Kulturbadehaus

Sanfte Skulpturen suchen die Annäherung

Inmitten seiner Plastiken, die ganz im Zeichen der Dualität stehen: Bildhauer Heinz-Peter Knoop. Morgen beginnt seine Ausstellung. Foto: Nadja Lehmann
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Inmitten seiner Plastiken, die ganz im Zeichen der Dualität stehen: Bildhauer Heinz-Peter Knoop. Am Samstag beginnt seine Ausstellung.

In der Ausstellung „gegenüber“ präsentiert Heinz-Peter Knoop ab Samstag, 2. April, einen Themenzyklus.

Von Nadja Lehmann

Burscheid. Heinz-Peter Knoop ist geduldig gewesen. So geduldig, wie er es ist, wenn er in seinem Atelier in Löh an seinen Skulpturen arbeitet, wenn er ihnen Form verleiht und Leben. Denn die Ausstellung „gegenüber“ hätte schon längst im Kulturbadehaus laufen sollen. Corona vereitelte dies. Nun sind seine Arbeiten – endlich – ab Samstag zu sehen.

Für Heinz-Peter Knoop passt dabei, wie er feststellt, alles zusammen und scheint sich ein Kreis zu schließen. „1962 bin ich an die Kunstschule gekommen, 1972 habe ich mich selbstständig gemacht, und nun, 2022, stelle ich meine wohl letzte Werkgruppe aus.“ Geduld hat er auch dabei an den Tag gelegt. Dem „gegenüber“, das im Kulturbadehaus 14 Skulpturen und zahlreiche Holzschnitte umfasst, hat er sich von 2016 an gewidmet.

Es ist ein Thema, das gut zu dem sorg- und achtsam formulierenden Heinz-Peter Knoop passt, für den das geschriebene Wort stets Ausgangsbasis ist und der über sich selbst sagt, dass ihm Harmonie wichtig ist. In dieser Balance stellt er sich die ganz großen Fragen. Die nach dem Sinn des Lebens. Nach der Schöpfung. Nach Endlichkeit und Verletzlichkeit.

Zuerst, im Atelier, ist die Arbeit ja total egoistisch.

Hein-Peter Knoop, Künstler

Das spiegeln seine Arbeiten wider. Sie sind einander zugewandt, scheinen sich zu antworten, einander zu bedingen. Sogar in einer seiner ersten Arbeiten, die er mit in die Ausstellung geholt hat, und die eigentlich dem Zyklus „dornig“ angehört, vermitteln die eine Stele sprengenden Kugeln keine Aggressivität. „Auch dort findet Dialog statt“, sagt Heinz-Peter Knoop selbst. Es ist ein Lebensthema. Austausch. Zwiegespräch. Begegnung. Menschlichkeit.

„Gerade jetzt ist es wichtig, sich mit Kunst zu beschäftigen“, findet der 75-Jährige. In Zeiten von Krieg und Pandemie komme dem „gegenüber“ eine noch größere Bedeutsamkeit zu, sei der Mensch eingebettet in die Evolution, sei ein Lebewesen unter vielen – und nicht besser als sie. „Das innere und äußere Gegenüber ist das Thema meiner Suche. Durch die Corona-Zeit hat das noch mehr Aktualität erhalten.“

Genauso wie Knoop den Menschen eingebettet in eine „Mit-welt“ sieht, kommen seine Plastiken daher: Nicht als Fremdkörper, sondern als sanfte fließende Formen. „Ein Kritiker hat mal gesagt, man könne meine Figuren in die Natur setzen und sie wirkten, als seien sie dort gewachsen“, erzählt er. Eine Einschätzung, die ihn erkennbar freut, weil sie seinem behutsamen Forschen und Annähern entspricht: Abstraktion nicht als Schock, sondern als natürliche Form. „Es muss fließen, muss leben“, sagt der gebürtige Solinger, der seit 2005 in Burscheid lebt.

Noch immer ist der 75-Jährige ein Suchender

„Zuerst, im Atelier, ist die Arbeit ja total egoistisch“, sagt er. Dann vergisst er alles um sich herum, fliegen im wahrsten Sinne des Wortes die Späne. „Die eigentliche Arbeit beginnt später, geschieht beim Betrachter.“

Und der sei frei in der Interpretation seiner Arbeiten. Noch immer ist der 75-Jährige ein Suchender. Einer, der sich anrühren lässt. Und der auch zu seinen aktuellen Arbeiten formuliert, was ihm wichtig ist – in der geliebten Kleinschreibung: „stille der bewegung, ruhe aus der kraft, schweben dank der hoffnung, entflohen aus der hast“.

Etwas weniger Hast will sich Knoop künftig im Atelier verordnen. Langjährige Werkreihen wie die „Sunaden“ oder „blatträume“ plant er nicht mehr. Lieber will er sich auf Einzelarbeiten konzentrieren. An einem aktuellen Guss zeigt sogleich Firmenchef Maryo Fietz bei seinem Vorab-Besuch im Kulturbadehaus Interesse – ein langjähriger Sponsor, „ohne den vieles gar nicht möglich wäre“, wie Knoop betont. Fietz fühlt sich dem Kulturbadehaus verbunden: „Hier habe ich schwimmen gelernt“, sagt er und erzählt vom frisch eingefüllten eiskalten Wasser, das ohne Umwälzpumpe auskommen und deshalb alle paar Tage erneuert werden musste, und vom gestrengen Bademeister Bach.

Vielleicht hat das Kulturbadehaus, in dem er 2008 erstmals ausstellte, auch Heinz-Peter Knoop inspiriert. Denn Wasser und Wassertropfen spielen in seinen aktuellen Arbeiten eine Rolle, verrät er. 2023 sollen sie fertig sein.

Wie es Knoop entspricht, wird er sie gewiss in Kontext und Dialog einbetten. In die „Mit-Welt“. „Alleine sind wir nichts“, schreibt er in einem kurzen Statement zur Ausstellung – und warum Kunst sein muss. Mehr denn je.

„gegenüber“

Kulturbadehaus: Die Ausstellung „gegenüber“ öffnet am morgigen Samstag und ist von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Sie läuft bis Sonntag, 24. April. Geöffnet ist sie donnerstags und freitags, 18 bis 20 Uhr samstags, 11 bis 17; sonntags, 14 bis 17 Uhr. Die Werke sind verkäuflich.

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