Sie lässt das Chaos in Kisten verschwinden

Silke Mücher ist Ordnungsfee. Das richtige „Ausmisten und Aussortieren“ sorgt für ein befreites Leben. Foto: Theresa Demski
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Silke Mücher ist Ordnungsfee. Das richtige „Ausmisten und Aussortieren“ sorgt für ein befreites Leben.

Bergische „Ordnungsfee“ Silke Mücher hilft Menschen, die in Unordnung versinken

Von Theresa Demski

Wer bei Silke Mücher über die Türschwelle tritt, der erwischt sich zuweilen dabei, wie er ihr Zuhause neugierig unter die Lupe nimmt. Schließlich ist die Wermelskirchenerin als Ordnungsfee im Einsatz. Und tatsächlich: Wer erstmal im Wohnzimmer Platz genommen hat, entdeckt schnell, dass Silke Mücher und ihre Familie strukturiert unterwegs sind. Ob Küche oder Wohnzimmer: Es steht wenig rum. „Ich mag selbst eher die minimalistische Richtung“, sagt sie, „aber gemütlich soll es sein.“ Und deswegen wendet die Ordnungsfee ihr Konzept auch in den eigenen vier Wänden an. Allerdings weiß sie auch: „Die Menschen haben ein ganz unterschiedliches Empfinden für Ordnung und Chaos. Jeder hat eine andere Schmerzgrenze.“

Vor allem Anfang des Jahres wünschen sich viele Menschen die Unterstützung der Ordnungsfee, wenn es um neue Strukturen für die eigenen vier Wände geht. „Das hat wahrscheinlich etwas mit guten Vorsätzen zu tun“, sagt Silke Mücher und hilft gerne. Dann steht sie vor fremden Türen, in Wohn- und Arbeitszimmern und kommt erstmal mit den Kunden ins Gespräch: „Man kann den Menschen das Aufräumen nicht aufzwingen“, sagt sie, „die Initiative müssen sie selber ergreifen.“

Im Gepäck hat sie dann die „Top Fünf“ ihrer erprobten Aufräumstrategien. Dazu gehört zum Beispiel ihr Kistensystem: Vom Keller bis zum Dachboden verpackt sie Kleinteiliges in durchsichtigen, stapelbaren Kisten, die hinter Schranktüren verschwinden. In der Küche landen Tuppertöpfe in den Kisten, damit sie nicht länger im Schrank umherfliegen. Im Kleiderschrank haben die Socken in einer kleinen Kiste Platz gefunden. „Es lässt sich auf den ersten Blick erkennen, welche Inhalte in den Kisten verstaut sind“, sagt Silke Mücher, „absolut alltagstauglich.“

Auch beim zweiten Tipp der Expertin spielt die Kiste eine wesentliche Rolle: „Wenn Kinder im Wohnzimmer spielen und abends schnell aufgeräumt werden soll, können die Dinge erstmal in einer bunten Kiste landen“, sagt Silke Mücher, „mindestens einmal in der Woche sollte diese Kiste dann aufgeräumt werden.“

Unordnung im Kinderzimmer ist die schönste Unordnung

Silke Mücher findet allerdings auch: „Die Unordnung im Kinderzimmer ist die schönste Unordnung“, sagt sie. Dann lautet die Philosophie: Kreativer Raum, Kugelbahnen und Eisenbahnschienen zum Weiterspielen statt penibles Aufräumen. „Wir leben unseren Kindern allerdings auch viel vor“, sagt Silke Mücher und denkt zum Beispiel an den eigenen Schreibtisch oder das Büro.

„In Familien fehlt dafür manchmal einfach der Raum“, weiß sie. Und deswegen lautet einer ihrer beliebtesten Tipps: Jedem Teil seinen Platz zuweisen. Dann sind zum Beispiel alle Kugelschreiber im Haus an einem Ort, alle Tesafilm-Rollen in einer Schublade oder einem Fach. Gleiches gilt für die Ablage: Dann landen offizielle Schreiben direkt in einem festen Fach an einem beliebigen Ort im Haushalt. „Und mindestens einmal in der Woche bringt einer der Elternteile die Disziplin auf, sich um die Ablage zu kümmern“, sagt Silke Mücher. Sie empfiehlt im besten Fall, zwei Fächer zu schaffen: für Eiliges und für weniger Eiliges. „Der Klassiker“, sagt sie, „aber wenn ich ihn wirklich umsetze, ist das Ablagesystem sehr hilfreich.“

Eine weitere Strategie der Ordnungsfee: Raum für Raum, Schublade für Schublade in den Blick nehmen. „Man verzettelt sich schnell“, sagt sie. Und deswegen rät sie dazu, mit einem Raum zu beginnen und auszusortieren – und sich nicht von anderen Räumen oder Schränken ablenken zu lassen. Was kommt weg? Und was darf bleiben? „Ich bin kein Freund von der Strategie: Was du ein Jahr lang nicht gebraucht hast, kann weg“, sagt sie. Beim Aufräumen kommt bei der Ordnungsfee dann auch das Thema Nachhaltigkeit auf den Tisch. „Ich schmeiße nicht gerne weg“, sagt sie. Und deswegen bringt sie alte Kissen der Kunden ins Tierheim, noch brauchbare, aber aussortierte Gegenstände bietet sie dem Sozialkaufhaus an. Und für Kleidung hat Silke Mücher in der Vergangenheit Börsen veranstaltet, auf der Besucher tauschen konnten.

Silke Mücher hat sich vor neun Jahren als Ordnungscoach selbstständig gemacht. Vor drei Jahren ließ sie sich zur Begleitenden Seelsorgerin ausbilden. Sie besuchte Seminare der Stiftung „Therapeutische Seelsorge“, bestand die Abschlussprüfungen, trägt seit dem das entsprechende Zertifikat und bietet auch seelsorgerliche Begleitung während des Aufräum-Prozesses an. Denn sie weiß: „Innere und äußere Ordnung hängen manchmal zusammen.“

www.bergische-ordnungsfee.de

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