durchaus als Musikstadt bezeichnen kann. Es gibt viele Institutionen und Orchestervereine, bei denen unsere Schüler später einen Platz finden können. Die Stadt täte gut daran, sich mehr als bisher als Musikstadt zu präsentieren.

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