An der Montanusstraße

Burscheider Schmuckstück sucht neue Perspektive

27 Jahre lang parkte der Arbeiter-Samariter-Bund vor der Villa Luchtenberg. Nun wird nach seinem Auszug nach neuen Perspektiven gesucht.
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27 Jahre lang parkte der Arbeiter-Samariter-Bund vor der Villa Luchtenberg. Nun wird nach seinem Auszug nach neuen Perspektiven gesucht.
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In der einstigen Luchtenbergschen Residenz sind derzeit der Kreis und die Kokobe untergebracht.

Von Nadja Lehmann

Burscheid. Sie ist ein unübersehbares architektonisches Schmuckstück: die ehemalige Villa Luchtenberg an der Montanusstraße. Ebenso unübersehbar ist sie aber auch in die Jahre gekommen, der einst strahlend weiße Putz ist ins Gräuliche hinübergerutscht und mancher Eckstein an der Fassade beschädigt. Dennoch ist und bleibt sie ein Hingucker an der Montanusstraße, an der so viel im Umbruch ist. An der neue Wohnhäuser entstehen und ein Einkaufszentrum mit Vollsortimenter und Drogeriemarkt zukünftig Kunden und Kundinnen anlocken will. „Ein wunderschönes Haus“, sagt auch Bürgermeister Dirk Runge.

Ein Haus, das sich zuletzt selbst stark verändert hat. Denn sein Ankermieter, der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), zog aus und wechselte in ein neues Domizil an der Hauptstraße. 27 Jahre lang war der ASB an der Montanusstraße beheimatet gewesen. Nach diesen vielen Jahren bröckelte es. „Es war schon lange nichts mehr in unserem alten Haus gemacht worden“, hatte Geschäftsstellenleiterin Beate Frank nach dem Umzug im Gespräch mit dem Bergischen Volksboten erklärt. Im Herbst 2021 hatte dann festgestanden, dass der ASB sich auf die Suche nach einem neuen Domizil macht.

Im Obergeschoss sind die Rollläden geschlossen. Auf den ersten Blick scheint die alte Villa verwaist. „Das ist nicht so“, sagt Dirk Runge. Und zählt auf: „Die Kokobe RBK Nord ist noch im Haus und bietet ihre Peer-Beratung an. Außerdem hat der Kreis dort seine Impfstelle eingerichtet.“ Dort sei aktuell zugegebenermaßen nichts los, dem Trend entsprechend. „Aber wer weiß, was im Herbst oder Winter notwendig ist“, sagt Runge mit Blick auf neue Corona-Virus-Varianten und mögliche zweite Booster-Auffrischungen. Mindestens bis Jahresende wolle der Kreis am Standort festhalten.

Dirk Runge wünscht sich ein Café in der ehemaligen Villa Luchtenberg

Das Obergeschoss spiele eine wichtige Rolle als Ausweichquartier, berichtet der Bürgermeister. Und zwar für die Luchtenberg-Stiftung und für die Musicalische Academie. Beide haben im benachbarten Haus der Kunst Noten, Instrumente wie den großen Steinway-Flügel und Möbel eingelagert. Das Haus der Kunst aber soll umgebaut werden und leert sich dazu schon sukzessive. „Beide Parteien waren froh, dass sie ihre Sachen in der Villa unterstellen können“, sagt Runge.

Seine Gedanken macht sich der Bürgermeister aber schon. Was langfristig tun mit dem „wunderschönen Haus“? Er könne sich gut etwas für Senioren oder für Menschen mit Behinderung vorstellen, sagt Runge: „Ein Tagesangebot oder eine Tagespflege.“ Zumal ihm der Schul- und Sozialausschuss auf einer Sitzung die dem entsprechende Richtung verordnet habe. „Denkbar wären natürlich auch Mischnutzungen“, sagt Runge. Und so schön er eingestandenermaßen an dieser Stelle beispielsweise ein Café fände: „Ob das erfolgversprechend ist, weiß ich nicht. Schließlich soll gegenüber die große Piazza mit Gastronomie entstehen.“

In Richtung soziale Angebote sei er jedoch bereits im Gespräch. „Wir haben zeitlich gottseidank keine Not“, sagt er. Und dass man das Haus zwischenzeitlich nicht verfallen lasse, „ist klar“.

Beim „Heimatzeugnis“ will sich die Stadt nicht erneut bewerben

Ebenso klar ist auch: Beim Förderprogramm „Heimatzeugnis“ will sich die Stadt nicht mehr bewerben. „Ich weiß gar nicht, ob es das Programm überhaupt noch gibt“, sagt Runge. Im ersten Anlauf scheiterte man im vergangenen Jahr mit seinem Konzept. Etwas peppiger dürfe es gern sein, signalisierte die Bezirksregierung damals in einer ersten, eher informellen, Reaktion.

Kritische Nachfragen hatte es auch aus den Reihen der Kommunalpolitiker gegeben. So hatte Barbara Sarx-Jautelat (UWG) angeregt, doch das städtische Archiv aus den Tiefen des Rathaus-Souterrains hervorzuholen und ins Tageslicht der Villa zu befördern. Auch hatte sie gefragt, wer die künftige inhaltliche Ausrichtung des Hauses begleite und ob dies überhaupt angedacht sei.

Doch nun steht alles erst wieder auf Anfang. „Gestreut habe ich das Thema bereits“, versichert Bürgermeister Dirk Runge.

Hintergrund

Die weiße Villa ist eng mit den Familien Richartz-Bertrams und Luchtenberg verbunden. In ihr wohnte Paul Luchtenberg, FDP-Politiker und von 1956 bis 1958 NRW-Kultusminister, mit seiner Familie. Schwager Erich Richartz-Bertrams wohnte im stattlichen Bürgerhaus in der Höhestraße 3. Erich Richartz und das Ehepaar Luchtenberg vermachten ihre Häuser testamentarisch der Stadt.

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