Sehnsucht nach Hund ist oft größer als Vernunft

Die Sehnsucht nach einem Hund lässt illegalen Handel boomen. Dieser Cockerspaniel stammt aus einer seriösen Zucht. Foto: Kellermann
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Die Sehnsucht nach einem Hund lässt illegalen Handel boomen. Dieser Cockerspaniel stammt aus einer seriösen Zucht.

Tierschutzbund zieht Bilanz: Illegaler Welpenhandel 2021 bricht schon jetzt traurigen Rekord

Von Kathrin Kellermann

Dass die Corona-Krise zu einem wahren Haustierboom geführt hat, ist bekannt. Bereits im vergangenen Jahr haben bundesweit fast eine Million Haustiere mehr in den Haushalten gelebt. Auch die Nachfrage nach vierbeinigen Freunden in den umliegenden Tierheimen ist enorm gestiegen.

Diesen Hundeboom beobachten Tierschützer schon die ganze Zeit mit Sorge: Zum einen befürchten sie eine Abgabewelle in den Tierheimen, sobald die Pandemie vorbei ist, und zum anderen warnen sie seit Monat beharrlich vor Tieren aus dem illegalen Welpenhandel. Doch scheinbar war bei vielen die Sehnsucht nach einem vierbeinigen Freund größer als die Vernunft. Denn bereits im ersten Halbjahr 2021 hat der illegale Welpenhandel einen traurigen Rekord gebrochen, wie eine Auswertung des Deutschen Tierschutzbundes zeigt: In bislang 179 bekannt gewordenen Fällen waren 1307 Tiere betroffen, die große Mehrheit davon Hundewelpen. Damit sind sowohl die Zahl der Fälle als auch die Zahl der betroffenen Tiere aus dem gesamten vergangenen Jahr bereits nach nur sechs Monaten überschritten.

Angesichts des Leids, das für die Tiere mit dem illegalen Handel einhergeht, ist der Tierschutzbund entsetzt von der neuen Entwicklung. Zumal auch von einer hohen Dunkelziffer auszugehen ist. „Dieser erneut extreme Anstieg ist erschreckend, war aber leider fast zu erwarten. Die Nachfrage ist weiter hoch, die Pforten des Internets sind für kriminelle Händler weit geöffnet, und der Gesetzgeber greift nicht ein. Solange sich daran nichts ändert, werden weiter massenhaft Welpen unter schlimmsten Bedingungen produziert, illegal geschmuggelt und oftmals krank, ohne Impfung und Papiere an blauäugige Käufer verscherbelt“, sagt Dr. Romy Zeller, Fachreferentin für Heimtiere beim Deutschen Tierschutzbund.

„Dieser erneut extreme Anstieg ist erschreckend, war aber leider fast zu erwarten.“

Dr. Romy Zeller, Deutscher Tierschutzbund

Dabei ist eine gesetzliche Regulierung aus Tierschutzsicht unumgänglich. Im Zuge seiner aktuellen Bundestagswahl-Kampagne „Mein Schicksal – Deine Wahl“ (www.2021-tierschutz-wählen.de) fordert der Deutsche Tierschutzbund die Politik auf, den illegalen Welpenhandel massiver zu bekämpfen und eine Heimtierschutzverordnung einzuführen, die unter anderem Zucht und Handel verbindlich regelt.

Die Zahlen jedenfalls sind erschreckend: Insgesamt waren dem Deutschen Tierschutzbund im vergangenen Jahr 172 Fälle von illegalem Tierhandel mit 1221 Tieren bekannt geworden. Betroffen waren nachweislich 1054 Hunde und 139 Katzen. In diesem Jahr wurden in den ersten sechs Monaten bereits 1239 Hunde und 59 Katzen aufgegriffen, daneben vier Tauben sowie fünf Ponys. Die beschlagnahmten Tiere werden in Tierheimen untergebracht, wo sie trotz liebevoller Pflege um ihr Überleben kämpfen.

Das skrupellose Geschäft mit den niedlichen Welpen, die viel zu früh von der Mutter weggenommen und verkauft werden und deshalb oft sehr krank sind, führt nicht nur bei den Kleinen, sondern auch bei den Elterntieren zu unfassbarem Leid. Oftmals werden die Mutterhündinnen jahrelang als Gebärmaschinen missbraucht, und den Hundevätern werden Hormone gespritzt, damit sie immer wieder decken können.

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