Rauhnächte gelten als besondere Zeit im Jahr

Auch das Feuerwerk hat sich aus dem Aberglauben der Rauhnächte entwickelt: Gegen unheimliche Gestalten wird gelärmt. Archivfoto: Roland Keusch
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Auch das Feuerwerk hat sich aus dem Aberglauben der Rauhnächte entwickelt: Gegen unheimliche Gestalten wird gelärmt. Archivfoto: Roland Keusch

Vom Brauchtum bis zum Aberglauben

Von Ursula Hellmann

Silvesternacht – 24 Uhr! Das neue Jahr steht vor der Tür und wartet darauf, mit einem bombastischen Feuerwerk begrüßt zu werden. Leider muss sich der erste Tag im Jahr 2022 mit sprudelnden Sektperlen und Wunderkerzenfunken ebenso begnügen wie sein Vorgänger. Ob es den startklaren 365 Tagen aber in Wahrheit etwas ausmacht?

Was das laute Knallen und Sprühen an jedem Jahreswechsel bezwecken sollte, hat ohnehin nicht – oder noch nie – geklappt. Immerhin sollten die unangenehmen Erfahrungen der letzten zwölf Monate sozusagen „entsorgt“ und Platz geschaffen werden für frische, positive Wünsche und Vorhaben.

Wer kennt aber heute noch die Bedeutung der zwölf Rauhnächte vom 25. Dezember bis zum 6. Januar? Im alten Germanien galten sie als Zeit voller Magie, Weisheit und Kraft – als eine Zeit der inneren Rückschau und Stille. Auch heute gibt es kommerzielle Angebote für diese Übergangstage zum Genießen von Wohlfühl- und Ruheprogrammen unter der Prämisse von Achtsamkeit.

Dämonen galten als fellbekleidete Wesen

Rauhnächte – oder auch Rauchnächte. Als Wortstamm könnte das mittelhochdeutsche „rüch“ oder haarig gelten. In historischer Vorzeit galten die Dämonen als fellbekleidete Wesen, die in den Rauhnächten ihr Unwesen trieben. Es wird im Begriff Rauchware in der Kürschnerei noch verwendet. Aus dieser germanischen Götterangst hielt sich lange das Beräuchern der Ställe mit Weihrauch zum Schutz vor Krankheiten im Nutzviehbestand.

Und wieso ausgerechnet diese Übergangsnächte in den Ruf kamen? Es ergab sich aus der variablen Zeitrechnung von Mondjahr (354 Tage) und Sonnenjahr (365 Tage). Mit den „toten Tagen“ wurden die fehlende Zeit ausgeglichen. Gleichzeitig wurden sie als Winterauskehr und Frühlings-Tag-und-Nachtgleiche interpretiert.

Als die Botschaft des Evangeliums durch Europa ging, war das genaue Geburtsdatum Christi nicht festgelegt. Ein großes Fest im römischen Reich, im Zusammenhang mit dem Kaiserkult, fand am 25. Dezember statt. Es wurde als Ankunft des wahren Lichts dann einfacherweise von den Kirchen übernommen.

Die Mitte der zwölf Rauhnächte hat eine besonders gespenstische Geschichte. An Silvester soll die „Wilde Jagd“ aufbrechen. Das Reich der Geister steht offen, die Seelen der Verstorbenen haben Ausgang. Sie veranstalten zusammen mit den Dämonen wilde Ritte durch die Luft und erschrecken die Menschen.

Sage: Menschen verwandeln sich in reißende Wölfe

Bis vor wenigen Jahrhunderten kursierte im Baltikum, in der Eifel, den Ardennen und Bulgarien die Sage, dass Menschen sich dann in reißende Wölfe verwandeln könnten und Menschen und Vieh bedrohen.

Um diese schreckliche Gefahr von den Häusern fernzuhalten, gingen also in der Silvesternacht die Bewohner durchs Dorf und machten Lärm mit großen, überlaut tönenden Töpfen, oder es wurden viele Böller und Knaller abgeschossen. Aus dieser Tradition heraus hat sich der bunte Funkenregen der Feuerwerksraketen zur wahren Kunstform entwickelt.

Rauhnächte – eine der Gebräuche, etwas über Zukunft und Leben herauszufinden, hat sich im Bleigießen bis heute erhalten. Sogar die nette Frau Holle war als Göttergattin Freya schon in der Riege undefinierbarer unsichtbarer Wesen aktiv. Ob auch heute noch einige Ängstliche auf das Wäschewaschen zwischen Weihnachten und Neujahr verzichten, ist zu bezweifeln.

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