Rücksichtslose Gäste zerstören den Wald

Remscheids Forstamtsleiter Markus Wolff findet im Wald an der Eschbachtalsperre viel Müll. Der einzige Mülleimer steht in der Nähe einer Bushaltestelle, im Wald selbst gibt es keine Mülleimer. Foto: Roland Keusch
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Remscheids Forstamtsleiter Markus Wolff findet im Wald an der Eschbachtalsperre viel Müll. Der einzige Mülleimer steht in der Nähe einer Bushaltestelle, im Wald selbst gibt es keine Mülleimer.

Müll ist ein großes Problem – Hundebesitzer sind häufig uneinsichtig

Von Alexandra Dulinski

Papiertaschentücher, Coffee-to-go-Becher, leere Caprisonnen und Imbiss-Papiertüten: Wenn Remscheids Forstamtsleiter Markus Wolff durch den Wald geht, ist das nur ein Teil der Dinge, die er für gewöhnlich findet. Auch Autoreifen, Abfall von Sanitärunternehmen oder Entrümpelungsutensilien habe er im Wald an der Eschbachtalsperre schon entdeckt. Vom angrenzenden Rastplatz an der A 1 finden seine Kollegen regelmäßig Verpackungsmüll mit fremdsprachigen Aufschriften.

Rund 20 000 Euro seien im vergangenen Jahr allein für das Sammeln und Entsorgen von Müll im Wald ausgegeben worden. Das sei mehr als eine halbe Stelle eines städtischen Forstwirts, der eigentlich andere Aufgaben habe, als Müll zu entsorgen, sagt Markus Wolff. Immer wieder komme die Forderung nach Mülleimern auf. „Dagegen wehren wir uns aber. Das widerspricht der Philosophie der Walderholung.“. Denn Mülleimer würden Tiere wie Waschbären anlocken, die den Abfall zerpflücken, und Vandalen, die die Behältnisse beschädigen.

Problematisch für den Wald seien oft auch Hunde. Nicht selten werde ein Reh gerissen. Und nicht überall darf ein Hund unangeleint herumlaufen. Ob ein Hund im Wald angeleint werden muss, hänge vom Gebiet ab.

In Naturschutzgebieten herrscht Leinenpflicht, in Landschaftsschutzgebieten muss der Vierbeiner nur abseits der Wege angeleint werden. Wolffs klare Empfehlung: Hunde immer anleinen. „Man muss doch auch in der Lage sein, sich in andere Waldbesucher hinzuversetzen“, äußert der Förster sein Unverständnis über die teilweise herrschende Uneinsichtigkeit der Hundebesitzer. Dass ein Jogger vor frei herumlaufenden Hunde Angst haben müsse, könne nicht richtig sein.

Oft finde sein Team gefüllte Hundekotbeutel im Gebüsch. Aber auch die „menschlichen Hinterlassenschaften der Notdurft“, wie Wolff sagt, hätten seit der Corona-Pandemie zugenommen. Unter hygienischen Gesichtspunkten sei das problematisch, „Es gibt Menschen, die haben den Wald als Arbeitsplatz.“ Man müsse sich bewusst machen, dass mehr als 50 Prozent des Remscheider Waldes Privatleuten gehöre. „Wenn man irgendwo zu Gast ist, verhält man sich auch entsprechend“, sagt Markus Wolff.

Invasive Arten können sich ausbreiten

Solche Hinterlassenschaften können durch Nährstoffeintrag und Keime Folgen für das Ökosystem haben. Aber vor allem für Flora und Fauna kann die Ausbreitung des Menschen im Wald problematisch werden.

Im Winter, wenn die Tiere in den Winterschlaf oder die Winterruhe gehen, „vergeuden die Tiere unnötige Energiereserven, um zu flüchten“, erklärt Markus Wolff. Werden Blühpflanzen zertrampelt, gehen wichtige Nahrungsgrundlagen für Insekten verloren.

Im April starte die Brut- und Setzzeit. Also die Zeit, in der die Tiere brüten beziehungsweise Junge zur Welt bringen. Durch Störungen im Umfeld trauten sich Muttertiere mitunter nicht zu ihren Jungen, in der Folge könnten sie erfrieren oder verhungern, erklärt der Förster.

„Nehmen Menschen die Jungtiere in die Hand, verlieren sie ihren artspezifischen Geruch und werden von der Mutter verstoßen.“ Seltene, geschützte Arten könnten somit sterben. Durch die nicht zulässige Entsorgung von Grünabfällen im Wald können sich invasive Arten wie der Sibirische Knöterich oder das Indische Springkraut ausbreiten. „Durch ihr explosives Wachstum nehmen sie den anderen Pflanzen Licht und Lebensraum.“

Für das Verhalten im Wald findet Markus Wolff klare Worte: „Hier ist die normal gute Kinderstube gefragt.“

Hintergrund

Überschlägig sei davon auszugehen, dass pro Jahr im Netz der Bundesfernstraßen für die Beseitigung von rund 17 000 Tonnen widerrechtlich weggeworfenem Müll (davon etwa 2/3 auf Parkplätzen und 1/3 an der Strecke) Kosten in Höhe von etwa 18 Millionen Euro entstehen, schreibt das Bundeministerium für Verkehr. Der überwiegende Teil dieser Abfälle falle im Bereich der Bundesautobahnen an; besonders hoch sei das Müllaufkommen entlang der hochbelasteten Strecken während des Ferienreiseverkehrs.

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