Tierrettung

Rettung für 455 Legehennen und elf Hähne

455 Legehennen und elf Hähne wurden gerettet.
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455 Legehennen und elf Hähne wurden gerettet.

Verein Stark für Tiere war am Wochenende im Einsatz.

Von Tanja Alandt

Burscheid. Ganz zerrupft, erschöpft und panisch wurden die geretteten Legehennen und Hähne eines Eltern-Tier-Betriebs aus Niedersachsen in ihren Transportboxen zunächst aus dem Pferdeanhänger herausgetragen und mit Wasser und Futter versorgt.

Da ihr eigentliches Team im Urlaub war, hatte Diana Meyer von Stark für Tiere e.V. nach ihrer Rettungsfahrt ein ganz neues Helferteam anzuleiten. Nur ihre Tochter Janine (15 Jahre), die die Schutzverträge der 85 Adoptanten entgegennahm und ihnen die jeweiligen Schützlinge zuordnete, kannte sie.

Trotzdem saß jeder Handgriff, und sie arbeiteten wie in einem Zahnrad ineinander. Während die einen halfen die zappelnden und schreienden Legehennen unfallfrei in die neue Box der Adoptanten zu bringen, säuberten andere Freiwillige die benutzten Transportkörbe. Parallel wurden im Anhänger die weiteren Transportboxen herausgeholt und auf den Boden gestapelt. „Bald hast du es geschafft“, hörte man die Helfer immer wieder sagen, die die teilweise ganz nackten Hennen beruhigen mussten.

Diana Meyer berichtete, dass gerade die Eltern-Tiere eine ganz schlimme Tortur hinter sich haben: „Sie kennen keinen Platz, keinen Auslauf, keine Sonne.“

Und weiter: „Wo sie vorher waren, hatten sie nur so viel Platz wie ein Din-A4-Blatt. Dieser Platz muss aber nicht auf dem Boden gewesen sein, sondern gilt auch in die Höhe auf der nächsten Etage, damit es für die Industrie möglichst rentabel ist. Das ist Bodenhaltung. Die Leidtragenden sind immer die Tiere und danach der Mensch, weil er das kranke, kaputte Tier zu sich nimmt sowie die ganzen Krankheiten wie Krebserkrankungen“. Dass sie sich gegenseitig zerrupfen, passiert, da sie keine Beschäftigung haben, erläuterte Meyer.

Normalerweise werden Hennen acht bis maximal zehn Jahre alt – mit dieser Vergangenheit, 300 Eier im Jahr legen zu müssen, werden sie nur drei bis maximal fünf Jahre alt und bekommen Krebs, Bauchwassersucht, werden blind, bekommen eine Legedarmentzündung oder auch Legenot, wenn das Ei stecken bleibt.

Zuerst fressen sie immer ganz viel.

Diana Meyer, Tierretterin

Hähne werden normalerweise zehn Jahre alt und sterben meistens innerhalb eines halben Jahres, weil sie seelisch sehr unter den schlechten Bedingungen leiden müssen. Eigentlich sollten sie von der Natur her nur auf bis zu zehn Hennen kommen – in den Betrieben kommen sie jedoch auf 50 Hennen. Für sie ist es besonders schlimm, weil sie ihre Hennen beschützen und auf sie aufpassen möchten, erklärte Meyer.

Sie bekommt von vielen Adoptanten bereits am ersten Tag Nachrichten, in denen sie sich bedanken und Bescheid geben, dass alles gut geklappt hat und schicken Fotos von den Hennen und Hähnen, die nun draußen herumlaufen und leben dürfen.

„Zuerst fressen sie immer ganz viel, da sie sonst immer darum streiten mussten. Dann erschrecken sie sich, wenn ein Blatt herunterfällt oder es regnet. Nach vier Wochen wachsen die ersten Federn und sehen aus, wie kleine Igelchen und nach zwei Monaten sieht man nichts mehr. Dann sehen sie ganz normal aus“, so Meyer. Es erfüllt sie, wenn der ganze Anhänger voll mit Hühnern ist, für die sie einen guten Platz gefunden hat.

Tiere ausbeuten konnte sie noch nie. Nun rettet sie seit fünf Jahren auf diese Weise die sogenannten „ausgedienten Legehennen“ – ihre Tochter hilft seit drei Jahren mit. Die nächste Rettung über 200 Hennen aus Niedersachsen findet im Juli statt. 600 bis 700 Hennen werden im Oktober aus einem Stall geholt.

Weil „die Tiere das Schlimmste, die Hölle, durchgemacht haben“, ist es dem Tierschutzverein wichtig, dass die Adoptanten ein paar Auflagen erfüllen. Neben dem dauerhaften Auslauf sollte es beispielsweise pro Henne mindestens 10 Quadratmeter Platz geben. Ebenfalls muss die tierärztliche Versorgung zwingend sichergestellt sein, und es darf nicht gebrütet werden. Viele Schützlinge scharren nun glücklich auf Pferdehöfen oder Lebenshöfen oder leben in einem normalen Garten.

Hintergrund

Der Verein „Stark für Tiere e.V.“ führt neben den Hühner-Rettungen weitere Rettungs-Projekte für Lämmer, Tauben, Labortiere und „ausrangierte Nutztiere“ durch, die für den Betrieb nicht mehr „rentabel“ sind und daher einfach „ersetzt“ werden. Sie werden durch den Verein aufgepäppelt und an gute Hände weitervermittelt. Wer möchte, kann bei „Stark für Tiere e. V.“ mithelfen sowie Hühner bei sich aufnehmen oder eine Patenschaft übernehmen. Weitere Infos gibt es online unter: www.stark-fuer-tiere.de.

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