Restauratorinnen bringen Kirchenschatz in Schuss

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Objekte aus dem Klingenmuseum in Solingen gehören zu den bedeutendsten Reliquien des Erzbistums Köln

Von Jutta Schreiber-Lenz (Text) und Christian Beier (Fotos)

Cordula Baumsteiger und Claudia Magin beugen sich konzentriert über die wertvollen Objekte, die vor ihnen auf dem Tisch im Stiftersaal des Klingenmuseums liegen. Akribisch lässt Claudia Magin ein mit Lösungsmittel getränktes Wattestäbchen über die filigranen Stege der Kupfertafel gleiten, die im Inneren viele kleine Reliquien-Knochen beinhaltet. Sorgfältig arbeitet die Restauratorin sich vor, von einem der kleinen Quadrate zum nächsten – eine regelrechte Fleißarbeit.

Ihre Kollegin inspiziert gerade die Schauöffnung einer silbernen Monstranz aus der Barockzeit. Die Marienikone, die als sogenannte Lukasmadonna angesehen wurde und in die nun leere Öffnung gehört, liegt sorgfältig zur Seite gelegt, auf dem Arbeitstisch.

Seit Anfang der Woche untersuchen die beiden Spezialistinnen der Kölner Dombauhütte den Gräfrather Kirchenschatz im Auftrag der Gemeinde St. Mariä Himmelfahrt im Schulterschluss mit dem Museum. Seit 1994 beherbergt das Deutsche Klingenmuseum den historischen Kirchenschatz Gräfrath, der aus dem Besitz des aufgehobenen Augustiner- Chorfrauenstifts stammt und als einer der bedeutendsten Kirchenschätze des Erzbistums Köln gilt.

„Zuvor waren die edlen Stücke in einem gut verschlossenen Tresor in der Klosterkirche und konnten nur zu besonderen Anlässen und mit viel Vorbereitungsaufwand einmal hervorgeholt werden“, sagt Dr. Ulrike Spengler-Reffgen für den Vorstand der Gemeinde St. Mariä Himmelfahrt. „Folglich war es ein Gewinn für beide Beteiligten, als der Schatz vor knapp 30 Jahren in das Klingenmuseum umzog und seitdem im ehemaligen Klosterkreuzgang in Vitrinen zu sehen ist. Das Museum bekam weitere spannende Exponate und die Kirche kann die an den Statuetten, Reliquienkreuzen und vielfältigen Monstranzen interessierten Besucher zu den üblichen Öffnungszeiten ins Museum schicken.“ Trotz der hochwertigen Vitrinen, die nicht nur diebstahlgesichert sind, sondern auch optimalen Schutz vor Temperaturschwankungen oder Staub bieten, müssen die kostbaren Objekte in regelmäßigen Abständen von Fachleuten untersucht werden. Das ist die Aufgabe der beiden Spezialistinnen, die zugleich das, was sie für verbesserungsbedürftig halten, auch selbst verändern: „Wir waren sehr gespannt auf die Untersuchung und das fachliche Urteil“, sagt der Leiter des Klingenmuseums, Dr. Sixt Wetzler.

Winzige Nischen müssen gesäubert werden

Als Religionswissenschaftler verfolgt er den Vorgang besonders intensiv. Stück für Stück werden Cordula Baumsteiger und Claudia Magin nun die Objekte begutachten und im Anschluss fachgerecht bearbeiten. „Wir schauen uns das verwendete Material an, um zum Beispiel eine geeignete Reinigungsflüssigkeit zu verwenden, oder suchen Werkzeug heraus, mit dem wir auch bei filigranen Verzierungen weiterkommen, die ja oft winzige Nischen aufweist, in die man mit gröberen Putztüchern oder -wedeln nicht hineinkommen würde“, erläutert Claudia Magin. Dass alles ausschließlich mit Stoffhandschuhen angefasst wird, ist selbstverständlich. Die Arbeit mache große Freude, weil ja jedes Stück Geschichte atme und viel erzähle, sagen die beiden Fachfrauen wie aus einem Mund.

Was den Schatz ausmache, sei übrigens – aus kirchlicher Sicht – gar nicht mal so sehr der reelle Wert der hochwertigen Materialien für die Stücke, sondern das, was sie beinhalten, die Reliquien, sagt Dr. Spengler-Reffgen.

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