Im Hagen

Regenrückhaltebecken drosselt das Wasser

Blick in die verregnete Tiefe: Mächtiger Stahl überspannt die Baugrube. Im Hintergrund ist das Vitalbad zu sehen. Fotos: Doro Siewert
+
Blick in die verregnete Tiefe: Mächtiger Stahl überspannt die Baugrube. Im Hintergrund ist das Vitalbad zu sehen.
  • VonNadja Lehmann
    schließen

Gewässerschutz: Technische Werke bauen Im Hagen – Baugrube geht neun Meter hinab

Von Nadja Lehmann

Burscheid. Jens Klingebiel weiß, wovon er spricht. Er ist Diplom-Ingenieur, seit rund 30 Jahren beim Wupperverband. Sein Schwerpunkt: Abwasser. „Ich habe verschiedene Stationen durchlaufen, war unter anderem zehn Jahre Betriebsleiter Beckenanlagen.“ Ein Fachmann, der auf Fachchinesisch verzichtet und der stattdessen die Besucher mit klaren anschaulichen Beispielen und Worten mitnimmt in die Welt der Regenrückhaltebecken.

Die Wände werden durch gelbe Platten abgestützt, sie hievte gestern der Kran in die Tiefe der Baugrube.

Die liegen normalerweise tief unterirdisch vergraben. Erreichbar nur für Fachpersonal, das die Anlage wartet und dazu über die Decken einsteigt. So wird das auch künftig beim Regenrückhaltebecken Im Hagen sein. Aber noch ist das Areal direkt neben dem Vitalbad eine große gewaltige Baustelle – und am gestrigen Montag haben ein paar Laien das Glück, einen Blick in das noch offen daliegende, aber in ein paar Monaten verschlossene Becken werfen zu dürfen. Gastgeber ist der Bauherr, die Technischen Werke Burscheid (TWB), und deshalb sind auch ein paar Mitglieder des neuen Betriebsausschusses zur Stelle wie die stellvertretende Vorsitzende Swantje Wilms (CDU), SPD-Fraktionschef Klaus Becker und Stefan Bublies (CDU). Aus dem Rathaus sind der allgemeine Vertreter des Bürgermeisters, Dirk Runge, und Fachbereichsleiter Marc Baack gekommen, von der TWB der Technische Vorstand Sebastian Nocon und sein kaufmännischer Kollege Christian Meuthen. Und als gute Nachbarn wollen auch der jetzige und der ehemalige Badleiter des Vitalbads, Karsten Baumann und Achim Borgmann, einen Blick in die Tiefe riskieren. Denn die Baugrube ist gewaltig: Rund neun Meter geht es hinab, große Spundwände stützen das Erdreich ab, mächtige Stahlstreben überspannen die Baugrube.

Anlage dient dem Gewässerschutz

Zunächst sorgt Jens Klingebiel für Klarheit bei der Frage, was der Wupperverband mit der Baumaßnahme zu tun hat. „Bauherr sind die Technischen Werke. Ich bin nur ausgeliehen!“, sagt er. Denn die TWB hätten nach dem Weggang von Mitarbeiter Frank Grauvogel keinen profunden Ingenieur mehr an Bord und hätten deshalb beim Wupperverband angeklopft: „Ich hatte gerade ein Projekt abgeschlossen, das passte also sehr gut.“

Warum das gewaltige Bauprojekt? „Es dient dem Gewässerschutz“, sagt Klingebiel. Denn zuvor hatte die Stadt ihr Niederschlagswasser unbehandelt Im Hagen eingeleitet. „Das ist das Oberflächenwasser von rund sechs Hektar. Und das rauscht ungebremst in den Bornheimer Bach“, beschreibt Klingebiel. Bei Platzregen können das schon mal 700 Liter pro Sekunde sein: „Das ist viel zu viel für den Siefen – an Wasser und auch an Dreck. Die Wassermassen räumen quasi den Bach leer – und jeder kleine Krebs findet sich plötzlich fortgeschwemmt in Leverkusen wieder“, sagt Klingebiel.

Künftig ist das anders. Ein Lamellenklärer wird das Regenwasser empfangen, das auf der 70 Kubikmeter großen Fläche gebremst wird und gleich ersten Dreck abgibt – wie Reifenabrieb oder Hundehäufchen. Dann läuft das Wasser Richtung Regenrückhaltebecken. Klingebiel hält ein Modell hoch und demonstriert, wie drei Kammern sukzessive das Wasser aufnehmen und sich füllen. „Das Regenrückhaltebecken muss man sich wie eine riesige Badewanne vorstellen“, sagt er. Eine Badewanne, die die Kontrolle behält: Denn egal wie voll sie ist, laufen nicht mehr als 35 Liter pro Sekunde aus. „Wir können 15 000 Tonnen Wasser speichern“, sagt Jens Klingebiel. Und selbst bei heftigem Regenwetter schwillt der Bach dann zwar an, aber: „Nicht ins Unermessliche.“

Jens Klingebiel (Mitte) im Gespräch mit Dirk Runge von der Stadtverwaltung: Der Ingenieur führte fachkundig über die Baustelle.

Klaus Becker nickt und erinnert ans durchs Starkregenereignis gebeutelte Großhamberg: Der Bornheimer Bach war dort zum reißenden Strom geworden, der Häuser, Garagenplätze und Wege unterspült hatte.

Für den Bornheimer Bach wird es ein Aufatmen sein, wenn die Anlage Im Hagen den Wasserschwall drosselt. „Das Gewässer braucht zwei Jahre, um sich zu gewöhnen, dann wird es sich erholen“, verspricht Klingebiel. In ein paar Jahren könne man auch über eine weitergehende Renaturierung sprechen. Die Stadt baue hier aber keinen außergewöhnlichen Solitär, macht der Ingenieur deutlich. „Sie kommt im Bereich Oberflächenwasser ihren Pflichten nach.“ Er rechnet damit, dass zu Jahresanfang 2023 das Becken unterirdisch verschlossen und oberirdisch der gewohnte Parkplatz zu sehen ist.

Über die Leiter geht es in die Tiefe. Dort wird der Lamellenklärer seinen Platz finden.

Regelmäßige Wartung aber ist Pflicht. „Ein Mal im Monat muss man ins Becken“, sagt Klingebiel. Außerdem müssten die Daten, die aufgezeichnet würden, abgeglichen werden, ob sie plausibel seien. Und eine Grundreinigung sei ein- bis zweimal im Jahr fällig.

„Sein“ Becken empfiehlt der Fachmann für heiße Sommertage: „Da unten ist eine schöne gleichmäßige Temperatur.“

Hintergrund

Neben dem Rückhaltebecken Im Hagen entsteht zudem ein weiteres Becken in Müllersbaum. Die Zahl der Regenrückhaltebecken beziffert Sebastian Nocon (TWB) in Burscheid auf zwölf. TWB und die Remscheider Firma Dohrmann nennen als Kostenpunkt für die Baumaßnahme rund drei Millionen.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Café für Senioren im Megafon
Café für Senioren im Megafon
Der Krieg erschüttert auch die Wirtschaft
Der Krieg erschüttert auch die Wirtschaft
Der Krieg erschüttert auch die Wirtschaft
Straße zwischen Dohm und Lämgesmühle: 13 Monate kein Durchkommen
Straße zwischen Dohm und Lämgesmühle: 13 Monate kein Durchkommen
Straße zwischen Dohm und Lämgesmühle: 13 Monate kein Durchkommen
Politiker beißen sich an Begrifflichkeiten fürs Areal fest
Politiker beißen sich an Begrifflichkeiten fürs Areal fest
Politiker beißen sich an Begrifflichkeiten fürs Areal fest

Kommentare