Rückblick

Ringen um die erste Apotheke dauerte 17 Jahre

Aus der ersten Apotheke vor Ort wurde später die Adler-Apotheke, die Dr. Thomas Winterfeld gemeinsam mit vier weiteren „Montanus“-Filialen führt. Foto: Doro Siewert
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Aus der ersten Apotheke vor Ort wurde später die Adler-Apotheke, die Dr. Thomas Winterfeld gemeinsam mit vier weiteren „Montanus“-Filialen führt.

Am 8. Oktober 1838 wurden die ersten Medikamente ausgegeben – Noch heute verkauft dort Dr. Thomas Winterfeld Arzneimittel.

Von Ursula Hellmann

Man schrieb den 8. Oktober 1838 – und Burscheid hatte endlich eine eigene Apotheke! Die Zeitangabe „endlich“ spricht deutlich von einer Vorgeschichte dieser Einrichtung, die durchaus eine schwere Geburt genannt werden kann.

Im März 1821 ging eine Anfrage des Franz Jacob Ahren um die Erteilung einer Apotheken-Konzession ein. Das Gesuch wurde leider abgelehnt. In den nächsten Jahren bewarben sich immer wieder Interessenten mit dem gleichen Anliegen. Unter ihnen war auch Johann Wilhelm Leverkus, der bereits in Dabringhausen eine Apotheke betrieb. Burscheid wäre für seinen Sohn Carl ein guter Start gewesen. Aber auch seinem Antrag wurde nicht zugestimmt. Trotzdem wurde der Bedarf nach einer bevölkerungsgerechten Apotheke immer dringlicher. Da konnten selbst die uneigennützigen ärztlichen Hilfen und Ratschläge des Volkspastors Johannes Löh nicht mehr alles abdecken.

Die Wende kam im März 1836, als der Arzt Dr. Karl Christian Wirth aus Nümbrecht in Burscheid eine Praxis eröffnete.

1830 unterschrieb der Burscheider Gemeinderat eine Eingabe an die Regierung in Berlin. Leider konnten die Burscheider noch keinen niedergelassenen Arzt nachweisen, so wurden auch diese und weitere Eingaben negativ beschieden. Was war zu tun? Johann Heinrich Holthausen (Apotheker 1. Klasse und vielgefragter Verwalter) brachte die Idee sozialer Unterstützung der Bürger ins Spiel – aber auch das führte nicht zum Erfolg.

Die Wende kam im März 1836, als der Arzt Dr. Karl Christian Wirth aus Nümbrecht in Burscheid eine Praxis eröffnete. Die gute Nachricht animierte weitere fünfzehn Aspiranten für eine ortsansässige Apotheke. Unter ihnen wurde Ferdinand Friedrich Diergardt, Apotheker 1. Klasse aus Langenberg, ausgewählt. Durch fachliche Kompetenz und lange Berufserfahrung machte er das Rennen.

Zuerst befand sich die Apotheke in Privaträumen an der Hauptstraße

Mit seiner Bestätigung endete also das siebzehnjährige Ringen darum, Burscheid eine eigene Apotheke zu gönnen. Die Eröffnungsvisitation führte die amtlichen Besucher zuerst in die als Offizin eingerichteten Privaträume im Haus des früheren Uhrmachers Mebus (Hauptstraße 47). Als Zeichen für nationale Hochachtung bekam die Burscheider Neuheit eine Anlehnung an den preußischen Adler als ständiges Firmenlogo. Bald war dann das neue Gebäude Ecke Haupt- und Mittelstraße bezugsfertig, sicherheitstechnisch wie gestalterisch auf dem neuesten Stand. Zwanzig Jahre (bis 1858) führte Diergardt das Unternehmen. Am 1. Mai 1858 verkaufte er die Adler-Apotheke an Hermann Friedrich Wilhelm Winkler aus Leichlingen. Ohne weiteren Besitzerwechsel blieb Winkler 31 Jahre ein Begriff in Burscheid. 1889 folgte ihm Leo Lorsbach aus Siegen.

Drei Jahre später gab es bereits wieder einen neuen Apotheker. Der eben erst approbierte Josef Endepols gab aber seinerseits 1902 an seinen Nachfolger Wilhelm Hohendahl ab. Hohendahl starb 1920. Seine Witwe setzte bis 1933 drei sogenannte Verwalter ein. 1933 erwarb dann Gottfried Bancken die wichtige Burscheider Versorgungsstelle. Er begründete damit die bis heute fortgesetzte Linie der Adler-Apotheken-Familie. Sein Schwiegersohn Dr. Karl-Dietrich Winterfeld eröffnete um der wachsenden Bevölkerungszahl willen ein zweites Unternehmen unter dem Namen „Montanus“ und erwies damit dem großen Sohn Burscheids seine Reverenz.

Seit 2011 stehen nun neben der Adler-Apotheke insgesamt vier„Montanus“-Filialen unter der Leitung des Juniorchefs Dr. Thomas Winterfeld. Er bereitet sich schon konkret auf das Jahr 2022 vor, in dem – aller Voraussicht nach – Rezepterstellung und Arzneiausgabe eine neue, recht erweiterte Logistik erfordern wird. Dann bekommt seine Sammlung handgeschriebener Rezepte mit Bleistift auf Notizblock zumindest Museumsstatus.

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