Politik

Richard Kretzer: „Kultur kostet, bringt aber viel“

Richard Kretzer ist der neue Vorsitzende des Kulturausschusses. Bereits jetzt hat er sich für die kommende Zeit viel vorgenommen. Hinter ihm lächelt wohlgefällig Komponist Richard Strauss von der Wand. Foto: Richard Kretzer
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Richard Kretzer ist der neue Vorsitzende des Kulturausschusses. Bereits jetzt hat er sich für die kommende Zeit viel vorgenommen. Hinter ihm lächelt wohlgefällig Komponist Richard Strauss von der Wand.
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Neue Aufgabe für den 33-jährigen CDU-Politiker – Er übernimmt den Vorsitz des Kulturausschusses.

Von Nadja Lehmann

Burscheid. Richard Kretzer geht seine neue Aufgabe entspannt und unaufgeregt, vor allem aber mit viel Vorfreude an: Er ist der neue Vorsitzende des Kulturausschusses und löst in dieser Position Stella Ignatz (BfB) ab, die in der nun 17. Wahlperiode zur 1. Stellvertreterin des Bürgermeisters gewählt wurde. „Ich übernehme die Aufgabe gerne“, sagt Kretzer. Er habe bereits in seinem Wahlkampf, in dem er für die CDU in Hilgen antrat, für die Kultur geworben, wie er mit einem Lächeln bekennt, und in der Frage des Vorsitzes seine „Person in den Ring geworfen“. „Es hat mich einfach gereizt.“

Die Kultur und vor allem die Musik ist selbstverständlicher Bestandteil im Leben des 33-Jährigen. Schon Vater Lothar spielte im Orchesterverein Hilgen (OVH), Sohn Richard setzt die Tradition fort. „Das ist für mich Glück, Freude, Entspannung“, sagt er über die Musik, der er zunächst über die Blockflöte „und die anderen klassischen Instrumente“ näherkam, wie er selbst sagt. Heute spielt er das Euphonium, ein tiefes Blechblasinstrument im Baritonbereich und engagiert sich im Vorstand des OVH. „Im Sportausschuss wäre ich gänzlich falsch“, sagt Richard Kretzer heiter.

„Im Sportausschuss wäre ich gänzlich falsch.“
Richard Kretzer, Vorsitzender des Kulturausschusses

Er wirbt dafür, die Kultur nicht stiefmütterlich zu behandeln: „Sie bereichert uns alle“, sagt er. Und er glaube und hoffe, dass sich die Burscheider Kulturszene weiterentwickeln werde. Ein wichtiger Baustein dabei ist aus seiner Sicht der Umbau des Hauses der Kunst. „Das hat der Bürgermeister massiv vorangebracht“, lobt er Stefan Caplan. Ihm sei bewusst, dass dort eine soziokulturelle Stätte entstehen solle, sagt Kretzer, der aber die Musik nicht aus dem Blick verliert: „Es gibt Handlungsbedarf in der akustischen Ausstattung.“ Einen adäquaten Konzertsaal in Burscheid zu besitzen, sei ein großer Wunsch seinerseits: „Zumal wir in der Stadt mit der Musicalischen Academie und dem Orchesterverein Hilgen ja gleich zwei Orchester haben.“ Als Verpflichtung und Auftrag an den Kulturausschuss begreift er die Existenz der beiden Ensembles. „Der Umbau muss sein. So wie es jetzt ist, kann es nicht bleiben.“

Auch die Musikschule, die angesichts ihrer schrumpfenden Rücklagen Alarm geschlagen und vor ihrem möglichen Ende gewarnt hatte, beschäftigt den neuen Kulturausschussvorsitzenden. SPD und Bündnis für Burscheid haben sich bereits für eine finanzielle Unterstützung seitens der Stadt ausgesprochen. „Da müssen wir noch tiefer ins Thema gehen“, sagt Kretzer. In der kommenden Woche gebe es zwischen CDU und Musikschulleitung ein Gespräch. Ein ergebnisoffenes, wie Kretzer deutlich macht. Man werde einander zuhören. Aber: „Manches dauert mir zu lange. Das Gespräch hätte früher sein können“, sagt er selbstkritisch über seine Partei.

Zuhören, miteinander sprechen – das ist Kretzer wichtig. Er setzt auch auf das interkommunale Kulturmanagement mit Wermelskirchen, auf die Gestaltung eines gemeinsamen Kulturraums durch einen Kulturmanager. Dass sein Wermelskirchener Pendant, der ebenfalls neu installierte Oliver Platt, gerade erst im WGA-Gespräch Burscheid nicht einmal erwähnte und stattdessen von Wermelskirchen als „bergischer Kulturhauptstadt“ träumte, nimmt Richard Kretzer erst einmal gelassen zur Kenntnis. „Gemeinsam kann man mehr erreichen. Ich lerne Oliver Platt gern kennen“, sagt er. Zumal der gemeinsame Kulturraum ja überhaupt Voraussetzung des gemeinsamen Fördertopfs gewesen sei. „Ich bin nicht so für kleine Süppchen“, sagt er augenzwinkernd.

Von einem „exzellent vernetzten“ Kulturmanager erhofft sich Kretzer die Belebung von Spielstätten, die noch nicht so im Bewusstsein sind. Wie der Kirchenkurve - wie geschaffen für ein sommerliches Theater-Open-air. Dafür müsse man dann auch Geld in die Hand nehmen: „Kultur kostet, bringt aber viel.“ Und sie sei – irgendwann nach dem Lockdown – wichtiger denn je: „Ich hoffe, dass die Leute nach dieser stillen Zeit kunstbegierig sind“, sagt Kretzer.

Er selbst habe seit März lediglich zwei Mal vor Senioreneinrichtungen gespielt: „Wenn morgen das OVH anruft und sagt, dass wieder Proben sind, muss ich mich kurz zurückziehen und ein paar Tonfolgen spielen – und dann wäre ich sofort wieder da.“

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