„Leichtes Gepäck“

Selbsthilfegruppe will stärken und entlasten

Sie erkrankte in den neunziger Jahren selbst, war manisch-depressiv und will nun Betroffenen helfen: RaMona Spiller. Foto: Spiller
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Sie erkrankte in den neunziger Jahren selbst, war manisch-depressiv und will nun Betroffenen helfen: RaMona Spiller.

Menschen mit psychischen Erkrankungen bietet das „Leichte Gepäck“ einen schützenden Rahmen.

Von Claudia Radzwill

Burscheid. In der Begegnungsstätte Tri-Café trifft sich seit Januar die Selbsthilfegruppe „Leichtes Gepäck“. Hier finden Menschen mit psychischen Erkrankungen und Menschen in Lebenskrisen einen geschützten Raum, um sich auszutauschen. „Wir teilen Erfahrungen und hören zu“, sagt RaMona Spiller, die die Gruppentreffen leitet (und ihren Vornamen ganz bewusst in dieser Form schreibt). Vertrauen in sich selbst zu entwickeln beziehungsweise es wiederzuerlangen stehe dabei mit im Mittelpunkt.

RaMona Spiller möchte, dass die Teilnehmer und Teilnehmerinnen wieder mit „leichtem Gepäck“ den Alltag aktiv gestalten können, sagt sie. „Der Austausch ist dabei sehr wichtig. Das Ich-Wissen wird zum Wir-Wissen.“ In Gesprächen soll die Resilienz gestärkt, aber auch Stressbewältigungsstrategien erlernt werden. Auch kleine Entspannungstechniken wie Atemübungen streut RaMona Spiller mit ein. Alles ist freiwillig, jeder kann sich so weit öffnen, wie er möchte. Dafür sei aber der schützende Raum unumgänglich.

Der Austausch ist wichtig. Das Ich-Wissen wird zum Wir-Wissen.

RaMona Spiller

„Wir sind keine offene Gruppe, eine Anmeldung ist erforderlich. Betroffene können sich bei mir melden. Es sind noch Plätze frei“, erklärt RaMona Spiller. Das nächste Treffen findet am Samstag, 26. März, zwischen 15 und 17 Uhr statt. Eine regelmäßige Teilnahme sei erwünscht – um helfen zu können.

Zum Start kamen sechs Teilnehmer und Teilnehmerinnen. Drei Männer und drei Frauen. „Die Alter bewegt sich zwischen 50 und 70“, sagt die Gruppenleiterin. Eine Altersgrenze gebe es aber nicht. Es kommen Menschen mit Burnout, Depression, Beziehungsproblemen. Auch an Menschen, die bereits Psychiatrieerfahrung haben und sich wieder unsicher fühlen, richte sich das Angebot.

Die Corona-Krise hat psychische Probleme noch verstärkt, merkt RaMona Spiller bei ihren Treffen. Die Selbsthilfegruppe sei keine Therapieform, stellt sie klar. „Diese Treffen sind eine Hilfeform, die Beistand leistet. Bei einem akuten Krankheitsbild muss man eine Klinik oder den Arzt aufsuchen.“ Das Angebot „Leichtes Gepäck“ wird unterstützt durch die Selbsthilfekontaktstelle Rheinisch-Bergischer Kreis in Trägerschaft des Paritätischen Wohlfahrtverbands. Für die Kooperation mit dem Tri-Café ist RaMona Spiller Michael Corts vom Organisationsteam der Begegnungsstätte sehr dankbar. „Er hat es möglich gemacht, dass die Selbsthilfegruppe einen Treffpunkt gefunden hat. Er hat mir auch geholfen bei den Aushängen, bei der Werbung, um auf das Angebot aufmerksam zu machen“, berichtet sie.

Zur Zeit macht RaMona Spiller eine Ausbildung als Genesungsbegleiterin. Ein neues Berufsbild, das vom Arbeitsamt gefördert wird. Für die Qualifizierung besucht sie einen speziellen Kurs, genannt „EX-IN-Kurs“, beim Ausbilder LebensArt.

„Zertifizierte Genesungsbegleiter fungieren als Schnittstelle, als Brücke zwischen Ärzten und Menschen mit psychischen Erkrankungen“, sagt RaMona Spiller. Genesungsbegleiter haben oder hatten selbst eine psychische Erkrankung, erklärt sie weiter. „Vor diesem Hintergrund wollen wir Betroffene bei ihrem Genesungsprozess unterstützen.“

Ich wünsche mir, dass auch andere Menschen wieder Kraft schöpfen und eine Lebensperspektive für sich finden.

RaMona Spiller

Sie erkrankte 1993. „Ich war manisch-depressiv“, berichtet sie. Bis zur Genesung sei es ein jahrelanger Weg gewesen. „Ich musste meine erlernte Hilflosigkeit ablegen, um in ein selbstständig befähigtes Leben zurückzukehren,“ blickt sie zurück. Heute ist RaMona Spiller genesen – und möchte ein Stück weit ihren Erfahrungsschatz an andere weitergeben: „Ich wünsche mir, dass auch andere Menschen wieder Kraft schöpfen und eine Lebensperspektive für sich finden.“

Termin

Die Treffen der Selbsthilfegruppe „Leichtes Gepäck“ sind kostenlos. Sie finden monatlich an jedem vierten Samstag in der Begegnungsstätte Tri-Café an der Bürgermeister-Schmidt-Straße statt. Das nächste Treffen ist am 26. März von 15 bis 17 Uhr. Anmeldungen und Infos unter Tel. (01 78) 9 73 59 27.

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