Wünsche für 2021

Sechs Burscheider blicken voraus aufs neue Jahr

Stefan Caplan. Archivfoto: nal
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Stefan Caplan.

Von Gesundheit bis zum gemeinsamen Singen.

Von Nadja Lehmann

Ein neues Jahr. Mit Sicherheit haben wir alle an 2021 ganz andere Wünsche und Hoffnungen, als wir es uns hätten träumen lassen. Unsere Welt kann aus den Fugen geraten – und das hat uns Sars-CoV-2 im vergangenen Jahr eindrücklich spüren lassen. Vielleicht können wir die Pandemie als Chance begreifen und nutzen. Auch wenn das für diejenigen, die Existenz und Arbeit oder einen geliebten Menschen verloren haben, ein Ding der Unmöglichkeit sein wird.

Stefan Caplan, Bürgermeister: „Ein denkwürdiges Jahr 2020 geht seinem Ende entgegen. Die Pandemie hat uns alle vor große wirtschaftliche und gesellschaftliche Herausforderungen gestellt, wie wir sie bisher noch nicht kannten. Für das Jahr 2021 wünsche ich mir, dass uns die Pandemie nicht mehr so sehr im Griff hat und so eine Überlastung des Gesundheitswesens vermieden werden kann. Allen Akteuren, die uns so gut durch diese Zeit gebracht haben und sich 2020 über Gebühr für die Gesellschaft eingebracht haben – wie zum Beispiel Feuerwehr, Polizei, Ärzte, Pfleger, Altenheime, Kassierer und Behörden – wünsche ich, dass sie im neuen Jahr die Zeit finden, tief durchzuatmen, um neue Kraft zu schöpfen. Vor allem wünsche ich mir, dass sich möglichst viele Menschen impfen lassen und gesund bleiben. Das Wichtigste im Leben ist die Gesundheit! Neben den Wünschen im Zusammenhang mit der Pandemie wäre mein Wunsch für das Jahr 2021, dass wir in Deutschland einen ordentlichen Schritt dahin machen, die absolut überbordende Bürokratie sukzessive zu reduzieren.“

Klaus Nierhoff, Abteilungsleiter TG Hilgen:

„Ich wünsche mir, endlich mal wieder meine Familie und meine Freunde richtig in den Arm nehmen zu können.

Klaus Nierhoff.

Ich wünsche mir eine recht baldige Rückkehr zur Normalität, damit unter anderem auch der Amateursport, insbesondere hier für die Kinder, wieder stattfinden kann. Ich wünsche mir, dass alle Menschen Vernunft bewahren, Rücksicht nehmen, alle medizinischen Angebote annehmen und dass auch die Querdenker in die Realität zurückkehren und somit der Gesellschaft kein Gefahrenpotenzial mehr bieten werden. Geben und nicht nur nehmen. . .“

Lukas Schülbe, Pfarrer FeG Burscheid:

„Ärzte, Pfleger und Verwaltungsleute sind in den vergangen Monaten an und über ihre Belastungsgrenzen gegangen. Davor habe ich großen Respekt. Menschen haben einsam gelitten oder einen lieben Menschen verloren. Das tut mir leid. Aber dennoch halte ich Corona eher für ein Symptom als ein Problem. Das müssen wir sachlich abarbeiten. Deshalb haben meine Wünsche nur wenig mit dem Virus zu tun. Ich wünsche mir, dass wir in der Asylpolitik auf europäischer Ebene ein ganzes Stück vorankommen. Ich halte eine Kontrolle unserer Grenzen für eine Notwendigkeit, um unser Staatsgebiet souverän gestalten zu können. Grenzen sind jedoch dazu da, um im vernünftigen Maß durchlässig zu sein.

Lukas Schülbe.

Das heißt für mich, Menschen, die vor Hunger, Folter, Terror oder Krieg fliehen, müssen Asyl finden und die Möglichkeit bekommen, sich eine neue Existenz aufzubauen. Ein Stück voranzukommen wünsche ich mir auch in der Klimapolitik. Weil vermutlich gilt: Wenn uns das nicht gelingt, wird’s übel. Ich wünsche mir, wieder im Gottesdienst zu singen. Seit Monaten nun auf das gemeinsame Singen zu verzichten, ist absolut zumutbar, aber es fehlt mir. Wenn wir zum ersten Mal wieder gemeinsam singen, werde ich vermutlich weinen. Mein Engagement ist stark auf unsere Gemeinde begrenzt. Ich denke, ich bin noch an anderer Stelle gefragt. Denn den meisten Leuten in unserer Gemeinde geht es gut. Aber wo? Und in welchem Maß? Ich habe Sorge, mich zu verausgaben. Hier wünsche ich mir Wink und Weisheit von Gott.“

Hannelore Haubl, Gastwirtin in Massiefen:

„Ich möchte nicht mehr sagen müssen: ,Halten Sie Abstand, tragen Sie eine Maske.‘ Ich möchte in meiner Gaststätte alles noch eine Zeit lang aufrecht erhalten, möchte meine Gäste bewirten und hoffe, dass es sich halbwegs rechnet.

Hannelore Haubl.

Ich wünsche uns allen, dass wir von Krankheit verschont bleiben, und ich wünsche mir, dass es meiner Familie gut geht.“

Uwe Graetke, Burscheid-live:

„Nach dem für uns alle so bedrückenden Jahr 2020 mit vielen Einschränkungen und Umstellungen stehen für das neue Jahr auch bei mir der Wunsch auf eine deutliche Besserung der Corona-Situation und die Sehnsucht nach wieder etwas mehr Normalität an alleroberster Stelle, damit bei den Menschen Zuversicht und Lebensfreude zurückkehren können. Bei Betrachtung der derzeitigen Infektionszahlen erwarte ich dabei für die ersten Monate allerdings keine größeren Lockerungen. Ich wäre schon froh darüber, wenn ich überhaupt im Laufe des Jahres wieder Spiele der Frauen-Fußball-Bundesliga und der Frauen-Handball-Bundesliga live vor Ort ansehen könnte. Wenn es möglich ist, würde ich auch gerne im Sommer innerhalb Deutschlands verreisen. Wir haben genug schöne Orte hier, es muss nicht immer das Ausland sein. Dies hätten viel mehr Leute in diesen schwierigen Zeiten beherzigen sollen.

Uwe Graetke.

Für die um ihre Existenz kämpfende Gastronomie, aber auch für mich, wünsche ich, dass ich bald wieder mit dem nötigen Abstand in einem Restaurant speisen kann. Die Schließung Anfang November im Rahmen des Lockdowns light habe ich nicht nachvollziehen können, denn nirgendwo sind die Infektionsschutz- und Hygienemaßnahmen größer. Da ich bis 1997 in der Straße Im Winkel gewohnt habe, betrübt mich die anhaltend negative Entwicklung des historischen Stadtkerns mit Marktplatz und der unteren Hauptstraße sehr. Deshalb warte ich darauf, dass die Teile der Politik, die sich vor der Kommunalwahl ebenfalls um diesen Bereich Sorgen gemacht und Ideen geäußert haben, diese auch nun gemeinsam weiterverfolgen. Der auf das Jahr 2025 verschobene Umbau im Rahmen des Integrierten Entwicklungs- und Handlungskonzept (IEHK) kommt für mich zu spät. Hier muss vorher etwas geschehen, damit dieser Teil von Burscheid wieder mehr an Attraktivität gewinnt und nicht völlig verwaist. Natürlich wollen wir hierfür mit unserem Verein Burscheid Live auch weiterhin unseren Beitrag leisten. So planen wir, wie in den beiden letzten Jahren, auch 2021 mit unseren Veranstaltungen ab dem Sommer für etwas Belebung sorgen, wenn die Corona-Situation es erlaubt. Sorgen bereitet mir dabei trotz der hoffentlich wieder zahlreichen Spender, Sponsoren und Förderer die Finanzierung, da wir coronabedingt wieder mit erheblichen Mehrkosten durch Auflagen und Umsetzung von Infektionsschutz- und Hygienekonzepten sowie zu erwartenden deutlichen Preiserhöhungen bei den Bühnenverleihern, die hierdurch die entstandenen Verluste zumindest zu einem Teil wieder ausgleichen wollen, rechnen müssen. Andererseits zeichnet sich ab, dass Betreiber von Verkaufsständen nicht mehr in der Lage sind, Standgebühren in der Höhe zu zahlen, wie dies bis vor einem Jahr noch üblich war. In diesem Zusammenhang vermisse ich eine angemessene Unterstützung seitens des Landes und der Stadt für die wenigen Vereine, die sich auch in dieser schwierigen Zeit trauen, Veranstaltungen für die Gemeinschaft im Rahmen des Zulässigen auf die Beine zu stellen.

Das freundliche Entgegenkommen der Stadt bei unseren beiden diesjährigen Veranstaltungen im September war zwar hilfreich, wird aber für das Jahr 2021 nicht ausreichen. Begrüßen würde ich es zudem, wenn sich der Trend, in der Innenstadt alles pflegeleicht umzugestalten, nicht weiter fortsetzt. Mir fehlt da an vielen Stellen mehr Grün und Blühendes – trostlos der Anblick im vergangenen Sommer, als selbst die Blumenkübel am Marktplatz nicht bepflanzt waren. Auch das 2013 durch die Verwaltung ins Leben gerufene Projekt der Beet- und Blumenpaten in der unteren und mittleren Hauptstraße hat bis auf wenige rühmliche Ausnahmen auf Dauer nicht den gewünschten Erfolg gebracht. Hier sehe ich die Stadt in der Pflicht, mit einem neuen Konzept für ein ansehnlicheres Erscheinungsbild zu sorgen.“

Jelle von Dryander, Kulturverein:

„Für mich persönlich denke ich dabei vor allem an Gesundheit, da 2020 dahingehend miserabel begann und auch besser hätte enden können, als mit einem Handgelenkbruch kurz vor Weihnachten. Für die Kultur insgesamt wünsche ich mir neue Strukturen, die diese in ihrer Vielseitigkeit in Deutschland allgemein anerkennen und absichern. Ich denke da an einen Kultursicherungsfond, der die freischaffenden Kulturstätten und Künstler aus der Benachteiligung gegenüber den Subventionierten entbindet. Kultur ist für die demokratische Gesellschaft Lebenselixier und als solche unersetzbar. Für die Kultur in Burscheid wünsche ich mir, dass die durch das IEHK angestoßenen Projekte, unter anderem die Sanierung des Umfeldes des Kulturbadehauses, insbesondere der Umbau des Haus der Kunst/Kultur und die damit verwobene überregionale kulturelle Zusammenarbeit, Früchte tragen werden. Ein gemeinsamer Kulturraum – mindestens zwischen Wermelskirchen und Burscheid, besser noch weiter in den Kreis ausgreifend – wäre (nicht nur!) mein Traum.

Jelle von Dryander.

Dazu muss auch die finanzielle Unterstützung der Orchester und der Musikschule gehören, um in dieser kulturellen Gemengelage einfach Qualitätssicherung zu ermöglichen. Wir brauchen kulturelle Qualität gerade im ländlichen Raum, der auch in Hinblick auf solch pandemische Ereignisse wieder zunehmend an Bedeutung für die dort lebenden Menschen gewinnen wird. Für unseren Verein und unser zweites Wohnzimmer – das Kulturbadehaus – wünsche ich mir, dass wir wieder die Türen öffnen können für private Feierlichkeiten, endlich wieder einladen können zu Kunst, Musik, Theater, Workshops. Wir haben noch so vieles vor – der arme Beethoven kam in Burscheid in seinem Jubeljahr auch noch gar nicht zum Zuge. Unser größter Wunsch ist, dass wir wieder in Kontakt mit den Künstlern und den Zuschauern treten dürfen; wie allen das fehlt, haben wir an unserem Open-Air und den beiden sehr reduzierten Septemberveranstaltungen gemerkt. Ein umfassenderes Open-Air ist für Juli/August in Planung, aber die Gesundheit aller steht an erster Stelle, bevor wir wieder öffnen. Bezug nehmend auf die Corona-Pandemie schiebt sich mir oft das Bild der alttestamentarischen Sintflut und der Arche Noah vor meine Augen. Sollte doch etwas Gutes darin liegen?

„Erneuerung im Denken, Fühlen und Wollen ist in unserer 1. Welt vonnöten.“ 
Jelle von Dryander, Kulturverein

Dann könnte ich mir wünschen, dass es vielleicht ab 2021 zu einer Entspannung nicht nur der pandemischen Lage in Europa, den USA und überall auf der Welt kommen möge - vielleicht hat die Covid- 19-Krise wenigstens den Effekt, dass wir bemerken, wie alle eigentlich am gleichen Strang ziehen müssten, um die wirklich enormen, global verflochtenen Herausforderungen bewältigen zu können. Erneuerung im Denken, im Fühlen und im Wollen ist vielleicht allgemein vor allem in unserer 1. Welt vonnöten, um langfristig auf unserem eigentlich so wunderschönen Planeten global für Beruhigung zu sorgen.“

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