Geschichtsverein

Rundgang würdigt das Verlorengegangene

Nehmen die Burscheider mit der neuen Publikation mit auf einen Rundgang: Sabine Rusch-Witthohn und Karl Ulrich Voss vom Bergischen Geschichtsverein. Foto: Nadja Lehmann
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Nehmen die Burscheider mit der neuen Publikation mit auf einen Rundgang: Sabine Rusch-Witthohn und Karl Ulrich Voss vom Bergischen Geschichtsverein.
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„Verschwundene Häuser in Burscheid“: Bergischer Geschichtsverein gibt neue Publikation heraus

Burscheid. Das Herzstück des Bergischen Geschichtsvereins lagert im letzten Raum seines Domizils an der Höhestraße: Es ist das über viele Jahre zusammengetragene Archiv von Grete Klippert, das Fotos und Bücher, vor allem aber die gebundenen Ausgaben des „Bergischen Volksboten“ umfasst. Ein Gedächtnis der Stadt.

Seinem langjährigen Mitglied, das im Dezember verstarb, hat der Verein deshalb in Dankbarkeit und Erinnerung seine neueste Publikation gewidmet, die sich den „verschwundenen Häusern“ Burscheids widmet. Auf 70 Seiten haben Vereinsmitglieder (darunter auch noch Klippert selbst) Daten, Fakten, Fotos zu den Gebäuden zusammengestellt, die es nicht mehr oder in stark veränderter Form gibt.

„Das Buch ist wie ein Rundgang, mit dem man ein Gefühl für die Stadt entwickelt.“

Karl Ulrich Voss, Vorsitzender

Im Vereinsdomizil blättern Schriftführerin Sabine Rusch-Witthohn und Vorsitzender Karl Ulrich Voss in „Verschwundene Häuser in Burscheid“: Vor ungefähr sechs Jahren hätten Grete Klippert und die Vereinsmitglieder Sabine Wurmbach und Barbara Sarx-Jautelat das Projekt angeregt, erzählen sie.

Ob Brünings Ecke, Clarinette oder Schuhfabrik Frankenstein – an diese architektonischen Schätze wollte man erinnern. Für die alt eingesessenen Burscheider, die all das teilweise noch kennen, aber auch für die Zugezogenen. „Das Buch ist wie ein Rundgang, mit dem man ein Gefühl für die Stadt entwickelt“, findet Karl Ulrich Voss. Denn eines eint Alt- und Neu-Burscheider mit und ohne Migrationshintergrund: „Sie empfinden Burscheid als ihr Zuhause. Es ist ein guter Platz, um dort zu leben“, sagt Rusch-Witthohn.

Und auch die jüngeren Burscheider sollen angesprochen werden. Voss erzählt, dass zunächst viele Mitglieder für ein klassisch schwarz-weißes Layout votiert hatten. Doch dann fand man Layouterin Gabriele Randerath, die Farbe ins Spiel brachte, den alten Fotos aber ihre Patina ließ. Etwas Heimatverbundenheit hatte Randerath ohnehin: Ihre Oma stammt aus Benninghausen. „Ich bin eigentlich aus Witzhelden“, sagt Rusch-Witthohn. „Aber alle meine Freunde waren hier; ich habe hier meine Schulzeit verbracht.“

Familiengeschichte in der Mebus Hötte

Deshalb hängt ihr Herz besonders am heutigen Kulturbadehaus: „Die Badeanstalt war der Treffpunkt aller Jugendlichen.“ Anlaufstelle war auch regelmäßig der Herbergsplatz: „Da bin ich über Mittag zu meiner Cousine gegangen.“ Und Voss ist zwar gebürtiger Hagener, aber: „Meine Frau ist Burscheiderin.“ Ihr Ururgroßvater habe in der Mebus-Hötte gearbeitet. Familiengeschichte also, der sich Voss in „Verschwundene Häuser“ natürlich widmete. Verschwunden ist das schöne alte Fachwerkstatt gottlob aber nicht: Die Freikirchlich-evangelische Gemeinde zog dort ein und legte bei der Restaurierung selbst Hand mit an. Da stand das Haus bereits unter Denkmalschutz.

Anders sah das Schicksal der prägnanten Brünings Ecke aus, das Sabine Wurmbach in ihrem Artikel ausleuchtet: Sie fiel in den sechziger Jahren Umgehungsstraße und Parkplätzen zum Opfer. „Man kann nichts zurückholen, aber die Erinnerung wachzuhalten, ist wichtig“, sagen Sabine Rusch-Witthohn und Karl Ulrich Voss.

Ebenso sahen es viele Besucher der Ausstellung in der Stadtbücherei, mit der der Bergische Geschichtsverein Anfang 2020 sein Buchprojekt untermauerte: „Die beachtliche Materialsammlung der Ausstellung stieß auf lebhaftes Interesse, und zahlreiche Besucherinnen und Besucher steuerten vielfältige und lebendige Erinnerungen in Form von Bildern, Anekdoten oder Episoden bei“, sagt Rusch-Witthohn.

So geht es auf den knapp 70 Seiten nicht nur um Gebäude, sondern auch um die Menschen, die sie prägten: Wie Ladenbesitzer Gaß, die auf engstem Raum alles hatte – von Süßigkeit bis Kondom. Oder das Strutz Settchen: Sie bot in blütenweißer Schürze zwischen Deutschem Haus und Metzgerei Zerwes ihre Waren an.

Die Kombination aus Recherche des Bergischen Geschichtsvereins und der Einbeziehung der Burscheider selbst mündete schließlich in den Heimatpreis 2020 – eine Anerkennung für die rund 70 Mitglieder, die mit ihrer Publikation nicht zuletzt für den Denkmalschutz werben. „Das ist für die Eigentümer mit Kosten verbunden. Aber manchmal helfen schon die kleinen Dinge“, sagt Karl Ulrich Voss mit Blick auf Burscheids Fassaden. „Wir haben Potenzial.“

Hintergrund

„Verschwundene Häuser in Burscheid“ ist zum Preis von 15,95 Euro erhältlich bei Buchhandlung Ute Hentschel, Hauptstraße 26; Lotto-Annahme und Zeitschriften Joachim Roßenbach, Hauptstraße 18; Foto-Factory, Hauptstraße 30.

www.bgv-burscheid.de

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