Ortstermin

Raserei beängstigt Anwohner in Kämersheide

Begehung der L 58 in Kämersheide: Anwohner Wolfgang Paas (l.) und SPD-Fraktionschef Klaus Becker zeigen die Schäden durch Raser. Foto: Nadja Lehmann
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Begehung der L 58 in Kämersheide: Anwohner Wolfgang Paas (l.) und SPD-Fraktionschef Klaus Becker zeigen die Schäden durch Raser.

Bei einem Ortstermin hat sich SPD-Fraktionsvorsitzender Klaus Becker umgesehen – Antrag auf Verkehrsberuhigung ist gestellt.

Von Nadja Lehmann

Burscheid. Wenn Wolfgang Paas vor die Haustür tritt, die Stufen hinuntergeht und am Rand seines Grundstücks steht, tut er gut daran, erst sorgsam nach links und rechts zu blicken. Denn unmittelbar vor seinem Haus in Kämersheide verläuft die L 58. Eine ganz normale Straße – sollte man meinen. Mit ungefähr fünf Metern nicht übermäßig breit, nicht übermäßig kurvig. Geht man ein paar Schritte nach links, steht dort das Ortsausgangsschild. Bis dahin gilt Tempo 50. Eigentlich. „Es gibt viele, die nutzen das als Rennstrecke“, sagt Wolfgang Paas.

Deshalb ist Klaus Becker vorbeigekommen, um sich das Ganze vor Ort nochmals anzusehen. Der SPD-Fraktionsvorsitzende kennt das Thema, will es nicht zum ersten Mal anpacken. Auch Anwohnerin Simone Röttger hat sich auf den Weg gemacht. Sie wohnt ein paar Meter weiter stadteinwärts – da, wo Verkehrsspiegel und Blitzer stehen. Und wo ihr Sohn eigentlich in den Schulbus einsteigen möchte. „Ich kriege die Krise, wenn ich ihn die Straße überqueren sehe“, sagt seine Mutter. „Das ist gefahrlos nicht möglich.“

„Lediglich ein Blitzer wird das hier nicht lösen“, sagt Klaus Becker. Er plädiert für eine Verkehrsberuhigung. „Das haben wir vor 20 Jahren schon gefordert.“ Erfolg habe die SPD damit indes nicht gehabt. „Das wurde immer wieder abgeschmettert. Die Polizei stuft Kämersheide nicht als Gefahrenpunkt ein, weil es noch keinen tödlichen Unfall gab.“

Unfälle aber sehr wohl, wie Wolfgang Paas zu berichten weiß. Ein Auto sei auf den Randstreifen vor seinem Haus geschliddert, erzählt er und zeigt auf den Poller zu seiner Rechten: „Den habe ich damals aufgestellt. Auf der anderen Seite will ich das auch noch tun.“ Auch Klaus Becker kann etwas beisteuern, weist stadteinwärts auf ein Auto hin, das in einer Grundstückseinfahrt parkt und in die Kurve hinauslugt: „Dem ist mal das halbe Heck weggerissen worden.“ Und wer so nachliest, was sich in den vergangenen Jahren auf der L 58 ereignet hat, stößt immer wieder auf dieselben Vokabeln: Quad mit 108 Stundenkilometern geblitzt – Alkoholisierter Fahrer rammt geparktes Auto in Kämersheide. . .

Rund 200 Meter dienen als Rennstrecke

Ungefähr 200 Meter sind es, die als Rennstrecke dienen. „Besonders gern von Lützenkirchen hoch“, beschreibt Wolfgang Paas. Da gebe es Fahrer, die bewusst ihr Heck ausbrechen ließen und denen der Abrieb ihrer Reifen schnuppe sei: Wolfgang Paas zeigt die Spuren auf dem Asphalt – die unübersehbaren, meterlangen Bremsspuren und jene Stelle, an der der Asphalt sogar aufgeplatzt und weggespritzt ist.

Paas, der seit 69 Jahren in Kämersheide lebt, kann nur den Kopf schütteln. „Zwischen 17 und 19 Uhr ist es am schlimmsten“, beschreibt er. Der Starenkasten entschärfe die Lage nicht, bedauert Simone Röttger: „Entweder die Raser bremsen kurz vorher ab und geben dann wieder Vollgas oder sie wechseln direkt die Fahrbahn, um nicht geblitzt zu werden. Dort fahren sie dann mit unverminderter Geschwindigkeit weiter.“ Seit die Autobahnbrücke auf der A 1 für Laster gesperrt sei, werde die L 58 zudem oft als Ausweichstrecke genutzt.

„Die Parksituation ist hier eine Katastrophe“, ergänzt eine weitere Anwohnerin, die sich hinzugesellt hat. Auf den Grünstreifen dürfe man nicht parken, das schlage mit 55 Euro zu Buche. Wer eine Parklücke suche, werde vom Durchgangsverkehr angehupt.

Es ist eine Gemengelage, zu der Klaus Becker nun einen Antrag gestellt und sich damit an Bürgermeister Dirk Runge gewandt hat. „Wir haben Beschleunigungsspuren von mehr als 100 Metern vorgefunden. Teilweise ist der Asphalt ausgerissen worden. Geschwindigkeiten, von über 100 Stundenkilometern sind an der Tagesordnung. Wir erbitten Ihre Unterstützung bei den entsprechenden Behörden, hier eine dauerhafte Abhilfe zu schaffen. Ab und zu mobiles Blitzen ändert nichts an der vorhandenen Gefahrensituation. Wir schlagen eine bauseitige Verkehrsberuhigung vor. Gleichzeitig sollte, durch neu zu schaffenden Parkraum, sowohl eine Beruhigung als eine sichere Stellfläche für Pkw geschaffen werden. Auch kann durch eine Bepflanzung der Verkehrsfluss angemessen gestaltet werden“, schreibt Becker und wählt deutliche Worte: „Argumente wie »Es ist noch niemand zu Tode gekommen« zählen nicht und sind das ultimative Armutszeugnis der entsprechenden Behörden.“

Weiterer Antrag

SPD-Fraktionschef Klaus Becker hat einen weiteren Antrag zu Kaltenherberg formuliert, in dem er eine Querungshilfe Höhe Kamp fordert. „Besorgte Bürger haben die SPD-Fraktion angesprochen, ihnen bei dem Antrag behilflich zu sein“, schreibt er. Auf der linken Seite der B 51, Richtung Blecher, sei es durch mehrere Neubauten zu einer durchgehenden Bebauung bis Kamp gekommen. „Hier leben junge Familien mit Kindern. Eine Querung der Straße ist hier durch das starke Verkehrsaufkommen nicht möglich. Um die gegenüberliegende Bushaltestelle Löhsiedlung zu erreichen, müssen die Kinder bis zur Kreuzung Kaltenherberg laufen, da dort eine Fußgängerampel die sichere Querung der Fahrbahn erst ermöglicht.“

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