Bewerbungen lohnen sich

Viele Firmen suchen noch nach Nachwuchs

Hoch hinaus: Eine Ausbildung auf dem Bau bietet viele Karrieremöglichkeiten. Für dieses Jahr sind noch Ausbildungsplätze frei. Foto: Ferdinand Paul
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Hoch hinaus: Eine Ausbildung auf dem Bau bietet viele Karrieremöglichkeiten. Für dieses Jahr sind noch Ausbildungsplätze frei.

Viele Ausbildungsstellen sind im Kreis unbesetzt. Corona hat Begegnungen erschwert.

Von Kathrin Kellermann und Udo Teifel

Rheinisch-Bergischer Kreis. Das neue Ausbildungsjahr startet – doch viele Firmen suchen weiterhin Nachwuchs: Im Rheinisch-Bergischen Kreis sind von insgesamt rund 960 gemeldeten Ausbildungsstellen aktuell noch 360 Plätze zu vergeben. Das teilt die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt mit und beruft sich dabei auf Zahlen der Arbeitsagentur.

Die IG BAU Köln-Bonn warnt vor einer Verschärfung des Fachkräftemangels, sollte ein Großteil der Stellen unbesetzt bleiben – und ruft Berufsstarter dazu auf, sich insbesondere in der Baubranche umzusehen. Laut Arbeitsagentur sind bei Hoch- und Tiefbauunternehmen in Nordrhein-Westfalen derzeit noch rund 1 550 Plätze frei. Das entspricht etwa der Hälfte aller gemeldeten Ausbildungsstellen in der Branche.

Obwohl die meisten Ausbildungen Anfang September beginnen, sei es jetzt noch nicht zu spät, Bewerbungen zu schreiben, sagt Regine Bültmann-Jäger, Leiterin der Ausbildungsstellen-Vermittlung der Kreishandwerkerschaft Bergisches Land. „Die Ausbildung kann jederzeit gestartet werden“, bestätigt sie. Wegen des Unterrichts und der Prüfungen an der Berufsschule sei es allerdings optimal, wenn „Nachzügler“ bis zum 1. Oktober in ihr Berufsleben starten.

Dachdecker, Maler, Bäcker und Co. suchen immer noch nach Azubis für dieses Jahr

Zu Beginn des Sommers waren im Innungsgebiet, das sich über den Rheinisch-Bergischen und den Oberbergischen Kreis bis nach Leverkusen erstreckt, noch 150 Lehrstellen zu vergeben. Und auch jetzt seien noch einige Handwerksbetriebe auf der Suche nach Nachwuchs. „Es gibt unter anderem noch Vakanzen bei den Dachdeckern, Anlagemechanikern, Malern, Elektrikern und auch Bäcker und Fleischer suchen“, berichtet sie. Nur im Friseurhandwerk und bei den Tischlern seien alle Plätze für dieses Jahr bereits belegt. Und auch im Kfz-Bereich hätten sich viele interessierte Schulabgänger gemeldet.

Dass Handwerkerbetriebe händeringend nach engagierten jungen Kräften suchen, liege auch an Corona, weiß Katrin Rehse, Pressesprecherin der Kreishandwerkerschaft. „Aufgrund der Pandemie konnte kaum öffentlich Werbung für eine Ausbildung im Handwerk gemacht werden: Ausbildungsmessen haben sich verschoben oder sind ausgefallen und es konnten keine öffentlichkeitsstarken Aktionen umgesetzt werden. Außerdem kam während der Lockdowns die Berufsorientierung in den Schulen zu kurz.“

Darauf verweist auch Mehmet Perisan, Bezirksvorsitzender der IG BAU Köln-Bonn. „Die Corona-Pandemie ist am heimischen Ausbildungsmarkt nicht spurlos vorbeigegangen. Teils bieten Firmen weniger Plätze an oder fahren die Lehre ganz zurück.“

Kreishandwerkerschaft ermutigt Interessierte, sich noch zu melden

Noch ist es für das laufende Jahr nicht zu spät. Von der Kreishandwerkerschaft heißt es: „Wer Interesse an einer Ausbildung in unseren Betrieben hat, kann sich jederzeit bei uns melden!“

Einen weiteren Aspekt von Bildung und Ausbildung hat der Rheinisch-Bergische Kreis beleuchtet. Wie sich Bildung im Rheinisch-Bergischen entwickelt hat und welcher Stellenwert dabei Integrationsprozessen zukommt, das zeigt der aktuelle Bildungsbericht auf, der jetzt vom Amt für Bildung und Integration des Rheinisch-Bergischen Kreises veröffentlicht wurde. Dieser befasst sich mit relevanten Zahlen, Daten und Fakten in verschiedenen Bereichen von Bildung und wird nun nach 2018 zum zweiten Mal herausgegeben.

Der thematische Schwerpunkt liegt in diesem Jahr auf der Analyse der Integrationsprozesse in der Region. Beginnend mit der Darstellung der Entwicklung der verschiedenen Aufenthaltstitel der Menschen mit Zuwanderungsgeschichte in der Region, werden relevante Entwicklungen in den Bildungsverläufen von Menschen mit und ohne Zuwanderungsgeschichte vorgestellt. Interessierte erhalten hier einen Überblick über vorhandene Schulstandorte und ausgewählte Kennzahlen zu dem frühkindlichen und schulischen Bereich, zu berufsbildenden Abschlüssen und zur Arbeitsmarktintegration.

Faktencheck zeigt: Zahl der Ausbildungsverträge mit Azubis ausländischer Herkunft sind gestiegen

„Mit dem aktuellen Faktencheck ,Bildung und Integration’ besitzen wir eine gute Datengrundlage, um die Bildungsprozesse für die verschiedenen Zielgruppen in der Region zu bewerten und daraus in unseren Netzwerken gemeinsame Handlungsschritte und benötigte Angebote abzuleiten“, sagt Kreisdirektor Erik Werdel.

Die Ergebnisse des Faktenchecks „Bildung und Integration“ zeigen unter anderem, dass die Zahl der Ausbildungsverträge mit Auszubildenden ausländischer Herkunft insbesondere in den Handwerksbetrieben im Rheinisch-Bergischen Kreis in den letzten Jahren kontinuierlich auf ein hohes Maß gestiegen ist. „Zugewanderte Auszubildende haben eine wichtige Rolle als Fachkräfte für die Region übernommen und sind hier nicht mehr wegzudenken“ betont Sophia Tiemann, Leiterin des Amtes für Bildung und Integration des Rheinisch-Bergischen Kreises, „die unterschiedlichen Entwicklungen bei den Schulabschlüssen zwischen Kindern und Jugendlichen mit und ohne Zuwanderungsgeschichte zeigen aber auch, dass wir in der Region noch weitere zielgerichtete Anstrengungen unternehmen müssen, um vorhandene Bildungsungleichheiten abzubauen.“

Den Bildungsbericht finden Interessierte auf der Homepage des Kreises: www.rbk-direkt.de.

Hintergrund

1260 Jugendliche aus dem Rheinisch-Bergischen Kreis haben sich seit Oktober 2020 an die Berufsberatung der heimischen Agenturen für Arbeit gewandt, um einen Ausbildungsplatz zu finden. Insgesamt sind das 103 Personen (- 7,6 Prozent) weniger als 2019. Das teilte die Arbeitsagentur Bergisch Gladbach in ihrem letzten Bericht zum Arbeits- und Ausbildungsmarkt mit. Die Berufsberaterinnen und Berufsberater der Arbeitsagentur stehen dienstags und donnerstags von 14 bis 17 Uhr per Hotline zur Verfügung: Tel. (02202) 9333777.

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