Verkehr

Radwege: ADFC-Expertin sieht Nachholbedarf

Auf der Trasse lässt es sich schön radeln. Die Anbindung an die Innenstadt fehlt aber noch, die Trasse unterquert sie gewissermaßen. Archivfoto: Nadja Lehmann
+
Auf der Trasse lässt es sich schön radeln. Die Anbindung an die Innenstadt fehlt aber noch, die Trasse unterquert sie gewissermaßen.
  • VonNadja Lehmann
    schließen

Sabine Krämer-Kox hat im Fahrradklima-Test Problempunkte abgefragt.

Von Nadja Lehmann

Burscheid. Quasi von Amts wegen hat Sabine Krämer-Kox die Schwachstellen der Fahrradlandschaft im Visier: Sie ist die Sprecherin des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) Ortsverband Wermelskirchen/Burscheid. „Ich fahre aber natürlich auch lieber dort, wo es schön ist“, gesteht sie augenzwinkernd ein. „Ich sehe auch nicht alles.“ Aber doch genug. Denn natürlich ist die Burscheiderin nicht nur auf ihrer Haus-und-Hof-Strecke, dem täglichen Fünf-Kilometer-Weg zur Arbeit nach Tente, unterwegs. Das bewies sie eindrucksvoll beim Stadtradeln. Da belegte sie hinter SPD-Fraktionschef Klaus Becker mit 1301 Kilometern den zweiten Platz.

Sabine Krämer-Kox vom ADFC.

Sie will aber auch von den Freizeitradlern der Region wissen, wo der Schuh drückt. Eine Chance, sich zu artikulieren, gab es jüngst beim Fahrrad-Klima-Test des ADFC: Dabei konnten Radler die Problempunkte ihrer Stadt aufzeigen. Die Resonanz? „Nicht so, wie ich es mir gewünscht habe“, bedauert Krämer-Kox. Wobei in Burscheid und Wermelskirchen mehr mitmachten als 2018: Mehr als 70 Burscheider meldeten sich, aus der Nachbarstadt kamen mehr als 150 Rückmeldungen. Und insgesamt waren es in Rhein-Berg und Oberberg mit mehr als 2100 Teilnehmern doppelt so viel wie vor zwei Jahren.

„Ob und inwieweit Verbesserungen umsetzbar sind, muss von Politik und Verwaltung entschieden werden“, sagt Krämer-Kox. „Da die Stadt Burscheid mittlerweile eine Umweltmanagerin hat und in Hilgen mit dem Raiffeisenplatz über einen wichtigen Mobilitätsknoten mit Leihrädern verfügt, hoffen wir, dass der Fahrradklima-Test auch in Burscheid einen Beitrag zur Mobilitätswende und somit mehr Umweltschutz durch reduzierte CO2- und Lärmbelastung leisten kann.“

Licht und Schatten liegen, wie überall im Leben, auch in Burscheid dicht beisammen. Dass sich die Zahl der sicheren Abstellplätze erhöht hat, begrüßt Krämer-Kox. „Nur so bringt man die Menschen aufs Rad“, sagt sie. Diese wollten ihre teils hochpreisigen Bikes sicher angeschlossen und untergestellt wissen. Und auch den Mobilitätsknoten Hilgen hält die ADFC-Expertin für eine tolle Sache – ebenso wie Burscheids Lage an der Trasse.

Radfahrer rauschen bislang an der Innenstadt vorbei

Hier liegt in ihren Augen indes ein großer Knackpunkt. Denn bislang rauschen die Radfahrer auf der Trasse an der Innenstadt vorbei. Direkte Zuwegungen sind Mangelware. Und das, so listet es schon das Integrierte Entwicklungs- und Handlungskonzept (IEHK) 2025 auf, soll sich ändern: „In der Trasse verbirgt sich ein großes Potenzial zur Stärkung und Belebung der Innenstadt. Dazu ist die Schaffung von mehreren guten und einer sehr guten, direkten Anbindung des Panorama-Radwegs an die Innenstadt zwingend notwendig“, heißt es im Konzept. Eine Rampe soll´s richten. Die aber weise eine Steigung von acht Prozent auf und mache deshalb Kehrtwende und Umlaufsperre notwendig, warnt Krämer-Kox. Umständlich und zu teuer, findet sie und hätte sich stattdessen eine Spange über Montanusstraße, Markt und Damm gewünscht: „Ich weiß nicht, ob die Rampe den gewünschten Effekt hat.“

Ganz pragmatisch wirbt Krämer-Kox für „gute Wege, auf denen man fahren kann“ – und wünscht sich eine stärkere Einbindung des Vereins bei solchen Entscheidungen. Es gebe durchaus eine Infrastruktur, an der es aber nachzubessern gelte, so Krämer-Kox: „Durch Furten und farbige Markierungen, Beleuchtung, Begradigung von Wegführungen, Öffnung von Einbahnstraßen, Ausbesserung von Wegschäden.“

Im Gegensatz zum Dauerstreitpunkt in Wermelskirchen, dem Fahren entgegen der Einbahnstraße auf der Telegrafenstraße, ist das in Burscheid geräuschlos im Zuge des Umbaus der Hauptstraße umgesetzt worden: Auf der oberen Hauptstraße geht es schon, auf der mittleren ist es geplant. „Das ist ein Fortschritt“, findet Krämer-Kox, die auch die „vorbildlichen und komfortablen“ Rad-/Gehwege entlang der B51 zwischen Hilgen und Dünweg lobt. Über Dünweg hinaus in Richtung Kaltenherberg sehe es leider schon wieder ganz anders aus.

Handlungsbedarf sieht sie auch an der Ortsdurchfahrt Dierath (K2), der Verbindungsstrecke zwischen Hilgen-Heide und Kuckenberg (K2), insbesondere bei der Ortsdurchfahrt Blasberg, an der L58 zwischen Kämersheide und Sieferhof sowie Dürscheid und Lützenkirchen. Oder auf der K18 zwischen Hilgen und Dabringhausen. „Kein Radfahrer fährt dort gerne“, sagt sie. Denn die Autofahrer überholten in unübersichtlichsten Kurven: „Es scheint leider nicht in die Köpfe der Autofahrer hineinzugehen, dass man auch mal hinter einem Fahrrad fahren kann.“ Mit dem ADFC aber bleibe sie an diesen Themen dran. „Die Mobilitätswende“, nennt sie ihr Credo, „beginnt im Kopf.“

Hintergrund

Ende 2019 hatte der ADFC in einem Bürgerantrag vorgeschlagen, den Gehweg, der entlang der L 58 von Dürscheid nach Lützenkirchen führt, auch für Radfahrer freizugeben. Dieser Antrag wurde abgelehnt. Stattdessen nahm Straßen NRW die Strecke in das Programm „Radwegebau an bestehenden Landesstraßen“ auf.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Chempark: Explosion beschäftigt Burscheid
Chempark: Explosion beschäftigt Burscheid
Chempark: Explosion beschäftigt Burscheid
Bergischer Feierabendmarkt in Burscheid
Bergischer Feierabendmarkt in Burscheid
Bergischer Feierabendmarkt in Burscheid
Kulturbadehaus wird wieder zum „Freibad“
Kulturbadehaus wird wieder zum „Freibad“
Kulturbadehaus wird wieder zum „Freibad“
Es gibt im Kreis wieder deutlich mehr freie Stellen
Es gibt im Kreis wieder deutlich mehr freie Stellen
Es gibt im Kreis wieder deutlich mehr freie Stellen

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare