Nachhaltigkeit

Reparatur-Café haucht Kaputtem Leben ein

Auch während der Pandemie blieben die Ehrenamtler aktiv und beschäftigten sich mit alter Technik.
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Auch während der Pandemie blieben die Ehrenamtler aktiv und beschäftigten sich mit alter Technik.

Ehrenamtler haben kreativ auf die Pandemie reagiert und damit großen Erfolg gehabt.

Von Ursula Hellmann

Burscheid. Nachhaltigkeit ist ein Wort, das ein langes Echo erzeugt. Das Veranstaltungsformat „Repaircafé“ wurde erstmals 2009 von der niederländischen Publizistin Martine Postma in schriftliche Form gebracht. Daraus ist vor rund zwanzig Jahren auch in Burscheid und Umgebung eine stabile, ehrenamtlich geführte Anlaufstelle entstanden. Als ein Beispiel von nachhaltiger Initiative passt sie sehr gut in das breite Sortiment der Angebote des „Tri-Café“. Was machten aber die Burscheider mit einem reparaturbedürftigen Haushaltsteil unter dem Arm, als der Coronavirus sich als nachhaltig intensiver erwies als die Hilfsbereitschaft?

Michael Corts und seine Freunde fanden einen überraschend positiven Weg. Die kleine Werkstatt hinter üppigem Grün in der Wahner Delle wurde, trotz beschränkter Räumlichkeit, ein idealer Ort, Menschen und ihre kranken Geräte einzeln und mit viel Zeit für ruhige Gespräche zu empfangen.

Festgelegte Termine wurden durch Absprachen ersetzt

Die festgelegten Termine der Reparatur-Treffs im Tri-Café wurden durch private Absprachen ersetzt. Daraus ergab sich die Bilanz: In den beiden ausgebremsten Jahren konnte mehr Wertgegenständen wieder zu einer nachhaltigen Funktion verholfen werden als vorher. Der angenehme, relaxte Kontakt mit den Kunden gefiel auch allen Mechaniker-Spezialisten. In der vergangenen Woche nahmen diesmal Klaus Schardt, Johannes Kurzama und Detlef Karpinski eine Nähmaschine unter die Lupe, die ihnen selbst noch recht unbekannt war: Quasatron, ein Modell aus ehemaligen DDR-Zeiten.

Besteht der Nutzen des Reparatur-Cafés nun hauptsächlich aus dem Erhalten von materiellen Werten? Karpinski machte die verschiedenen Seiten sehr deutlich: „Seit ich mich entschloss, meine freie Zeit nach den Berufsjahren nützlich im freiberuflichen Spektrum einzubringen, fand ich hier eine angenehme, kompetente Gruppe. Im hübschen, ferngelenkten Spielzeugauto bis hin zum fast fünfzig Jahre alten Tonbandgerät erkennen wir zusammen mit den Eigentümern den emotionalen Bezug zum Material und können es auch meist wieder lebendig machen. Dabei möchten wir unser Prinzip durchhalten: Es geht um Hilfe zur Selbsthilfe. Sehr viele, die uns bei der Arbeit zusahen, griffen bald selbst zum Werkzeug und ließen sich gerne erklären, wie die Teile zusammen gehören.“

Klaus Schardt ergänzte: „Auch wenn wir einmal zusammen mit dem Tri-Café in die umgebauten Räume im Raderhaus wechseln, bleiben wir unserer Prämisse treu. Dass manches Nutzgerät wieder Freude macht und nicht im Elektroschrott landet – das freut uns ebenso wie die Besitzer. Wenn das kein Beitrag zur Nachhaltigkeit ist – was denn sonst?“ Und Johannes Kurzama betonte: „Unser Konzept auf ehrenamtlicher Basis hat keinen Platz für kommerzielle Ambitionen.“

Übrigens: Die Zahl wiederhergestellter Nähmaschinen hat sich zuletzt deutlich erhöht. Wer weiß, vielleicht liegt die Herstellung selbstgenähter Artikel wieder im Trend.

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