803.000 Euro Kosten

Rampe und Park: An Grün soll es nicht mangeln

Die Rampe in Richtung Hauptstraße nimmt Gestalt an, ihre Aufschüttung ist deutlich erkennbar. Fotos: Nadja Lehmann
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Die Rampe in Richtung Hauptstraße nimmt Gestalt an, ihre Aufschüttung ist deutlich erkennbar.
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Verbindungsstück von Trasse zur Hauptstraße soll Zeit sparen und Aussicht bieten – Bund der Steuerzahler und BUND sind skeptisch.

Burscheid. Die Passantin guckt skeptisch über die Baustelle. Tief geht es von der Hauptstraße hinunter auf die Trasse. Bisher gab es keine Verbindung nach oben und unten. Die vieldiskutierte Rampe soll das ändern, angeschüttet ist sie bereits. „So wird unser Geld zum Fenster rausgeworfen“, grummelt die Frau und geht weiter.

Ähnlich hatte das der Bund der Steuerzahler eingestuft. „Für diese Vision greift Burscheid tief ins Portemonnaie der Steuerzahler“, hatte Andrea Defeld vom Bund der Steuerzahler angemerkt. „Aussichtsplattform und Rampe kosten zusammen aktuell etwa 803.000 Euro. Im Jahre 2016 lagen die Schätzungen noch bei 534.000 Euro. Das Land beteiligt sich zu 70 Prozent an den förderfähigen Kosten.“

Auch wenn die Rampe umstritten ist: Sie ist jetzt da.

Manfred Lindenau (BUND)

Der Bund der Steuerzahler hält die Rampe, mit der die Stadt eine direkte Anbindung in die Innenstadt schaffen und Touristen anlocken will, für überflüssig. Es gebe bereits dementsprechende Strecken durch Montanus- und Dammstraße, über die mit nur wenigen Minuten Mehraufwand die Innenstadt erreichbar sei. Die Stadt sieht das anders. „Die vorhandenen Anbindungen erfüllen den verkehrlichen, nicht aber den touristischen Aspekt, der gerade bei dieser Maßnahme von der Stadt Burscheid vorangestellt wurde“, hatte Stadtsprecherin Renate Bergfelder-Weiss erklärt.

Wird gründlich umgebaut: der Innenstadtpark West.

Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) blickt mit Skepsis auf die Rampe. Deshalb war Manfred Lindenau in den Stadtentwicklungsausschuss gekommen, um dementsprechende Nachfragen zu stellen. „Auch wenn sie umstritten war und ist: Sie ist jetzt da. Mit der Abstufung, die den Hang aufnimmt, ist sie einigermaßen gelungen an die Topographie angepasst. Ob sie nun im Rahmen ihrer Umgebung mehr als Teil des Grünzugs Innenstadt, weniger als technisches Bauwerk wirkt, hängt von der weiteren Gestaltung ab“, sagt Manfred Lindenau. Zugleich richtete der BUND seine Aufmerksamkeit auf den nur wenige Meter entfernte Innenstadtpark West und den Gartenweg. „Wir wollen nichts Böses. Wir wollen den Dialog“, betonte Lindenau in Richtung Verwaltung. „Wir sehen aber, dass immer mehr Grün aus der Stadt verschwindet.“ Da würden auch Ausgleichspflanzungen in Kämersheide nichts nutzen.

Fachbereichsleiter Marc Baack hatte umfangreiches Kartenmaterial mitgebracht. Auf die weiß schraffierte Fläche zwischen Rampe und Gartenweg werde nicht zugegriffen, vorhandene Bäume blieben, betonte er in seiner Antwort. Maßgeblich dabei sei die Ausführungsplanung und nicht die Skizzen des Integrierten Entwicklungs- und Handlungskonzepts: Dort sind Kugelbäume eingezeichnet, die Manfred Lindenau nach eigener Aussage „irritiert“ hatten. „Wir wollen heimische Bäume“, bekräftigte Baack und nannte als Beispiele Esskastanie und Spitzahorn. Im unteren Bereich zur Trasse seien Sträucher geplant, am Hang eine insektenfördernde Gras- und Kräutermischung. Die aber müsse doch gepflegt werden, wandte Sabine Krämer-Kox vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) Wermelskirchen-Burscheid ein: Ob der Hang dafür nicht viel zu steil sei?

Flächen werden durch die Stadt gepflegt

„Wir werden die Flächen entsprechend pflegen. Das wird vielleicht nicht wie ein englischer Rasen aussehen, aber über die Hangflächen kann man mit einem Trimmer gehen“, sicherte Marc Baack zu. „Das ist machbar“, befand auch Bernhard Cremer vom Bündnis für Burscheid. Es gebe Mähmaschinen, die man von der Seite aus bedienen könne. „Ein wichtiger Aspekt der Pflanzen ist ja auch: Sie halten den Hang fest.“

Auch das Grün des Innenstadtpark West sei gesichert, auch wenn man „ein paar Bäume“ habe fällen müssen, wie Baack einräumte. Manfred Lindenau hatte für die Neugestaltung sogenannte „Mixed Borders“ vorgeschlagen, die in englischen Gärten beliebte Kombination aus Nutz- und Zierpflanzen. „Wir müssen uns natürlich an der Möblierung orientieren“, sagte Baack und erinnerte an Ein-Mann-Bunker, Wasserspiel und Blumengarten. „Aber aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben.“

Gleiches gelte für den Vorschlag des BUND, die Grünfläche zur Friedrich-Goetze-Straße hin stärker abzuschirmen. „Es war allerdings Bestandteil der Beschlussvorlage, die Fläche offen und einsehbar zu halten“, sagte Marc Baack. „Aber man kann ja auch im Nachgang noch Pflanzen setzen“, ergänzte Bürgermeister Dirk Runge. Das wäre ganz im Sinne von Sabine Krämer-Kox: „Wir brauchen mehr Bäume als Beton.“

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